Richtige Lagerung von japanischen Wassersteinen

In diesem Artikel erfahren Sie, wie man japanische Wassersteine richtig lagert.

Grundsätzlich gibt es zwei verschieden Arten der Lagerung: Zum einen permanent im Wasser und zum anderen trocken. Manche japanischen Wassersteine lassen sich jedoch nicht dauerhaft im Wasser lagern. Sie würden dabei Schaden nehmen. Achten Sie darum auf die Gebrauchsanweisung des Herstellers.

Meine eigenen Wassersteine vertragen eine dauerhafte Wasserlagerung. Ich lasse sie nie völlig austrocknen. Dies hat den Vorteil, dass sich kein Kalk im Stein einlagern kann. Lässt man die Steine nach jedem Gebrauch wieder austrocknen, bleibt der im Wasser enthaltene Kalk im Stein zurück. So sammelt sich immer mehr Kalk im Stein an, und dieser würde dann auf die Dauer in seiner Funktion beeinträchtigt.

Japanischer Wasserstein im Wasser Luftblasen
Sind Wassersteine ausgetrocknet, saugen sie sich voll Wasser, wenn man sie ins Wasser legt.

Wassersteine dauerhaft im Wasser lagern

Wenn Sie ihre Steine dauerhaft im Wasser lagern, sollten Sie darauf achten sie vor Lichteinfall zu schützen, da sich sonst Algen bilden. Achten Sie darauf, dass Ihre Lagergefäße nicht austrocknen. Lagern Sie Ihre japanischen Wassersteine auch nie bei Temperaturen unter null Grad. Die Steine würden durch die Eisbildung aufplatzen und unbrauchbar werden.

Ich empfehle Ihnen, für die Aufbewahrung Ihrer Wassersteine eine Kunststoffbox mit Deckel zu verwenden. Der Deckel verhindert das Verdunsten des Wassers und schützt Ihre Steine vor eindringendem Schmutz.

Wassersteine trocken lagern

Will man seine japanischen Wassersteine nach Gebrauch wieder austrocknen lassen, sollte man beim Schärfen destilliertes Wasser verwenden. Auch Regenwasser enthält keinen Kalk und kann verwendet werden. Vor dem Schärfen sollten Sie ihre Steine ca. 10 Minuten lang Wasser saugen lassen. Dann sind sie einsatzbereit. Bei feinen Abziehsteinen reicht auch ein Wässern von ca. 5 Minuten.

Für das trockene Lagern der japanischen Wassersteine empfehle ich Boxen, die sich staubdicht verschließen lassen.

 

Wasserstein in Wassergefäß
Vor dem Schärfen sollte sich der Stein voll Wasser saugen.
Wasserstein mit Ausbrüchen
Wassersteine sind bruchempfindlich.

Wassersteine sind bruchempfindlich

Vermeiden Sie ein Gegeneinanderstoßen von Wassersteinen. Die spröden Steine könnten ausbrechen. Wenn ich meine Steine transportiere, trenne ich sie mit einer Leiste. Wassersteine sollten auf keinen Fall auf den Boden fallen.

Weiterführende Artikel zum Thema Schärfen von Holzbearbeitungswerkzeugen auf diesem Blog:

Weiterführende Literatur:

Ein gutes Buch zum Thema Schärfen ist das „Handbuch Schärfen“ von Ron Hock. Behandelt werden verschiedene Schärfmethoden. Der Inhalt geht weit über das Themenfeld „Japanische Wassersteine“ hinaus.

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Wassersteine abrichten (plan halten) und Kanten vor Ausbrüchen schützen

In diesem Artikel erfahren Sie, wie man japanische Wassersteine abrichtet, sie also plan hält. Außerdem erfahren Sie, wie Sie die Kanten der Wassersteine vor Ausbrüchen schützen. Dies zeige ich anhand praktischer Beispiele.

Wassersteine abrichten bzw. plan halten

Alle japanischen Wassersteine nutzen sich während des Schleifens in der Fläche ungleichmäßig ab. Diese Unebenheiten führen zu Fehlern beim Schleifergebnis. Ein krummer Stein sorgt beim Schärfen beispielsweise für Unebenheiten auf der Spiegelseite von Stemm- und Hobeleisen. Dulden Sie deshalb keine unebenen Steine!

Aus diesem Grund überprüfe ich regelmäßig während des Schärfens, ob der Stein noch eben ist. Stelle ich eine Unebenheit fest, richte ich den Stein wieder neu ab. Das Abrichten hat den positiven Nebeneffekt, dass dabei stumpfe Schleifkörner und Metallpartikel mit abgetragen werden. Der Stein ist dann nicht nur plan, sondern auch aggressiver, das heißt er schärft schneller.

Ich verwende zwei verschiedene Methoden, meine Steine abzurichten: Das Abrichten auf der Glasplatte, welche mit Schleifpapier belegt ist; und das Abrichten der feineren Steine am Schruppstein Körnung 220.

Abrichten auf einer Glasplatte oder einer anderen ebenen Unterlage

Zum Abrichten benötigen Sie eine ebene Unterlage. Dazu sind im Handel Glasplatten erhältlich, welche auf einem Kantholz montiert sind. Es geht aber auch jede andere stabile Glasplatte, die Sie gerade zur Hand haben. Ebenfalls möglich ist eine mit Kunststoff beschichtete Spanplatte, wenn sie eben ist.

Auf diesen ebenen Untergrund legt man ein Nassschleifpapier oder ein Schleifpapier für Holz. Ich selbst verwende Holzschleifpapier Körnung 100. Meist halte ich es nur mit der linken Hand fest und schiebe mit der Rechten den Stein darüber.  Ist einmal wirklich viel abzurichten, befestige ich das Schleifpapier mit einer Schraubzwinge auf dem Arbeitstisch. Dazu lege ich ein kurzes Kantholz auf den Arbeitstisch, das Schleifpapierende lege ich darauf. Darauf lege ich ein weiteres identisches Kantholz und fixiere den ganzen Aufbau mit einer Schraubzwinge am Arbeitstisch.

In den meisten Fällen reicht es, wenn Sie nur den 220er Schruppstein auf der Glasplatte und dem Holzschleifpapier planen. Alle anderen Steine können Sie dann mit Hilfe des 220er Schruppsteins abrichten. Wie das geht, zeige ich Ihnen weiter unten. Es können aber generell alle Schärfsteine, auch die Feineren, auf der Glasplatte und dem Holzschleifpapier mit Körnung 100 abgerichtet werden. Das Schleifen erfolgt unter Zugabe von Wasser. Den entstehenden Schleifschlamm spült man regelmäßig weg.

Wasserstein mit Körnung 220 auf Abrichtblock
Den 220er Stein richte ich auf einer Glasplatte auf 100er Schleifpapier ab. Ideal ist ein Nassschleifpapier. Es funktioniert aber auch Schleifpapier für Holz.
Abrichtblock mit Glasplatte und Gummifüßen
Der Abrichtblock besteht aus einem Kantholz, welches eine Glasplatte trägt. Unter dem Kantholz sind vier Gummifüße montiert.
Glasplatte auf Abrichtblock Nahaufnahme
Die Glasplatte sorgt für eine gerade Unterlage.
Glasplatte mit Schleifpapier belegt
Die Glasplatte belege ich mit einem Holzschleifpapier mit Körnung 100.
Schnellspannzwinge hält Schleifpapier zwischen zwei Kanthölzern
Das Schleifpapier klemme ich zwischen zwei Kanthölzer, welche von einer Schnellspannzwinge gehalten werden.

Abrichten eines Abziehsteins Körnung 6000 – ein Beispiel

Im hier gezeigten Beispiel habe ich ein Hobeleisen auf einem 6000er Stein abgezogen. Bei breiten Eisen nutzt der Stein in der Mitte deutlich mehr ab als vorne und hinten.

Spiegelseite eines geschärften Hobeleisens
Scharfes Hobeleisen, welches ich auf einem Wasserstein mit 6000er Körnung abgezogen habe.
Wasserstein Schleifschlamm in Schärfsteihalterung
Wasserstein mit Schleifschlamm nach dem Abziehen des Hobeleisens.

Bevor ich den Wasserstein abrichte, wasche ich ihn ab und trockne ihn. Anschließend markiere ich den gesamten Stein mit Bleistift. Mit Hilfe dieser Bleistiftmarkierung prüfe ich während des Abrichtens, ob ich schon genug weggeschliffen habe.

Achten Sie bei der Markierung darauf, dass die Striche bis an den Steinrand durchgezogen werden. So erfassen Sie die ganze Fläche.

Wasserstein Oberfläche mit Bleistift markieren
Ich markiere die gesamte Fläche des Steins mit Bleistift, nachdem ich ihn abgewaschen und abgetrocknet habe.
mit Bleistift markierter Wasserstein
Achten Sie darauf, die Bleistiftmarkierungen bis zum Rand zu machen. Nur so können Sie die gesamte Steinfläche kontrollieren.
Wasser Zugabe auf Schleifpapier
Ich gebe vor dem Schleifen des Wassersteins Wasser auf das Schleifpapier. Das gesamte Abrichten des Schärfsteins erfolgt unter Zugabe von Wasser.
Abrichten Wasserstein auf Schleifpapier
Ich schleife den Stein auf einem Schleifpapier Körnung 100.
Bleistiftmarkierungen auf Wasserstein teilweise weggeschliffen
Vorne und hinten am Stein ist die Markierung schon weggeschliffen. So sieht man deutlich, wo der Stein hohl geschliffen wurde.
verschwindende Markierung
Langsam verschwindet die Markierung ganz.
fertig geschliffener Wasserstein
Der Stein ist wieder sauber und gerade.
Schleifpapier rollt sich ein
Das Schleifpapier rollt sich zwar ein. Es ist aber immer noch brauchbar.

Tipp: Ich kippe den Stein mit möglichst wenig Druck zur Seite weg, wenn ich ihn vom Schleifpapier abhebe. Hebt man ihn zuerst vorne an, führt das auf der noch aufliegenden hinteren Seite zu einem verstärkten Abrieb. Der Stein wird nicht gerade, sondern bekommt in der Länge eine leichte Wölbung.

Wassersteine planen, indem man sie aneinander reibt

Kleinere Unebenheiten bei feineren Steinen schleife ich weg, indem ich sie am 220er Stein reibe. Dies tue ich in einem Eimer, welcher zu einem Drittel mit Wasser gefüllt ist. Anfallender Schleifschlamm lässt sich so sofort wegwaschen. Diese Methode verwende ich während einer Schärfsession, um die Steine permanent gerade zu halten.

zwei Wassersteine werden aneinander gerieben
Ich reibe die feineren Steine an einem 220er Stein. So richte ich die feineren Steine ab. Der Abtrag am 220er Stein ist relativ gering.

Die Steine prüfen

Ob ein Stein eben ist, prüfe ich mit einem Winkel mit Hilfe der Lichtspaltmethode. Das heißt, ich setze den Winkel auf die Steinoberfläche und prüfe im Gegenlicht, ob die Kante des Winkels bereits überall aufliegt. Dies mache ich sowohl in Richtung der Längsachse des Steins als auch in Richtung der Querachse des Steins. So entdeckt man alle unebenen Stellen.

Winkel auf Japanischem Wasserstein
Prüfen des Steins parallel zur Längsachse
Winkel quer zur Achse des Wassersteins
Prüfen des Steins parallel zur Querachse

Kanten abrunden

Die Kanten japanischer Wassersteine brechen beim Schärfen relativ leicht aus. Darum liefern die Hersteller die Wassersteine mit abgefasten Kanten. Dies verhindert ein Ausbrechen der Steinkante. Durch den Abrieb während des Schärfens verschwindet diese Fase relativ schnell und sollte regelmäßig erneuert werden.

Ich mache dies, indem ich eine Rundung mit dem Radius von ca. 5 Millimetern anschleife. Dazu habe ich beim Schärfen ein Stück gebrauchtes Schleifpapier bereitliegen. Es geht jedoch auch eine gebrauchte Schleifscheibe einer Schleifmaschine. Warten Sie mit dem erneuten Abrunden der Kante nicht zu lang. Denn wird der Radius der Kante kleiner als 3 mm, steigt die Gefahr eines Ausbruchs rapide.

Ausbrüche im Wasserstein Körnung 6000
An den Kanten brechen Schärfsteine leicht aus.
scharfe Kante an Japanischem Wasserstein
Vor allem nach dem Abrichten entstehen an den Rändern der Steinoberfläche scharfe Kanten.
Kanten runden an einem Japanischen Wasserstein
Mit einem Schleifpapier schleife ich die Kanten des Wassersteins an.
gerundete Kante an einem Japanischen Wasserstein
Ich habe am Stein eine gerundete Kante mit einem ca. 5 mm großen Radius angeschliffen.

Regelmäßige Steinpflege

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Wassersteine treue Begleiter sind, wenn man sie gut pflegt. Sie arbeiten genau und schnell. Ich habe mir angewöhnt, die Steine nach Abschluss einer Schärfsession noch einmal genau zu inspizieren. Je nach Bedarf richte ich sie noch einmal ab und runde die Kanten. Beim nächsten Gebrauch kann ich dann gleich auf einsatzbereite Steine zugreifen.

Weiterführende Artikel zum Thema Schärfen von Holzbearbeitungswerkzeugen auf diesem Blog:

Weiterführende Fachliteratur:

Ein gutes Buch zum Thema Schärfen ist das „Handbuch Schärfen“ von Ron Hock. Behandelt werden verschiedene Schärfmethoden. Der Inhalt geht weit über das Themenfeld „Japanische Wassersteine“ hinaus.

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Industriell hergestellte japanische Wassersteine: Vorteile und Funktion

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Vorteile industriell hergestellte japanische Wassersteine den Natursteinen gegenüber haben. Außerdem erkläre ich, wie Industriesteine aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Zudem gebe ich am Schluss ein paar Tipps für den Einkauf japanischer Wassersteine.

Vorteile von Industriesteinen

Früher haben alle Handwerker ihre Werkzeuge auf Natursteinen geschärft. Erst in der heutigen Zeit haben wir die Wahl zwischen industriell hergestellten Schärfsteinen und solchen, welche in Steinbrüchen gewonnen werden. Ich persönlich habe mich für industriell hergestellte Wassersteine entschieden, weil sie ihren Zweck besser erfüllen und einfacher zu handhaben sind als die Natursteine:

Industriesteine  kauft man bereits in einer bestimmten Größe und Körnung. Da alle Steine gleich lang sind, kann ich sie in der gleichen selbstgebauten Schärfstein Halterung benutzen. Industriell hergestellte Wassersteine haben zudem den Vorteil, dass die aufgedruckte Korngröße im Stein gleichmäßig vorhanden ist. In Natursteinen hingegen  kann es passieren, dass plötzlich größere Körner oder Verunreinigungen auftauchen. Dadurch wird eine schön polierte Metalloberfläche wieder zerkratzt. Ihre Zusammensetzung ist nicht gleichmäßig.

Industriesteine haben je nach Körnung eine bestimmte Färbung. So muss man nicht erst lange suchen, um den Stein zu finden, den man braucht.

Schleifkorngröße aufgedruckt auf Japanischen Wasserstein
Auf industriell hergestellten Wassersteinen ist die Korngröße aufgedruckt.
Japanische Wassersteine unterschiedlich gefärbt
Manche Hersteller färben die Wassersteine je nach der Korngröße. So findet man den gesuchten Stein schneller.

Funktionsweise industriell hergestellter Wassersteine beim Schärfen

Die Schleifkörner sind bei Wassersteinen in ein Bindungsmaterial eingebettet. Dieses hält sie fest und sorgt für die Stabilität des Steins. Das Bindungsmaterial besteht aus keramischen Werkstoffen.

Das Schärfen geschieht unter ständiger Zugabe von Wasser. Während des Schärfens werden die Schleifkörner stumpf und brechen mit der Zeit aus dem Bindungsmaterial heraus. Zusammen mit Metallpartikeln und dem Bindungsmaterial bilden die stumpfen Schleifkörner einen Schleifschlamm auf der Steinoberfläche. Diesen Schleifschlamm spült man kontinuierlich mit Wasser weg. Auf diese Weise legt man ständig neue scharfe Schleifkörner frei. Dies sorgt dafür, dass der Wasserstein dauerhaft gut schleift, und dass man sehr gut vorwärts kommt.

Schleifschlamm auf Japanischem Wasserstein japanisches Hobelmesser
Während des Schärfens bildet sich ein Schleifschlamm auf der Schärfstein Oberfläche. Dieser besteht aus dem Bindungsmaterial, stumpfen Schleifkörnern und Metallpartikeln.

Harte oder weiche Bindung der Schleifkörner

Es sind Steine im Handel, welche eine weichere Bindung haben und auch solche mit einer harten Bindung. Ich verwende Steine mit einer weichen Bindung. Es gibt aber auch erfahrene Handwerker, welche Steine mit einer harten Bindung bevorzugen. Hier hat jeder Holzhandwerker seine eigene Schärfphilosophie. Bei einer weicheren Bindung brechen die Schleifkörner schneller aus, und die Steinoberfläche wird schneller erneuert. Der Nachteil dabei ist, dass die weicheren Steine schneller abnutzen.

Das Material der Schleifkörner

Die Schleifkörner bestehen aus extrem harten Materialien wie Aluminiumoxyd oder Siliziumkarbid. Sie kommen schon nahe an die Härte von Diamanten, welche als das härteste Material gelten. Die genaue Kombination der Schleifmittel ist bei den Herstellern der Steine jedoch ein Betriebsgeheimnis.

Tipps für den Einkauf japanischer Wassersteine

Bevor Sie große Summen ausgeben, empfehle ich Ihnen eine Einsteigerkombination, die ich selbst seit über 10 Jahren benutze. Diese Kombination besteht aus drei Steinen:

Einen Schruppstein Körnung 220 für grobe Schärfarbeiten wie das Herausschleifen von Scharten oder die Korrektur eines Schneidenwinkels. Einen Kombistein Körnung 1000/6000 zum normalen Schärfen und Abziehen. Und einen Kombistein 3000/8000 nur zum Abziehen. Diese Steine haben eine weiche Bindung. Rechnen Sie mit Kosten zwischen 130,- € und 160,- € für eine gute Einsteigerkombination.

Drei Japanische Wassersteine nebeneinander
Mit einer Einsteigerkombination aus 3 Steinen lässt sich schon sehr gut arbeiten. Sie besteht aus einem Schruppstein Körnung 220 und zwei Kombisteinen Körnung 3000/8000 und 1000/6000.

Ganz allgemein rate ich immer dazu, nur gute Qualität zu kaufen. Mit billigen Wassersteinen, die schlecht funktionieren, verlieren Sie nur Zeit! Kaufen Sie bei Händlern, welche ausschließlich Profiwerkzeug im Angebot haben. Bietet ein Händler die Möglichkeit, den Schärfstein erst einmal selbst zu testen, sollten Sie das nutzen. Oder besuchen Sie einen Schärfkurs und probieren Sie dort, was gut funktioniert. Manche großen Onlinehändler haben auch Schärfsteine mehrerer Herstellerfirmen im Angebot und beschreiben auf ihrer Webseite  die Besonderheiten der einzelnen Fabrikate.

Steingröße

Ich empfehle Wassersteine mit einer großen Fläche. 200 x 75 mm Steinfläche oder größer wäre so ein gutes Maß. So lassen sich auch breite Schneiden wie zum Beispiel Hobelmesser gut schärfen. Für viele Schärfhilfen wird ebenso mehr Steinfläche benötigt.

Europäisches Hobelmesser wird abgezogen auf Japanischem Wasserstein
Der Schärfstein sollte groß genug sein, um auch Hobelmesser darauf schärfen zu können.

Sollten Sie vor dem Kauf noch Fragen haben, schreiben Sie mir diese gerne in das Kommentarfenster unter diesem Artikel. Ich habe weitere Artikel geplant zu den Themen Schärftechnik und Schärfarbeitsplatz.

Weitere Artikel

Weiterführende Fachliteratur:

Ein gutes Buch zum Thema Schärfen ist das „Handbuch Schärfen“ von Ron Hock. Behandelt werden verschiedene Schärfmethoden. Der Inhalt geht weit über das Themenfeld „Japanische Wassersteine“ hinaus.

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Warum ist scharfes Werkzeug für die Holzbearbeitung so wichtig?

In diesem Artikel beantworte ich Ihnen folgende Fragen: Was passiert eigentlich, wenn wir Holz schneiden? Was bedeutet Schärfe überhaupt? Und warum ist scharfes Werkzeug für die Holzbearbeitung so wichtig?

Scharfes Werkzeug ist die Grundvoraussetzung für gute Holzbearbeitung

Sie wundern sich vielleicht über die fantastische Qualität so mancher handgemachter Möbel: passgenaue Holzverbindungen, sauber gehobelte Kanten und glatte Oberflächen. „Wie kann man nur zu so großer Meisterschaft gelangen?“ fragen Sie sich.

Ich kann heute sagen, dass ohne scharfes Werkzeug keine gute Handbearbeitung von Holz möglich ist. Für mich selbst war das auch nicht von Anfang an klar. Mein Werkzeug war zuerst nur mäßig scharf. Erst als ich begann, meine Werkzeuge von Hand auf japanischen Wassersteinen zu schärfen, wurden die Schneiden richtig scharf.

Ich musste jedoch lernen, dass es Geduld und viel Übung braucht. Ähnlich wie bei der Holzbearbeitung ist man mit dem Thema Schärfen nie ganz fertig. Das gilt sowohl für den praktischen Teil als auch für den theoretischen Hintergrund. In der Praxis lernt man, wie man das Werkzeug über den Stein bewegt. In der Theorie eignet man sich Wissen an über den Stahl, über die Qualität von Wassersteinen, über die Schneidengeometrie der Werkzeuge und über den Aufbau eines Schärf-Arbeitsplatzes.

Auch im Hartholz gelingen mit scharfen Schneiden saubere Holzverbindungen.

offene Schwalbeschwanzverbindung, 3 Zinken
Auch im Hartholz gelingen mit scharfen Schneiden saubere Holzverbindungen.
Wasserstein mit Wasser benetzt
Wassersteine saugen sich mit Wasser voll. Man sollte sie während des Schärfens ständig feucht halten.
3 europäische Hobeleisen liegen auf einer Hobelbank
Europäische Hobeleisen lassen sich ebenfalls auf Wassersteinen schärfen.

Was passiert, wenn wir Holz schneiden?

Ist die Schneide scharf, durchtrennt sie die Holzfasern. Dadurch entsteht ein sauberer Schnitt. Ist die Schneide jedoch stumpf, drückt sie die Holzfaser in Schnittrichtung weg ohne sie zu durchtrennen. Erst wenn der Druck groß genug ist, reißt die Holzfaser. Die Folge ist eine unsaubere Schnittfläche. Man sieht kleine Risse. Und wenn man mit der Hand darüberfährt, fühlt sich die Fläche rau an.

scharfes japanisches Stemmeisen schneidet Hirnholz
Mit scharfen Schneiden lassen sich saubere, ausrissfreie Flächen erzielen.

Vorteile scharfer Schneiden

Zuerst sind die sauberen Arbeitsergebnisse zu nennen. Passgenaue Holzverbindungen, sowie saubere Kanten und Flächen lassen sich nur mit scharfem Werkzeug erzielen. Zudem erleichtern scharfe Schneiden das Arbeiten. Man benötigt einfach weniger Kraft. Muss ich weniger Kraft aufwenden, kann ich mein Werkzeug besser steuern. Das erleichtert nicht nur meine Arbeit, sondern reduziert zudem noch die Unfallgefahr. Denn arbeitet man mit viel Kraft rutscht einem das Werkzeug leichter ab, und man läuft Gefahr sich zu verletzen.

Was bedeutet Schärfe?

Das Ideal von Schärfe sind zwei Flächen am Werkzeug, welche sich treffen. An dem Punkt, an dem sie sich treffen, der Schneide, findet man keinerlei Rundung. Dieser Idealzustand existiert jedoch nur in der Theorie.

In der Praxis befindet sich an den Schneiden unserer Holzbearbeitungswerkzeuge immer eine kleine Rundung. Diese sollte jedoch so klein wie möglich gehalten werden. An einem stumpfen Werkzeug findet man im Schneidenbereich eine größere Rundung, welche man manchmal sogar mit bloßem Auge erkennen kann. Man sieht dann einen hell reflektierenden Streifen im Schneidenbereich. Ziel des Schärfens ist, den Radius dieser Rundung so nahe wie möglich an Null zu bringen. Dies geschieht durch Materialabtrag.

Skizze einer stumpfen Schneide

Skizze einer scharfen Schneide

Wie kann man Schärfe anschaulich machen?

Schärfe lässt sich vergleichen mit der Konzentration von Kraft auf eine möglichst kleine Fläche. Je kleiner die Fläche, desto tiefer dringt eine Schneide bei gleichbleibender Kraft ins Material ein. Anschaulich wird dieser Sachverhalt, wenn man sich vorstellt, dass man mit Schneeschuhen im tiefen Schnee läuft. Die Schneeschuhe haben eine größere Solenfläche als unsere normalen Straßenschuhe. Deswegen sinkt man mit Schneeschuhen nur wenig ein, während man mit normalen Schuhen tief einsinken würde.

Was bedeutet schärfen?

Ein Werkzeug zu schärfen bedeutet, auf einer oder beiden sich treffenden Flächen so lange Material abzutragen, bis die Rundung an der Schneide verschwunden ist. Der Radius der Rundung an der Schneide geht dann gegen Null. Ganz Null ist in der Praxis nicht möglich und auch nicht notwendig. Wir werden in einem weiteren Artikel noch sehen, dass es ausreicht, auf japanischen Wassersteinen bis zu einer Körnung von 6000 oder 8000 zu schleifen, um eine erstklassige Schärfe zu erreichen.

Unterschied von Schärfen und Abziehen

Man unterscheidet zwischen dem Schärfen und dem Abziehen.  Beim  Schärfen geht es um den Materialabtrag. Geschärft wird dabei mit einer Körnung von 220 bis 1000. Bei Stemm- oder Hobeleisen bearbeitet man beim Schärfen nur die Fase. Auf der Metalloberfläche entstehen dabei Kratzer. Diese schleift man beim Abziehen weg. Bei Stemm- oder Hobeleisen bearbeitet man beim Abziehen sowohl die Fase als auch die Spiegelseite. Dies geschieht in mehreren Schritten beginnend mit Körnung 3000; und dann mit Körnung 6000 und 8000. Sind sowohl Fase als auch Spiegelseite bis zur Schneide hin sauber poliert, ist das Werkzeug scharf.

erklärende Skizze eines Stemm oder Hobeleisens von Seite betrachtet, Fase und Spiegelseite sind bezeichnet
Man schärft in der Regel die Fase. Erst beim Abziehen ab Körnung 3000 bearbeitet man sowohl Fase als auch Spiegelseite.
zwei Wassersteine Körnung 220 und 1000
Mit Körnung 220 bis 1000 erzielt man einen hohen Abtrag. Hier spricht man vom Schärfen.
zwei Kombi Wassersteine Körnung 1000/6000 und 3000/8000
Im Bereich Körnung 3000 bis 8000 spricht man vom Abziehen.

In weiteren Artikeln erkläre ich das Schärfen auf Japanischen Wassersteinen und deren Lagerung, Pflege und Funktion.

Artikel, welche noch interessant sind zum Thema Handbearbeitung, Schärfen  und Werkzeug:

Weiterführende Fachliteratur:

Ein gutes Buch zum Thema Schärfen ist das „Handbuch Schärfen“ von Ron Hock. Behandelt werden verschiedene Schärfmethoden. Der Inhalt geht weit über das Themenfeld „Japanische Wassersteine“ hinaus.

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Holzbearbeitungskurse zu Corona-Zeiten in der KursWerkstatt Nürnberg

Nach etwa 6 Monaten Pause konnte ich im September 2020 wieder damit anfangen, Holzbearbeitungskurse zu geben. Das war für mich ein gutes Erlebnis. Um Holzbearbeitungskurse zu Corona-Zeiten abhalten zu können, musste ich ein paar Veränderungen vornehmen. Konkret heißt das, ich musste mir ein Hygienekonzept überlegen.

So laufen momentan nur Kurse mit Handwerkzeugen, da ich nur hier das Hygienekonzept gut umsetzen kann. Die Hygienemaßnahmen bedeuteten für mich erst einmal eine ziemliche Umstellung. Aber inzwischen ist es mir zur Routine geworden, die Maske aufzusetzen, regelmäßig zu lüften und zu desinfizieren. Auch an die kleinere Gruppenstärke von momentan nur 3 Teilnehmern habe ich mich schnell gewöhnt. In der kleinen Gruppe lässt sich der Mindestabstand gut einhalten.

In kleinen Gruppen mit 3 Teilnehmern können im Kursraum die Mindestabstände leicht eingehalten werden.

Kurse mit Handwerkzeugen

In Kursen mit Handwerkzeugen ist es für mich gut möglich, Hygienemaßnahmen durchzuführen. Denn für jeden Teilnehmer stehen eine eigene Tischhobelbank und ein eigener Werkzeugsatz zur Verfügung. So brauchen die Teilnehmer untereinander keine Werkzeuge auszutauschen. Und es ist ein ausreichend großer Abstand gewährleistet.

Die vermittelten Arbeitstechniken lassen sich alle auf einer Tischhobelbank durchführen. Diese Arbeitsweise ist sehr gut angepasst an das Arbeiten auf kleinem Raum, welches typisch ist für viele Heimwerker. So lassen sich auch ohne große Hobelbank schöne Holzprojekte durchführen.

Das Hobeln eines kurzen Werkstücks an der Tischhobelbank ist Teil des Kurses „Klassische Holzbearbeitung mit Handwerkzeugen“. Die Tischhobelbänke sind auf 4er Schülerhobelbänken festgespannt.

Am Arbeitsplatz können die Masken abgenommen werden, während man sonst im Kursraum seine Maske tragen soll. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Teilnehmer zu mir an den Vorführ – Arbeitsplatz kommen, wo ich die einzelnen Arbeitsgänge und die Werkzeuge erkläre. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt.

Meine Handbearbeitungskurse umfassen Grundkenntnisse in der Handbearbeitung von Holz. Dort lernen Sie die Werkzeuge kennen und fertigen klassische Holzverbindungen an.

Die Schlitz- und Zapfen-Verbindung ermöglicht Eckverbindungen bei Tür- und Bilderrahmen.
Die offene Schwalbenschwanzverbindung findet man in Schubladenecken und auch als Eckverbindung bei Möbelkorpussen.

Fachbücher

Wenn Sie sich für Fachliteratur interessieren, schauen Sie auch auf unserer Bücher-Seite vorbei.

Buchtipp

Für den anspruchsvollen Anwender von Handwerkzeugen:
„Wie wir Möbel bauen und warum“ von Michael Pekovich

Wenn Sie das Buch über den angegebenen Amazon-Link kaufen, unterstützen Sie auf diese Weise unseren Block.

Weitere Artikel

Qualität bei Messwerkzeugen feststellen – richtig einkaufen

Die Qualität bei Messwerkzeugen beeinflusst entscheidend die Qualität der Arbeit. Darum sollten Sie beim Einkauf wissen, auf welche Qualitätsmerkmale man achten sollte. In diesem Artikel erkläre ich auf welche Qualitätskriterien es ankommt und wie man die Werkzeuge prüft.

Verarbeitung

Oft ist eine unsaubere Verarbeitung der Werkzeuge bereits ein sicherer Hinweis auf minderwertiges Werkzeug. So sollten alle Metallteile entgratet sein. Das heißt die Kanten sind leicht gerundet und man spürt keine scharfkantigen Stellen mehr, wenn man mit den Fingerspitzen darüber streicht.  Holzgriffe sollten aus beständigen Harthölzer bestehen. Prüfen Sie die Holzoberflächen auf eine gleichmäßige Lackierung und einen sauberen Schliff. Achten Sie auf Lacktropfen und auf zu dünn lackierte Stellen.

Stabile Bauweise

Die Qualität der Messwerkzeuge zeigt sich in einer stabilen Bauweise. Stöße oder einen Sturz von der Werkbank sollten die Werkzeuge überstehen ohne ihre Präzision zu verlieren. Stabilität bei Winkeln beispielsweise erkennt man an der massiven Vernietung und an den in den Holzschenkel ein genuteten Messing Schienen. Tropenholz bei Winkeln und beim Streichmaß sorgt für Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit. So verziehen sich die Messwerkzeuge nicht und bleiben präzise. Bei Streichmaßen belegt man die Anlegefläche mit besonders abriebfesten Tropenhölzern wie beispielsweise Pockholz. So verhindert man einen vorzeitigen Verschleiß.

Bezeichnung der Einzelteile eines 90°-Winkels
Eine doppelt ein genutete starke Messingschiene sorgt für dauerhafte Genauigkeit der Messergebnisse.
Massive Vernietung eines 90°-Winkels
Massive Vernietung eines 45°/135°-Winkels

Klemmschrauben

Klemmschrauben sollten gut halten und sich nicht lockern. Bei der Schmiege und beim Streichmaß halten Klemmschrauben den eingestellten Winkel bzw. das eingestellte Maß. Lockert sich eine Klemmschraube, kann es zu folgenreichen Fehlern kommen.

Stabil eingearbeitetes Gewinde beim Streichmaß
Stabiles Metallgewinde und ergonomischer Griff der Klemmschraube des Streichmaßes

Ergonomie bei Messwerkzeugen

Die Qualität bei Messwerkzeugen zeigt sich in einer guten Ergonomie. Sie sollten beispielsweise gut in der Hand liegen. Nur wenn man einen Winkel sicher anlegen kann, lässt sich ein exakter Strich ziehen, und nur wenn man ein Streichmaß sicher führen kann, ist ein präziser Riss möglich. Manche Händler bieten Gelegenheit, die Werkzeuge einfach mal auszuprobieren. Finden Sie heraus, welche Werkzeuge Ihnen gut in der Hand liegen, bevor Sie investieren.

Beim Prüfen einer Korpus Kante ist die Griffmulde im Schenkel des Winkels eine große Hilfe.
Die Griffmulde im Schenkel erleichtert es, den Winkel sicher zu halten.

 

90° Winkel prüfen

Achten Sie beim Einkauf auf die Rechtwinkligkeit des 90° Winkels. Auch kleine Abweichungen sollten Sie sofort reklamieren. Denn rechnet man eine kleine Abweichung von ca. einem Millimeter bei einem Winkel mit 150 mm Schienen Länge auf einen Meter hoch, kommt man schnell auf große Ungenauigkeiten von 5 bis 15 mm. Haben Sie Zweifel an der Präzision eines Messwerkzeugs, lassen Sie Sich ein anderes zeigen oder versuchen Sie es noch einmal bei einem anderen Händler. Ich prüfe ein Messwerkzeug auch schon mal direkt an der Ladentheke.

Zum Prüfen des Winkels benötigt man eine Platte mit absolut gerader Kante und einen spitzen Bleistift.
Man legt den Winkel an und zieht auf der ganzen Länge der Zunge einen geraden Strich, welcher im 90° Winkel auf der Anlegekante steht.
Nun dreht man den Winkel so herum, dass die andere Seite (des Winkels) auf der Platte aufliegt. Nun sollte die Zunge immer noch exakt an der Linie anliegen. Ansonsten ist der Winkel nicht genau.

Winkel 45° prüfen

Man verwendet eine rechtwinklige Platte und eine weitere Platte, welche eine gerade Kante hat. Folgende Bilder zeigen die Schritte, welche bei der Prüfung nötig sind.

Mit dem Gehrungswinkel zeichnet man zwei Striche in einem Winkel von 45° Winkel und in einem Winkel von 135° zur Grundlinie. Der Winkel zwischen den beiden Linien sollte exakt 90° Grad betragen. Verwenden Sie für diese Arbeit eine Platte mit exakt geraden Kanten.
Man prüft den Winkel der Testplatte. Beträgt er exakt 90°, lässt sich die Platte zur Prüfung verwenden.
Legen Sie die Prüfplatte an und überprüfen Sie so den aufgezeichneten 90° Winkel.

Um die Qualität bei Messwerkzeugen zu erkennen, sollten Sie diese genau prüfen. Nehmen Sie Sich Zeit und freuen Sie sich später über gute Arbeitsergebnisse.

Weitere Artikel

Fachliteratur

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„Die Werkzeugkiste des Anarchisten“ Christopher Schwarz

Weitere Fachliteratur:

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Messwerkzeuge – Einsatzgebiete und Grundausstattung

Was nützt die schärfste Säge, wenn man nicht weiß, wo man schneiden soll? Genau hier setzen Messwerkzeuge an. Mit Hilfe von guten Anreiß- und Messwerkzeugen gelingen winkelgenaue Bleistiftstriche und genaue Anrisse im Holz. Sie bilden eine wichtige Grundlage für das Sägen und alle weiteren Arbeiten am Werkstück. In diesem Artikel zeige ich Ihnen die verschiedenen Einsatzgebiete von Messwerkzeugen und gebe Ihnen einen Überblick über die Messwerkzeuge, die sich für eine Grundausstattung eignen.

Messwerkzeuge lassen sich sowohl beim Sägen mit Maschinen als auch in der Arbeit mit Handwerkzeugen einsetzen:

Messwerkzeuge bei der Maschinenarbeit

Stellen Sie eine Tischkreissäge ein, prüfen Sie zunächst mit einem 90°-Winkel den Neigungswinkel des Sägeblatts und mit einem Meterstab, wie weit das Sägeblatt über den Maschinentisch hinausragt. Haben Sie die Einstellung der Maschine vorgenommen, kontrollieren Sie diese am besten mit Hilfe eines Probeschnitts an einem Reststück. An der Schnittkante überprüfen Sie mit einem Winkel, ob das Sägeblatt im richtigen Winkel zum Sägetisch steht. Dann erst schneiden Sie die Originalbauteile zu.

Schneiden Sie viele gleiche Teile nacheinander, sollten Sie Winkel und Länge von Zeit zu Zeit kontrollieren, um einen Serienfehler zu vermeiden. Serienfehler entstehen, wenn sich Anschläge unmerklich verstellen. Hat sich beispielsweise der Queranschlag bei der Kreissäge verstellt, werden die Bauteile nicht mehr winkelgenau abgeschnitten. Kontrollieren Sie hingegen die Bauteile mit einem Winkel, bemerken Sie den Fehler frühzeitig und verlieren weniger Material.

Mit Hilfe eines 90°-Winkels überprüft man, ob das Sägeblatt der Tischkreissäge tatsächlich auf 90° Schnittwinkel eingestellt ist.
Nach einem Probeschnitt überprüft man am abgeschnittenen Bauteil, ob die Maschine richtig eingestellt ist.

Messwerkzeuge bei der Fertigung von Holzverbindungen mit Handwerkzeugen

Präzise Holzverbindungen hängen wie kaum eine andere Arbeit von der Güte der Messwerkzeuge ab. Bleistiftstriche und Risse des Streichmaßes bieten beim Sägen und Stemmen Orientierung. Sie bilden das Fundament für alle weiteren Arbeitsschritte. Das bedeutet auch, dass sich Fehler fortsetzen, welche beim Anreißen der Holzverbindung gemacht wurden. Deshalb ist es wichtig, während der weiteren Bearbeitung seine Arbeit mit Hilfe der Messwerkzeuge regelmäßig zu kontrollieren. Auf diese Weise erkennt man Fehler frühzeitig und kann rechtzeitig korrigieren.

Für die Fertigung einer Schwalbenschwanzverbindung von Hand benötigen Sie einen Meterstab, einen 90°-Winkel und eine Schmiege. Bei einer Schlitz- und Zapfenverbindung spielt dagegen das Streichmaß eine zentrale Rolle. Denn hier sind viele parallele Risse zu einer Werkstückkante gefragt. Messwerkzeuge sind treue Begleiter während des gesamten Fertigungsprozesses.

Beim Anreißen einer Massivholzverbindung kommt ein 90°-Winkel zum Einsatz.
Ein Kantholz wird mittig aufgeschnitten. Mit Hilfe eines Streichmaßes markiert man präzise den Schnittverlauf.

Eine Grundausstattung an Messwerkzeugen

Wie bei allen Werkzeugen gibt es auch bei Messwerkzeugen ein reichhaltiges Angebot im Handel. Achten Sie auf gute Qualität! Billige und ungenaue Messwerkzeuge sorgen für viele Fehler während des gesamten Projekts.

Für den Holzbearbeiter auf kleinem Raum empfehle ich eine gewisse Zurückhaltung bei der Anzahl und Größe der Werkzeuge.  Schließlich ist der Lagerplatz begrenzt und man möchte ja auch noch Platz zum Arbeiten haben. So führe ich hier eine begrenzte Auswahl auf. Mit diesen Werkzeugen lassen sich die allermeisten Arbeiten gut machen:

Werkzeuge zum Winkel messen

Beim Bau von Möbeln und anderen Holzwerkstücken ist es ständig nötig, Winkel anzuzeichnen oder zu überprüfen. Darum sollten Werkzeuge zum Winkel messen nur von allerbester Qualität sein.

Dieser 90°-Winkel mit einer Schienenlänge von 250 mm lässt sich universal verwenden, sowohl für Holzverbindungen als auch für kleinere Möbelbauprojekte. Der Anschlag ist aus Tropenholz gefertigt. Messingschienen und eine Vernietung sorgen für hohe Stabilität.
Dieser 90°-Winkel mit einer Schienenlänge von  150 mm eignet sich besonders für Holzverbindungen und kleine Projekte.
Der längere Schenkel dieses Zimmererswinkels ist 800 mm lang. Diesen Winkel verwendet man beim Formatieren von größeren Platten.
Die Schiene (Zunge) der Schmiege ist beweglich. Mit diesem Werkzeug lassen sich beliebig große Winkel an einem Muster oder an einem Gradmesser abnehmen. Ist ein Winkel eingestellt, lässt er sich auf andere Bauteile übertragen.
Mit einem Gradmesser misst man Winkelgrade von 0 bis 180 Grad. Mit einer Feststellschraube lässt sich ein bestimmter Winkel fest einstellen. Dieser Winkel lässt sich auf die Schmiege oder aber direkt auf das Werkstück übertragen.
Der Gehrungswinkel dient zum Anzeichnen und Messen von fixen Winkeln (45 Grad oder 135 Grad).

Werkzeuge zum Messen von Länge, Breite und Dicke

In vielen Werkstätten ist er vorhanden, der Meterstab oder auch Zollstock genannt. Fachleute bezeichnen ihn als Gliedermaßstab. Er wird aus Holz gefertigt, meist aus Buchenholz. Er ist ein ständiger Begleiter bei der Arbeit. Viele Arbeitshosen haben deshalb eine extra Tasche, welche den Abmessungen des Meterstabs entspricht.  Ich halte ihn für ein sehr gebrauchstaugliches Werkzeug bei der Holzbearbeitung.

Achten Sie bei der Wahl des Meterstabs darauf, dass die Messskala gut zu lesen ist. Aufgedruckte Werbung hat hier nichts verloren. Wichtig ist ein starker Kontrast zwischen der Messskala und der Lackierung des Meterstabs. Ist der Meterstab weiß lackiert, ist die Skala am besten lesbar. Kräftige Farben wie dunkles Grün, Rot oder Blau sollten Sie dagegen meiden.

Meterstäbe sind Verschleißprodukte. Oft ist ein Gliedermaßstab aus Holz bereits nach ein paar Monaten intensivem Einsatz nicht mehr gebrauchstauglich. Die Skalen sind abgerieben und nicht mehr genau lesbar. Und manchmal lockern sich die Scharniere. Daher sollten Sie ihn lieber zu früh als zu spät erneuern. Schließlich ist genaues Messen entscheidend wichtig für das Gelingen der Arbeit.

Der Meterstab ist ein Werkzeug, welches man ständig braucht. Empfehlenswert ist eine Messskala, welche auf einem weißen Untergrund gedruckt ist.
Ein Streichmaß verfügt oft über eine Messskala. Man stellt das Maß einer parallelen Linie zu einer geraden Kante ein und führt das Streichmaß an dieser Kante entlang.
Mit einer Schieblehre (Messschieber) lassen sich Dickenmaße  und Maße von Zwischenräumen aufs Zehntel genau messen. Zudem sind Tiefenmessungen möglich, wie beispielsweise das Messen der Bohrlochtiefe.

Werkzeuge zum Anzeichnen und Anreißen

Zum Anzeichnen und Anreißen gehören zu einer guten Ausrüstung ca. 5 gut gespitzte Bleistifte, ein Spitzer mit Metallgehäuse und ein Radiergummi. Auch die Bleistifte sollten Markenprodukte und von guter Qualität sein. Ich lege mir während des Anreißens gerne einige gespitzte Bleistifte auf die Hobelbank. So muss ich die Anreißarbeit nicht wegen des Anspitzens unterbrechen.

Bleistifte sollten immer spitz gehalten werden. Ein Vorrat an spitzen Bleistiften sorgt für weniger Arbeitsunterbrechung. Ein Spitzer mit Metallgehäuse sorgt für präzises Anspitzen. Der Spitzer ist der kleinste Hobel in der Werkstatt.
Den Spitzbohrer verwendet man vornehmlich zur Markierung von Bohrlöchern. Verfügt der Bohrer über eine Zentrierspitze, lässt er sich sehr präzise ansetzen.
Mit einem Anreißmesser sorgt man nicht nur für eine Markierung, sondern man schafft bereits eine präzise Schnittfuge im Holz.

Wer bei der Anschaffung von Anreiß- und Messwerkzeugen auf Qualität achtet, wird durch präzise Arbeitsergebnisse belohnt. Orientieren Sie sich an anerkannten Marken und kaufen Sie bei einem Händler Ihres Vertrauens. So gehen Sie sicher, gutes Werkzeug zu bekommen. Und lassen Sie sich nicht abschrecken: Gutes Werkzeug hat seinen Preis!

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„Die Werkzeugkiste des Anarchisten“ Christopher Schwarz

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Neue Kurstermine in der KursWerkstatt Nürnberg im Herbst 2020

Ab Anfang September 2020 führe ich im Rahmen der KursWerkstatt Nürnberg wieder Holzbearbeitungskurse als Präsenzkurse durch. Es freut mich, Ihnen auch in den unsicheren Zeiten von Corona einige Kurstermine anbieten zu können. Zwar müssen sich sowohl ich als auch die Teilnehmer an einige Veränderungen gewöhnen. Aber das Holz und auch das schöne Handwerk haben sich nicht verändert. Das zu bemerken tut echt gut in schwierigen Zeiten.

Veränderte Kurssituation

Im Herbst werde ich ausschließlich Handbearbeitungskurse anbieten. Maschinenkurse wird es nicht geben, weil die Kühlung der Maschinen einen zu starken Luftzug verursacht. Außerdem ist die Teilnehmerzahl von 7 auf 3 Teilnehmer reduziert. Nur so lassen sich Hygienemaßnahmen sinnvoll durchführen.

Jeder Teilnehmer arbeitet während der gesamten Dauer des Kurses an einem festen Arbeitsplatz, den nur er benutzt. Dieser umfasst eine Hobelbank und einen eigenen Werkzeugsatz. Auf diese Weise wird der Mindestabstand von 1,5 Metern zu jeder Zeit eingehalten. Und es werden keine Werkzeuge gemeinsam genutzt.

Für jeden Teilnehmer stehen eine Tischhobelbank und ein Werkzeugsatz zur Verfügung.

Herzliche Einladung zu den Handbearbeitungskursen im Herbst

Der Einstieg in das Kursprogramm erfolgt im September mit dem Kurs „Klassische Holzbearbeitung mit Handwerkzeugen“. Hier eignen Sie sich die Grundlagen an. Im Oktober und November folgen zwei Kurse zum Thema Holzverbindungen. In je einem Tageskurs lernen Sie die fachlich richtige Herstellung einer Schlitz- und Zapfenverbindung und einer Schwalbenschwanzverbindung. Beide Verbindungen sind grundlegend, wenn Sie mit klassischen Holzverbindungen Möbel aus Massivholz bauen wollen. Zudem wird im Oktober der Kurs „Einführung in die Japanische Holzbearbeitung“ ausgeschrieben.

Schritt für Schritt nähert man sich dem Ziel, eine präzise Holzverbindung herzustellen.

Die aktuellen Kurstermine

Jeder Kurs ist ein Tageskurs und geht von 10:00 – 17:00 Uhr.

DatumKurstitel
05/09/2020Klassische Holzbearbeitung mit Handwerkzeugen
12/09/2020Klassische Holzbearbeitung mit Handwerkzeugen
10/10/2020Einführung in die Japanische Holzbearbeitung
24/10/2020Klassische Holzverbindungen mit Handwerkzeugen - die Schwalbenschwanzverbindung
07/11/2020Klassische Holzverbindungen mit Handwerkzeugen - Schlitz und Zapfen

Weitere Einzelheiten zu Kursinhalten, Teilnahmebedingungen und Anmeldung finden Sie auf der Webseite der KursWerkstatt Nürnberg.

Im Kurs „Einführung in die Japanische Holzbearbeitung“ lernen Sie japanische Werkzeuge kennen und wenden sie dann auch an.
In allen Handbearbeitungskursen kommen japanische Sägen zum Einsatz. Entdecken Sie ihre hervorragende Eignung für präzise Schnitte.

 

Längsschnittverzahnung und Querschnittverzahnung bei Japansägen

Japanische Sägen fallen nicht nur durch die Vielfalt unterschiedlicher Modelle auf, auch die Sägezähne sind sehr unterschiedlich. Sie variieren je nach Anwendung. Dieser Artikel gibt Ihnen einen Einblick in die zwei Grundformen japanischer Sägezähne, der Längsschnittverzahnung und der  Querschnittverzahnung. Sie erfahren, worin sich diese Verzahnungen unterscheiden und für welche Anwendung diese jeweils geeignet sind.

Allgemein gilt: Schneidet man längs zur Holzfaser, setzt man ein Sägeblatt mit einer Längsschnittverzahnung ein. Auch für Schnitte quer oder diagonal zur Faserrichtung gibt es Sägeblätter mit der passenden  Zahnform. Grobe Arbeiten erfordern größere Sägezähne. Feine Schnitte quer zur Faser führt man hingegen mit sehr kleinen Sägezähnen durch. Diese Sägezähne sind oft so klein, dass man die Ausformung des Zahns mit bloßem Auge nicht mehr erkennen kann.

Die feine Querschnittverzahnung hat einen Zahnspitzenabstand von ca. 1 mm.
Dozuki mit feiner Verzahnung.
Die feine Querschnittverzahnung ermöglicht Schnitte nahe an Kanten.
Sehr scharfe Schneiden verursachen wenig Ausrisse an den Kanten.

Längsschnittverzahnung (Dreiecksverzahnung)

Schneidet man Holz längs (parallel) zur Faser, benötigt man anders ausgeformte Sägezähne, als wenn man quer zur Holzfaser schneidet. Bei Längsschnitten rollen sich die Späne auf, während bei Querschnitten feinkörniges Sägemehl entsteht. Das bedeutet, dass die Späne bei Längsschnitten wesentlich mehr Platz brauchen. Um dieses größere Volumen aufnehmen zu können ist der Abstand von Zahnspitze zu Zahnspitze bei Sägeblättern für Längsschnitte größer als bei solchen für Querschnitte. Während des Schneidens werden die Sägespäne im Raum zwischen den Zähnen zuverlässig aus der Sägefuge abtransportiert, und die Säge klemmt nicht.

Japanische Längsschnittsägezähne sind keilförmig wie extrem schmale Stemmeisen. Durch ihre keilartige Dreiecksform sehen sie den Sägezähnen europäischer Sägen ähnlich.

Sägezähne für Längsschnitte.
Späne rollen sich bei Längsschnitten auf.
Keilförmige (dreieckige) Sägezähne für Schnitte parallel zur Holzfaser

Variierender Zahnspitzenabstand

Die Sägezähne bei Längsschnittblättern sind in Griffnähe kleiner als die Sägezähne an der Seite, die dem Griff abgewandt ist. Die unterschiedliche Größe der Sägezähne bei Längsschnittblättern wird auch in manchen Werkzeugkatalogen gezeigt. Das Maß hierfür ist der Abstand von einer Zahnspitze zur nächsten.

Bei der Ryoba Gold von Magma mit 240 mm Blattlänge beträgt er beispielsweise 2,7 mm am Sägegriff. An der dem Griff abgewandten Seite des Sägeblatts beträgt der Zahnspitzenabstand 3,9 mm. Die kleineren Sägezähne direkt am Griff erleichtern das Ansägen des Holzes. Hat man eine Sägefuge geschaffen, welche das Sägeblatt sicher führt, sorgen die größeren Sägezähne für eine höhere Arbeitsgeschwindigkeit.

Die Ryoba hat zwei verschiedene Verzahnungen. Eine ist für Längsschnitte, die andere für Querschnitte geeignet. Die Längsschnittverzahnung dieser Ryoba Säge  erkennt man an den dreieckig ausgeformten Sägezähnen.
Vom Sägegriff beginnend nehmen sowohl die Größe der Sägezähne als auch  der Zahnspitzenabstand kontinuierlich zu. Am Sägegriff sind die Zähne kleiner.
An der vom Griff abgewandten Seite sind die Sägezähne am größten.

Für Schnitte längs zur Faser verfügt die Ryoba über eine Zahnreihe, welche speziell für Längsschnitte konstruiert ist.

Eine Anleitung zum Sägen von Längsschnitten mit japanischen Sägen finden Sie hier.

Querschnittverzahnung (Trapezverzahnung)

Die Sägezähne bei der Querschnittverzahnung sind trapezförmig. Am Sägezahn sind drei schneidende Fasen angeschliffen. Wie Messer durchtrennen die Schneidfasen die Holzfasern. So entsteht eine sehr saubere Schnittkante. Die Trapezverzahnung kommt bei Schnitten quer zur Holzfaser zum Einsatz. Quer zur Holzfaser sind die anfallenden Sägespäne eher feinkörnig und weniger faserartig. Sie rollen sich also nicht auf. Das Volumen der anfallenden Späne ist geringer. Dies ermöglicht einen geringeren Abstand zwischen den Zahnspitzen.

Mit der Querschnittverzahnung einer Dozuki lassen sich feine Querschnitte durchführen. Auch Schrägschnitte beim Anschneiden von Schwalbenschwanzverbindungen gelingen mit dieser Säge. Die Schnitttiefe bei einer Dozuki ist durch die Rückenverstärkung allerdings begrenzt. Tiefere Querschnitte führt man daher besser mit einer Ryoba aus. Diese besitzt keine Rückenverstärkung. Man nimmt dazu die Seite, wo sich die Trapezverzahnung befindet.

Das hier vorgestellte Modell verfügt über eine etwas gröbere Querschnittverzahnung als die Dozuki. Mit dieser Verzahnung lassen sich auch tiefere Schnitte diagonal zur Holzfaser sauber durchführen.

Querschnittsverzahnung / Trapezverzahnung mit ihren drei Schneidfasen.

 

Trapezverzahnung / Querschnittverzahnung.

Schnitte schräg zum Faserverlauf

Manche Schnitte verlaufen schräg zum Faserverlauf. Bei der Schwalbenschwanzverbindung oder Gehrungsschnitten ist dies beispielsweise der Fall. Für diesen Zweck werden Universalsägeblätter angeboten. Will man keine weitere Säge kaufen, nimmt man die gröbere Querschnittverzahnung der Ryoba. Auch größere Schnitte schräg zum Faserverlauf lassen sich mit ihr sauber durchführen.

Die Sägefuge der Querschnittverzahnung bei der Ryoba ist ca. doppelt so breit wie die Sägefuge der feinen Dozuki.
Gröbere Querschnittverzahnung.
Größerer Schrägschnitt, welcher mit einer Ryoba schräg zum Faserverlauf  durchgeführt wurde.

Schränkung der Sägezähne

Sowohl bei der Längsschnittverzahnung wie auch bei der Querschnittverzahnung sind die Sägezähne geschränkt. Das heißt, die Sägezähne sind im Wechsel nach rechts und nach links gebogen. Auf diese Weise entsteht beim Sägen eine Sägefuge, welche breiter ist als die Dicke des Sägeblatts: Das Sägeblatt läuft mit weniger Reibung und verklemmt nicht. Zudem lässt sich die Säge leichter steuern, wenn sie zu verlaufen droht.

Impulsgehärtete Sägeblätter

Industriell gefertigte Sägeblätter haben Zähne, welche impulsgehärtet sind. Dabei wird nur die Oberfläche der Zähne gehärtet. So bleibt das Sägeblatt und auch Teile des Zahns relativ weich. Dieser weichere Bereich bricht nicht so leicht aus wie gehärteter Stahl, welcher spröde ist. Die Zähne sind nur dort hart, wo sie schneiden. So entstehen Sägeblätter, welche sehr lange scharf bleiben und sehr robust sind. Sie lassen sich jedoch kaum mehr nachschärfen, wenn sie einmal stumpf sind.

Viele Variationen

Von den beiden hier vorgestellten Grundformen leiten sich viele Zahnformen ab. Zudem kombinieren Hersteller von Japansägen verschiedene Zahnformen in einer Zahnreihe. Es werden beispielsweise Räumzähne eingebaut. Diese sorgen für einen besseren Abtransport der Späne in der Sägefuge. Variiert werden auch die Dicke der Sägeblätter und die Stärke der Schränkung.

Dozuki und Ryoba – geeignet für fast alle Arbeiten

Mit den beiden hier im Artikel vorgestellten Sägen, einer Ryoba und einer Dozuki, ist man für fast alle Arbeiten gut gerüstet. Es sind jedoch viele weitere Sägemodelle auf dem Markt. Manche sind für ganz spezielle Anwendungsfälle konstruiert. (Siehe Artikel über japanische Spezialsägen). Ich empfehle für den Anfang mit den beiden hier vorgestellten Sägemodellen einzusteigen.

Tipp:
Kommen Sie zur Holzmesse nach Nürnberg. Dort besteht die Möglichkeit, sich die Funktionsweise der Japansägen erklären zu lassen. An manchen Ständen liegen Sägen zum Ausprobieren bereit. Nächster Termin: 18.03. – 21.03.2020

Weitere Artikel:

Japanische Stemmeisen – eine kurze Einführung

Wer europäische Stemmeisen gewohnt ist, betrachtet japanische Stemmeisen erst einmal mit Verwunderung. Sofort fallen die schmiedeeiserne Optik und die kurze Bauform ins Auge. Erst wenn man sie anwendet, erkennt man die Stärken dieser Werkzeuge: Man erzielt eine höhere Schneidenschärfe als bei europäischen Stemmeisen aufgrund der feineren Stahlstruktur. Das macht japanische Stemmeisen für die Bearbeitung von Massivholz besonders geeignet.

Einsatzgebiete für japanische Stemmeisen

Die Schneiden japanischer Stemmeisen sind sehr scharf und durchtrennen Holzfasern sehr sauber. Das ist ideal für klassische Holzverbindungen wie „Schwalbenschwänze“ oder „Schlitz und Zapfen“. Denn hier  kommt es auf präzises Arbeiten an.

Gleichzeitig sind die Schneiden japanischer Stemmeisen aber auch spröde. Somit eignen sie sich weniger für grobe Stemmarbeiten in Spanplatten, dem Entfernen festgetrockneter Leimwülste oder in der Bauschreinerei. Hier sind eher europäische Stemmeisen zu empfehlen. Ihr Stahl ist weniger ausbruchgefährdet.

Will man feine Holzverbindungen präzise ausarbeiten, …
… sind japanische Stemmeisen die beste Wahl.

Der erste Stemmeisensatz

Sucht man im Internet nach japanischen Stemmeisen, fallen sofort die großen Preisunterschiede auf. So findet man einen Satz bestehend aus sechs Stemmeisen schon ab etwas über hundert Euro. Man kann aber auch für ein einziges Stemmeisen deutlich über zweihundert Euro ausgeben. Der Rücken eines solch teuren Stemmeisens zeigt oft die Struktur von gefaltetem Stahl, welcher in Japan Suminagashi genannt wird. In Europa ist dieser Stahl auch als Damaszenerstahl bekannt.

Meiner Meinung nach sollte man nicht gleich in dieser gehobenen Preislage einsteigen. Es genügt ein einfaches aber solides Stemmeisen. Entscheidend für die Gebrauchstauglichkeit ist die Qualität des Stahls. Diese lässt sich von außen nicht erkennen. Stahl ist Vertrauenssache. Die Qualität hängt vom Schmiedevorgang ab. In vielen aufeinander abgestimmten Arbeitsgängen entsteht eine hochwertige Klinge. Für diese Arbeitsgänge braucht es viel Fachwissen und Sorgfalt. Beides ist bei traditionellen japanischen Herstellern vorhanden. Besonders Händler, welche lange im Geschäft sind, verfügen über große Erfahrung mit den Produkten ihrer Lieferanten. Bei diesen Händlern sind die Chancen am besten, etwas Gutes zu bekommen.

Ich empfehle einen Einsteigersatz, welcher aus sechs Stemmeisen besteht. Folgende Schneidenbreiten sind sinnvoll: 3er, 6er, 9er, 12er, 18er, 24er

Ein guter Einsteigersatz sind Oire Nomi

Oire Nomi sind Stemmeisen, welche vielseitig einsetzbar sind. Besonders gut geeignet sind sie für Holzverbindungen und feine Nacharbeiten bei Massivholz. Die Eisen werden in Japan gefertigt und nach Europa importiert. Ein 6-teiliger Einsteigersatz kostet im Handel zwischen 150,-€ und 200,-€.

Zu Beginn sollte man sich erst einmal darauf fokussieren, sich mit den japanischen Stemmeisen vertraut zu machen. Einfache Eisen von guter Qualität halte ich am Anfang für sinnvoll. So gewinnt man an Sicherheit und sammelt Erfahrung. Hat man eine solide Grundlage gelegt, kann man immer noch entscheiden, ob man sich ein Spitzenprodukt japanischer Schmiedekunst mit einer Klinge aus gefaltetem Stahl gönnen möchte. Achten sie bei der Auswahl eines Stemmeisensatzes darauf, dass auch ein 3er Eisen dabei ist. Dieses ist wichtig, um auch kleine Schwalbenschwänze oder schmale Schlitze auszustemmen.

Achten Sie darauf, ein schmales Stemmeisen mit 3 mm Schneidenbreite dabei zu haben.
Japanisches Stemmeisen mit einem Grundkörper aus gefaltetem Stahl.

Zweilagenstahl

Die Klinge des japanischen Stemmeisens besteht aus einem Grundkörper aus weichem Eisen und einer harten Stahlschicht, welche die Schneide ausbildet. Die dickere Schicht aus Eisen ist weicher und elastischer. Sie dämpft die Schläge und sorgt für Stabilität. Der härtere Schneidenstahl bildet die dünnere Schicht.

Die Schneide eines japanischen Stemmeisens besteht aus Kohlenstoffstahl, welcher härter ist als der Stahl europäischer Stemmeisen. So bleiben japanische Stemmeisen länger scharf, bis sie wieder geschärft werden müssen. Den Zeitraum von einem Schärfvorgang zum nächsten bezeichnet man als Standzeit. Japanische Stemmeisen haben eine längere Standzeit als europäische Eisen. Der Schwachpunkt des harten Stahls ist, dass er spröde ist. Ohne die weiche Trägerschicht aus Eisen würde die harte Schicht brechen.

Der weiche Trägerstahl und der harte Schneidenstahl sind zusammengeschmiedet. Auf der Fase ist die Trennlinie zwischen hartem Schneidenstahl und weichem Trägerstahl deutlich sichtbar. Die Fase ist die Fläche, welche zur Schneide hin abgewinkelt ist.
Auf der Fasenseite sieht man den Rücken des Stemmeisens. Sichtbar ist der weiche Trägerstahl.
Auf der Spiegelseite sieht man den harten Schneidenstahl. Die Fläche ist auf dem Wasserstein poliert.
In der polierten Fläche spiegelt sich die Holzstruktur.

Aufbau eines japanischen Stemmeisens

Die Aufgabe des Stemmeisens liegt darin, die Schlagenergie des Hammers zur Schneide zu leiten. Es ist dabei großen Kräften ausgesetzt. Um diese Belastung dauerhaft auszuhalten, sind japanische Stemmeisen sehr stabil konstruiert: Dies beginnt mit einem massiven Metallring am Griffende, welcher die Holzfasern des Griffs zusammenhält und so ein Aufspalten verhindert. Zur Klinge hin hält eine konische Metallzwinge die Holzfasern zusammen. Metallzwinge und Hals sind massiv ausgeführt. Sowohl Zwinge als auch Hals sind stabiler als bei europäischen Stemmeisen. Die Klinge ist kurz und dick. Ein Hohlschliff auf der Spiegelseite erleichtert das Schärfen und verringert die Reibung beim Stemmen.

In Japan werden die Stemmeisengriffe wie in Europa aus Harthölzern gefertigt. Während in Europa bevorzugt Buche zum Einsatz kommt, verwendet man in Japan auch Eiche.

Richtige Arbeitsweise mit dem Stemmeisen

Stemmarbeiten sollten Sie auf einer festen Unterlage ausführen. Denn federt die Unterlage nach, geht einige Schlagenergie verloren. Als Unterlage möglich sind ein Hobelbrett, niedrige japanische Arbeitsböcke oder eine europäische Hobelbank.

In Japan schlägt man das Stemmeisen traditionell mit dem Stahlhammer, dem Genno. Dieser hat eine gerade und eine ballige Schlagfläche. Man schlägt das Stemmeisen mit der geraden Fläche. Das Gewicht des japanischen Hammers ist mit ca. 400 g relativ niedrig. Seine Durchzugskraft erhält er durch seinen langen Stil. Nach einer Faustregel sollte der Stil so lang sein wie der Unterarm des Benutzers. Ist man jedoch auf den in Europa üblichen Holzhammer (Klüpfel) eingearbeitet, kann man diesen auch weiterhin verwenden. Er hat jedoch den Nachteil, dass er sich nicht so gut steuern lässt wie ein Stahlhammer, denn der Stahlhammer ist leichter.

Die kurze Bauform der japanischen Stemmeisen sorgt ebenfalls für eine bessere Steuerbarkeit. So ist man mit der Hand näher an der Stelle, an der man arbeitet. Die Arbeitstiefe leidet nicht unter der geringen Länge der Klinge. Diese ist abgewinkelt, was die Arbeitstiefe auf fast das Doppelte der Klingenläge vergrößert.

Das japanische Stemmeisen ist abgewinkelt. Somit stört der Hals nicht, wenn man in der Fläche arbeitet und beispielsweise einen überstehenden Dübel plan schneidet.
Traditionell schlägt man das japanische Stemmeisen mit einem Hammer.
Der japanische Hammer wird in Japan Genno genannt.

Stemmeisen gebrauchsfertig machen

Japanische Stemmeisen werden vom Handel oft nicht gebrauchsfertig geliefert. Bevor man das japanische Stemmeisen einsetzen kann, muss man erst den Metallring am Griffende auftreiben und die Spiegelseite plan schleifen. Hierzu sind einige Kenntnisse notwendig. In einem weiteren Artikel werde ich hierzu eine Anleitung bringen.

Erste Schritte in Holzbearbeitungskursen

In Nürnberg biete ich bereits seit über zehn Jahren Kurse über japanische Holzbearbeitung an. In meinen Kursen erfahren Sie, wie man japanische Stemmeisen gebrauchsfertig macht und fachgerecht schärft. Das regelmäßige Schärfen und Abziehen sollte man fest in den Arbeitsprozess integrieren. Nur mit scharfen Stemmeisen lassen sich gute Ergebnisse erzielen.

Geduld ist nötig

Die Bearbeitung von Massivholz mit Handwerkzeug erfordert viel Übung. Rechnen Sie nicht mit schnellen Ergebnissen. Die Belohnung ist aber umso größer, wenn man merkt, wie man langsam immer besser wird. Also, steigen Sie ein und bleiben Sie dran!

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