Die Urban Woodworking Story

Eine Idee entsteht

In den vergangenen Jahren sind die Immobilienpreise in vielen Städten stark gestiegen. Wohn- und auch Werkstatt-Raum wurde knapper und teurer. So auch in Nürnberg. In meinen Holzbearbeitungskursen bekomme ich als Dozent  immer wieder die Frage gestellt: „Wo findet man denn hier in Nürnberg Werkstattraum? Ich würde gern etwas aus Holz bauen, weiß aber nicht, wo ich das machen kann.“ Ich verweise dann auf zwei offene Werkstätten, welche es in der Stadt gibt. Diese können natürlich niemals die große Nachfrage befriedigen. Viele meiner Kursteilnehmer müssen daher versuchen, zuhause einen Arbeitsplatz zu schaffen. Hier sind kreative Lösungen gefragt.

Unter dem Eindruck dieses Problems wuchs in mir der Gedanke etwas zu entwickeln, das Holzbearbeitung auch in einer (Groß-) Stadt möglich und interessant macht, selbst wenn nur wenig Platz zur Verfügung steht.

Im Großraum Nürnberg sind Wohnraum und Werkstatt-Räume sehr knapp. Häuser werden immer enger aneinandergebaut und die Mieten sind stark gestiegen.
Viele Holzbearbeiter haben ihre Miniwerkstatt in den eigenen Wohnräumen.

Urban woodworking startet

Die Idee für den „urban-woodworking“ – Blog kam mir im Herbst 2013. Realisiert habe ich sie aber erst vier Jahre später. Im Oktober 2017 ging der Blog urban-woodworking.de online. Diesen Blog sehe ich als einen lebendigen Prozess.

Ausgehend von der Situation eines Großteils meiner Kursteilnehmer bin ich bestrebt, Fachwissen speziell für das Arbeiten auf kleinem Raum aufzubereiten. Indem ich meine Projekte ohne große Schreinerei durchführe, bin ich immer nah an der Situation der Holzbearbeiter in der Großstadt. Ein Handarbeitsplatz direkt neben unserem Familienesstisch ist mir ebenfalls ein Testfeld für an die Wohnung angepasste Projekte. Es ist spannend für mich zu sehen, wie ich immer wieder auch das Interesse meiner Kinder für die Holzbearbeitung gewinnen kann. Sie erleben, wie handwerkliches Arbeiten funktioniert und legen auch selbst immer wieder Hand an. Mit Staunen konnte ich beobachten, wie Kinder sich mit großer Ausdauer daran machen Materialien aller Art zu erforschen.

Bei der Tätigkeit als Blogger kann ich auf einige Erfahrung als Fachjournalist zurückgreifen, welche ich bei der Tätigkeit für mehrere Holzbearbeitungszeitschriften gesammelt habe. Am wichtigsten jedoch sind meine nun fast 30 Berufsjahre als Schreiner und Dozent im Holzbereich. Ebenfalls bin ich sehr dankbar für meine Familie, welche das ganze Projekt „Urban Woodworking“ mitträgt. Ohne diesen familiären Rückhalt wäre all das so nie entstanden.

Direkt neben unserem Familienesstisch findet nun auch Holzbearbeitung statt.

Urban Woodworking wächst

Seit Oktober 2017 veröffentliche ich auf Urban Woodworking anschaulich fotografierte Fachartikel rund um den Möbelbau. Zu beobachten, wie der Blog wächst und immer mehr Leser findet, motiviert mich sehr, weiterzumachen.

Inhaltlich liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Arbeitssituation in den eigenen Wohnräumen. Die Inhalte verteilen sich auf folgende Themenschwerpunkte:

Handmaschinen

Handmaschinen wie Handkreissäge, Stichsäge, Schleifmaschinen, Bohrmaschinen und die Oberfräse sind für den mobilen Einsatz gemacht und lassen sich wunderbar Zuhause einsetzen. In der eigenen Wohnung stößt man da sicherlich an Grenzen. Man verfügt aber vielleicht mit einem Keller, einem Dachboden oder einer Garage über einen Ort, welcher für den Maschineneinsatz geeignet ist.

Als ersten größeren Schwerpunkt im Bereich der Handmaschinen habe ich Grundlagen in der Arbeit mit der Flachdübelfräse behandelt.
Handwerkzeuge

Handwerkzeuge verursachen weniger Lärm und Staub und lassen sich so in der eigenen Wohnung sehr gut einsetzen. Vor allem die japanischen Handwerkzeuge sind hier besonders gut geeignet.

Japanische Sägen lassen sich auf kleinem Raum sehr gut einsetzen.
Oberflächenbehandlung

Zu seiner vollen Schönheit erstrahlt ein Möbel erst, wenn es sauber geschliffen und mit einem Anstrich versehen wurde. Ob es nun Wasserlacke oder ökologische Anstriche sind, all das ist in der eigenen Wohnung gut umzusetzen. Besser aber noch man verfügt über eine Terrasse, eine Garage oder einen Garten. Hier können die Verdünnungsmittel verdunsten, ohne dass man sie ständig einatmen muss.

Oberflächenbehandlung auf der Terrasse.
Arbeitsplatz

Den Arbeitsplatz zu integrieren ist eine besonders herausfordernde Aufgabe, wenn man  in der eigenen Wohnung Holz bearbeiten will. Zu diesem Bereich will ich immer wieder Anregungen geben. Zu welcher Lösung Sie dann finden, ist Ihr ganz individueller Weg. Schließlich ist die Einrichtung der eigenen Wohnung etwas sehr Persönliches.

Fachbücher

Fachbücher sind eine wertvolle Quelle für Wissen und Inspiration. Viele Holzhandwerker haben in Fachbüchern ihre Erfahrungen dokumentiert.

Möbelbau

Einen Schwerpunkt bildet der Bau selbstgestalteter Möbel. Für mich war es schon immer eines der größten Abenteuer selbst Möbel zu gestalten: Das Material für das Möbel auszuwählen, Proportionen zu finden und eine passende Konstruktion zu entwickeln ist ein äußerst befriedigender Prozess. Hier ist jedoch einiges Grundwissen erforderlich. Im Blog plane ich eine ganze Artikelserie zum Thema Möbelbau, von der Planung bis zur Fertigstellung.

Kleine oder größere Möbel für die eigene Wohnung zu bauen ist auch auf kleinem Raum möglich.

Wie es weitergeht

Ich sehe Urban Woodworking als einen lebendigen Prozess. Ich bin gespannt wo er mich und auch Sie, liebe Leser, hinführen wird. Das Projekt soll zum großen Konzert der weltweiten Gemeinschaft der Holzbearbeiter beitragen. Urban Woodworking will Menschen ausrüsten mit Wissen und ermutigen, Holzbearbeitung auch auf kleinem Raum zu betreiben – weg vom Bildschirm und hin zum Schaffen und Gestalten mit den eigenen Händen. Egal wie wenig Platz man dafür zur Verfügung hat. Auch ein Blog über Holzbearbeitung kann nur hinführen zum Eigentlichen: Zum konkreten praktischen Tun.

Ich wünsche Ihnen gute Holz Projekte und freue mich, wenn Sie auch zukünftig auf Urban Woodworking vorbeischauen.

Beste Grüße
Bernd Kremer

(Februar 2019)