Schleifen von Holzoberflächen Teil 1: Schleifen vorbereiten und Schleifgrundlagen

Will man eine Holzoberfläche lackieren, lasieren, wachsen oder ölen, sollte man zunächst das Holz von Bearbeitungsspuren befreien und anschließend gründlich schleifen. Der richtige Schliff bildet das Fundament für die spätere Oberflächenbehandlung.

Bearbeitungsspuren sind z. B. Leimreste auf dem Holz, kleine Dellen, Unebenheiten, Bleistiftstriche, Materialausrisse.

Im ersten Teil meines Schleifartikels gehe ich vor allem darauf ein, wie Sie die genannten Bearbeitungsspuren entfernen können. So bereiten Sie die Holzoberfläche für das Schleifen vor. Außerdem gebe ich ein paar grundlegende Tipps  zum Schleifen.

Ausgetretenen Leim entfernen

Leimwülste schneidet man ca. 1,5 bis 2 Stunden nach dem Verleimen mit einem scharfen Stemmeisen weg. Der Leim ist dann lederhart und schmiert nicht mehr. Wenn doch etwas Leim auf das Stemmeisen schmiert, sollte man diesen sofort und restlos entfernen. Andernfalls entstehen auf dem Stemmeisen Rostflecken.

Ich bevorzuge es, den Leim wegzuschneiden, da sich Leimreste besonders schwer wegschleifen lassen. Nur, was ich nicht mit dem Stemmeisen machen kann, schleife ich.

Lederharte Leimwülste lassen sich mit einem scharfen Stemmeisen wegschneiden. Sollte doch mal etwas Leim am Stemmeisen kleben bleiben, entfernt man die Verschmutzung umgehend durch intensives Reiben an einem Stück Abfallholz.

Dellen ausbessern

Sind die Holzfasern nur eingedrückt und nicht abgerissen, lassen sich Dellen mit Wasser ausbessern. Man tropft etwas Wasser auf die schadhafte Stelle. Das Wasser dringt in die Holzfaser ein. Das Holz quillt auf und bestenfalls verschwindet die Delle völlig. Dieser Vorgang lässt sich beschleunigen, wenn man ein feuchtes Tuch und ein heißes Bügeleisen verwendet. Wasserdampf lässt das Holz in kurzer Zeit hochquellen. Dellen, welche man auf diese Weise beseitigt hat, braucht man nicht mehr herausschleifen. So spart man Zeit und Schleifpapier.

Dellen sind eingedrückte Holzfasern.
Aus einem Wasserglas …
…tropft man mit dem Finger mehrfach Wasser auf die Delle.
Das Wasser wird von den Holzzellen aufgenommen. Die Zellwände quellen auf und die Delle verschwindet. Zumindest aber wird sie reduziert und lässt sich leichter herausschleifen.
Durch Wasserdampf quellen die Holzzellen in kurzer Zeit auf.

Weitere Bearbeitungsspuren mit Schleifpapier beseitigen

Weitere Bearbeitungsspuren wie Unebenheiten, Materialausrisse, Bleistiftstriche und kleinere Leimreste beseitigt man, indem man mit einer 80er Körnung darüber schleift. Das grobe Schleifpapier hinterlässt Kratzer, welche mit einem feineren Schleifpapier herausgeschliffen werden.

Bleistiftmarkierungen sind beim Möbelbau sehr hilfreich. Später werden sie weggeschliffen. Bleistiftstriche und …
… Materialausrisse schleift man mit 80er Schleifpapier weg.

Tipps zum Schleifen

Man arbeitet sich beim Schleifen vom Groben ins Feine vor. Eine sinnvolle Abfolge ist Körnung 80; 100; 120; 150; 180; 220. Man sollte den Abstand von einer Körnung zur nächsten eher klein halten. Springt man beispielsweise von der groben 80er Körnung sofort zu der relativ feinen Körnung 150,  braucht man mehr Zeit, als wenn man noch ein oder zwei Körnungen (100er und 120er) zwischenschiebt.

Die Körnung des Schleifpapiers ist meist hinten aufgedruckt.

Schleifen Sie mit wenig Druck und wechseln Sie das Schleifpapier sofort aus, wenn es stumpf ist. Ein Schleifpapier ist stumpf, wenn der Abtrag spürbar sinkt. Jetzt Druck auszuüben, um noch etwas herauszuholen, ist nicht sinnvoll. Man drückt nur die Holzfasern in die Fläche und erzeugt so ein ungleichmäßiges Schleifbild.

Gleichmäßige Fläche

Vor allem zum Abschluss des Schleifens sollte man sicher gehen, jede Stelle mit der gleichen Körnung geschliffen zu haben. Hat man an einer Stelle mit einer gröberen Körnung geschliffen als auf der restlichen Fläche, saugt das Holz dort anders. Trägt man dann später den Anstrich auf, sind häufig Farbunterschiede die Folge, welche deutlich sichtbar sind.

Wechseln Sie vor allem beim Feinschliff mit Körnung 150 bis 220 das Schleifpapier rechtzeitig. Haben Sie an einigen Stellen stumpfes Schleifpapier verwendet und an anderen Stellen scharfes, führt das ebenfalls zu Farbunterschieden.

Weitere Artikel:

Fachliteratur

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