Grundausstattung Handwerkzeuge für die Bearbeitung von Holz

Wenn Sie in die Handbearbeitung von Holz einsteigen wollen, fragen Sie sich vielleicht, welche Handwerkzeuge Sie dafür benötigen. Welche Werkzeuge für den Einstieg sinnvoll oder notwendig sind. Damit Sie sich als Einsteiger in die Holzbearbeitung einen Überblick verschaffen können, habe ich Ihnen eine Checkliste zusammengestellt. Diese zeigt eine Grundausstattung von Handwerkzeugen für die Bearbeitung von Holz.

Mit den aufgeführten Werkzeugen lassen sich klassische Massivholzverbindungen wie Schlitz und Zapfen und Schwalbenschwanzverbindungen herstellen. So wird es Ihnen möglich, einfache Massivholzmöbel oder Bilderrahmen zu bauen.

Die Abmessungen der Werkzeuge sind circa Angaben und variieren von Hersteller zu Hersteller etwas.

Winkel Zange und mehr
Werkzeuge sollten in erster Linie funktionieren, aber sie dürfen auch schön sein.

Handwerkzeuge für die Erstausstattung – die Checkliste

Folgende Werkzeuge empfehle ich für den Anfang:

Anreißwerkzeug / Messwerkzeug

  • Streichmaß (Weißbuchenholz, Länge ca. 150 mm)
  • Winkel 90° klein (Stahlzunge Länge 150 mm)
  • Winkel 90° groß (Stahlzunge Länge 250 mm)
  • Gehrungswinkel (Länge der Zunge ca. 300 mm)
  • Schmiege ( Bewegliche Stahlschiene ca. 175 mm)
  • Vorstecher (rund mit Holzheft)
  • Meterstab (Gliedermaßstab aus Holz, 2 Meter lang)
Grundausstattung Messwerkzeuge
Anreiß- und Messwerkzeuge sollten immer präzise funktionieren. Risse und Markierungen bilden das Fundament für fast alle nachfolgenden Arbeitsschritte.

Hobel

  • Doppelhobel (Hobelkörper aus Buche, Hobelsohle aus Weißbuche)
    Eisenbreite ca. 45 – 48 mm, Länge 240 mm, Schnittwinkel 45°
  • Putzhobel (Hobelkörper aus Buche, Hobelsohle aus Weißbuche)
    Eisenbreite ca. 48 mm, Länge 220 mm, Schnittwinkel 50°
Holzhobel Buche
Holzhobel mit Hobelkörpern aus Buche.

Sägen

Für den Einstieg empfehle ich zwei Japansägen:

  • Dozuki (Blattlänge ca. 240 mm, Zahnabstand ca. 1 mm)
  • Ryoba (Blattlänge 240 mm)
Ryoba und Dozuki
Eine Ryoba und eine Dozukisäge ermöglichen präzise Schnitte längs und quer zum Faserverlauf.

Wassersteine

  • Schruppstein 220er Körnung
  • Kombistein 1000er und 6000er Körnung
  • Kombistein 3000er und 8000er Körnung
Drei japanische Wassersteine
Auf japanischen Wassersteinen lassen sich Hobel- und Stemmeisen sehr scharf machen.

Hammer

  • Schlosserhammer (ca. 400 g)
  • Klüpfel (eher größere Ausführung, Schlagkopf ca. 140 x 80 x 120 )
Klüpfel und Hammer
Neben dem Schlosserhammer sollte man einen Klüpfel (Holzhammer) besitzen, um die Stemmeisen zu treiben.

Stemmeisen

  • Stemmeisen in den Größen 4 / 6 / 8 / 10 / 16 und 20
klassische Stemmeisen
Mit den hier abgebildeten Stemmeisen lassen sich bereits die meisten Holzverbindungen herstellen.

 

Schraubendreher

  • 3 Schlitzschraubendreher (Klingenbreite 3,5 / 5,5 und 7,0)
  • 2 Kreuzschlitzschraubendreher (PZ 1 und PZ 2)
Grundausstattung Schraubendreher
Grundausstattung Schraubendreher

Zangen

  • Kombizange (Länge ca. 160 mm)
  • Wasserpumpenzange (Länge ca. 250 mm)
  • Kantenzange (Länge ca. 210 mm)
Grundausstattung Zangen
Grundausrüstung an Zangen: Kombizange, Wasserpumpenzange und Kantenzange

Sonstiges Werkzeug

  • Schleifklotz (Kork ca. 125 x 60 x 35 mm) und Schleifpapier
  • Handversenker (Durchmesser 16 – 18)
Handversenker Schleifklotz
Mit dem Handversenker senkt man Schraubenköpfe so ein, dass sie nicht über die Holzoberfläche hinausragen. Ein Korkschleifklotz ist ideal für das Schleifen mit der Hand.

Individualisieren Sie diese Checkliste

Die hier aufgeführte Zusammenstellung von Werkzeugen ist nur ein Vorschlag für eine Erstausstattung. Passen Sie diese Liste aber an Ihre eigenen Projekte an. Vielleicht benötigen Sie für manche Projekte noch weitere Werkzeuge. Und sicherlich werden die Werkzeuge im Laufe der Zeit nicht weniger.

Stemmeisenbox mit Stemmeisen
Diese Stemmeisenbox dient der Lagerung der Stemmeisen und ermöglicht den leichten Zugriff.

Tipps für den Kauf von Handwerkzeugen

Kaufen Sie Profiqualität von Anfang an!

Nur professionelle Handwerkzeuge erzielen gute Arbeitsergebnisse. Doch wie kann man gute Qualität erkennen, wenn man erst in die Holzbearbeitung einsteigt? Mein Tipp ist: Kaufen Sie das Werkzeug bei Händlern, welche auch professionelle Schreiner beliefern. Und seien Sie äußerst misstrauisch, wenn der Preis besonders günstig zu sein scheint. Hier gilt die Grundregel: Billig gekauft ist zweimal gekauft.

Beratung durch den Fachhandel und auf Fachmessen

Manche Fachhändler haben sich auf die Bedürfnisse von Heimwerkern spezialisiert. In ihren Ladengeschäften und durch Telefonberatung begleiten sie ihre Kunden im Kaufprozess.

Auch auf Fachmessen finden Sie sowohl Handwerkzeuge als auch Holzbearbeitungsmaschinen. Lassen Sie sich dort informieren und inspirieren.

Die richtige Handhabung der Handwerkzeuge

Informieren Sie sich weiter in diesem Blog

Viele Handwerkzeuge sind bereits in diesem Blog besprochen. Hier finden Sie weitere Informationen für den Kauf, aber vor allem auch für die Funktion und Anwendung der Werkzeuge. Sie finden zum Beispiel Beiträge über Messwerkzeuge, über europäische und japanische Stemmeisen, Japansägen und über Schärfsteine / Wassersteine. Ebenfalls finden Sie Anleitungen für das Sägen mit der Japansäge für Quer- und für Längsschnitte.

Lernen Sie diese Werkzeuge richtig zu handhaben in Holzbearbeitungskursen

Der schnellste und beste Weg, die richtige Anwendung dieser Werkzeuge zu erlernen ist Kurse zu besuchen. Nur in den Kursen bekommen Sie direkt bei der Anwendung Korrektur. Zudem befinden Sie sich in einer Gruppe von Gleichgesinnten. Der gemeinsam erlebte Lernprozess macht Spaß und wirkt sehr motivierend.

Holzbearbeitungskurs mit Handwerkzeugen

Weitere Artikel zum Thema Werkzeuge für die Holzbearbeitung mit der Hand

Bücher zum Thema „Grundausstattung von Handwerkzeugen für die Bearbeitung von Holz“

Im sehr umfangreichen Buch von Christopher Schwarz findet man viele Informationen zu Handwerkzeugen, deren Verwendung und Einkaufstipps.

Wer es kurz und knapp mag kauft besser das Handbuch Elektrowerkzeuge von Guido Henn, welches auch grundlegende Kapitel über Handwerkzeuge enthält.

Die Stemmeisenfase schleifen und polieren bei europäischen Stemmeisen

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Stemmeisenfase exakt auf den passenden Fasenwinkel hin schleifen und die Fase anschließend fein polieren. Nach der korrekten Durchführung aller beschriebenen Arbeitsgänge ist die Schneide des Stemmeisens scharf.

Voraussetzungen für eine scharfe Schneide

Bevor ich beginne die Fase zu schleifen, stelle ich sicher, dass die Spiegelseite sowohl   eben als auch fein poliert ist. Wie das funktioniert, lesen Sie im Artikel „Die Spiegelseite von europäischen Stemmeisen plan schleifen und polieren“.

Den richtigen Fasenwinkel wählen

Wenn ich die Fase eines Stemmeisens schleife, achte ich besonders auf den Fasenwinkel. Dieser sollte zu dem Projekt passen, an dem ich als nächstes arbeiten will. Meist beträgt der Fasenwinkel ab Werk 25° – 30°. Mehr zum Thema Fasenwinkel lesen Sie im Artikel „Schneidengeometrie bei europäischen Stemmeisen“ in diesem Blog.

Ich empfehle Ihnen, eine Schleifführung zu verwenden – vor allem, wenn Sie weniger geübt sind. Denn sie hilft Ihnen, den Fasenwinkel von Anfang an beizubehalten. Schaffen Sie sich eine Schleifführung an, die es Ihnen ermöglicht, das Stemmeisen leicht und korrekt einzuspannen.

Den Fasenwinkel einstellen

Zur Orientierung messe ich zuerst den Fasenwinkel mit Hilfe einer Winkellehre. Im aktuellen Fall beträgt der Fasenwinkel 30°. Ich übernehme diesen Fasenwinkel und stelle die Scheibe der Einstelllehre auf 30°. Diese Einstellung gibt an, auf welchen Winkel ich die Fase schleifen will. Dann setze ich meine Schleifführung auf die Einstelllehre auf und suche die richtige Einspannposition für das Stemmeisen. Anschließend spanne ich das Stemmeisen fest.

Fasenwinkel messen mit Einstelllehre
Ich messe mit der Winkellehre den Fasenwinkel, welcher ab Werk angeschliffen ist. Hier sind es genau 30°.
europäisches Stemmeisen in Schleifführung
Ich spanne das Stemmeisen in die Schleifführung ein. Außerdem stelle ich auf der Einstelllehre den Winkel ein, den ich anschleifen will.
Einstelllehre und Schleifführung
Die Fase passt genau unter die Scheibe der Einstelllehre. Eingestellt ist hier der 30° Winkel.
Scheibe der Einstelllehre europäisches Stemmeisen
Auf der Scheibe der Einstelllehre lässt sich der Fasenwinkel ablesen.

Die Klinge rechtwinklig einspannen

Mit einem Präzisionswinkel messe ich nach, ob ich das Stemmeisen im 90° Winkel in die Schleifführung eingespannt habe. Nur rechtwinkliges Einspannen führt zu einer Stemmeisenschneide, welche im 90° Winkel zur Längsachse der Klinge steht.

Präzisionswinkel europäisches Stemmeisen
Mit einem Präzisionswinkel überprüfe ich, ob das Stemmeisen rechtwinklig in die Schleifführung eingespannt ist.
Präzisionswinkel europäisches Stemmeisen
Ich kontrolliere, ob die Schneide im rechten Winkel zur Längsachse des Stemmeisens steht. Dies tue ich, bevor ich das Stemmeisen in die Schleifführung einspanne. Aber auch, nachdem ich mit dem Schärfen fertig bin, prüfe ich den Winkel der Schneide noch einmal.

Die Fase schleifen

Ich teste die Einstellung, welche ich vorgenommen habe, indem ich die Fase mit einem Marker schwärze. Nur wenige Schleifbewegungen genügen um zu zeigen, wo Material abgetragen wird. Am Schleifbild auf der Fase erkenne ich, ob ich das Stemmeisen korrekt in die Schleifführung eingespannt habe.

Sitzt das Stemmeisen richtig, beginne ich mit dem Schleifen. Ich bearbeite die Fase auf einem 1000er oder 220er Stein so lange, bis auf der Spiegelseite auf der ganzen Länge der Schneide ein Grat zu spüren ist. Dann ist die Fase fertig geschliffen und es folgt das feine Polieren, welches man auch als Abziehen bezeichnet. Während des Abziehens bleibt das Stemmeisen weiter in der Schleifführung eingespannt.

Tipp: Während ich mit der Schleifführung über den Stein fahre, versuche ich möglichst die ganze Steinoberfläche auszunutzen. Dazu drehe ich den Stein um 180° und richte ihn von Zeit zu Zeit ab. Denn auch für das Schleifen der Fase muss die Oberfläche des Wassersteins immer eben gehalten werden.

Fase schwärzen mit einem Marker
Mit einem Marker schwärze ich die Fase.
Fase europäisches Stemmeisen geschwärzt
Das Schwärzen der Fase erleichtert es mir später zu erkennen, an welcher Stelle ich Material weggeschliffen habe.
Schleifhilfe auf Stein Körnung 1000
Ich setze die Schleifführung auf den 1000er Stein und fahre zwei oder drei Züge darüber.
Klinge eines europäischen Stemmeisens
Ich habe nach wenigen Schleifbewegungen bereits fast alle Farbe weggeschliffen. Das zeigt mir, dass der am Stemmeisen vorhandene Winkel ziemlich genau dem an der Schleifführung eingestellten Winkel entspricht.
nicht einheitliches Schliffbild Fase
Das nicht einheitliche Schliffbild auf der Fase zeigt mir, dass noch nicht die ganze Fläche geschliffen ist. Ich schleife nun weiter auf dem 1000er Stein, bis über die ganze Länge der Schneide ein Grat auf der Spiegelseite zu spüren ist.

Die Fase polieren (abziehen)

Das Abziehen beginnt bei meiner Schärf Methode auf dem 3000er Stein. Beginnend mit der Fase führe ich das Stemmeisen über den 3000er Stein. Ich schleife nun die Fase vom 3000er über den 6000er bis zum 8000er Stein. Mit der jeweils feineren Körnung schleife ich die Schleifspuren der gröberen Körnung weg. In einem letzten Arbeitsgang entferne ich den Grat auf der Spiegelseite auf dem 8000er Stein.

Abschließend teste ich die Schärfe des Stemmeisens, indem ich von einem Fichtenklötzchen eine Ecke absteche. Entsteht ein sauberer Schnitt ohne Ausrisse, ist das Stemmeisen nun einsatzbereit. Lesen Sie hierzu auch den Artikel „Wann ist die Schneide von meinem Stemmeisen scharf genug?“ in diesem Blog.

abziehen auf 6000er Stein
Spüre ich den Grat auf der Spiegelseite, wechsle ich vom 1000er Stein zum 3000er, 6000er und 8000er Stein. Dabei bleibt das Stemmeisen die ganze Zeit in die Schleifführung eingespannt.
europäisches Stemmeisen 8000er Wasserstein
Auf der Spiegelseite entferne ich mit wenigen Schleifbewegungen den Grat. Dabei sollte die Spiegelseite immer auf der Steinoberfläche aufliegen und nicht abgehoben werden.
europäisches Stemmeisen Fichte Leiste
Um die Schärfe zu testen, steche ich von einem Fichtenklötzchen eine Ecke ab. Erziele ich eine Fläche ohne Ausrisse, welche leicht glänzt, ist die Schneide scharf. Sollte die Schärfe nicht befriedigend sein, ziehe ich das Stemmeisen noch einmal auf dem 8000er Stein ab. Dabei bearbeite ich zuerst die Fase und dann die Spiegelseite.
Klinge eines europäischen Stemmeisens
Das Stemmeisen ist fertig geschärft und bereit für den Einsatz.

Weiterführende Artikel

 

Europäische Stemmeisen gebrauchsfertig machen

Neugekaufte europäische Stemmeisen sind oft nicht sofort gebrauchsfertig. In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, welche Schritte notwendig sind, um neugekaufte Stemmeisen gebrauchsfertig zu machen.

Wie man Stemmeisen kauft

Der Handel bietet Stemmeisen oft in Sets an. Diese liefern sie im Karton, in einer Lederrolltasche oder in einer Holz Box. Meist werden die Schneiden durch eine Plastikkappe geschützt. Außerdem liefern die meisten Hersteller ihre Eisen mit vorgeschliffener Klinge, wobei grobe Schleifspuren sichtbar sind. Zudem sind die Klingen mit einer dünnen Lackschicht überzogen, welche sie vor Rost schützt.

Die Schärfe reicht jedoch häufig noch nicht aus, um mit diesen Stemmeisen gut arbeiten zu können. Wollen Sie Ihre neuen Stemmeisen erstmalig schärfen, sollten Sie in einem ersten Schritt die Spiegelseite bearbeiten. Und in einem zweiten Schritt die Fase. In diesem Artikel gebe ich dazu einen ersten Überblick. In zwei weiteren Artikeln gehe ich mehr auf die praktische Umsetzung ein.

Kunstoffschutzkappe auf der Schneide eines Stemmeisens
Ab Werk kommen die Stemmeisen meistens mit einem Kunststoffschutz, welcher vorne auf die Klinge gesteckt ist und die Schneide schützt.
grobe Schleifspuren auf der Klinge europäisches Stemmeisen
Grobe Schleifspuren auf der Spiegelseite schleife ich weg. Diese stammen von der Produktion.

Die Spiegelseite bearbeiten

Die Spiegelseite des Stemmeisens sollte völlig plan bzw. eben geschliffen sein. Selbst wenn der Hersteller die Spiegelseite auf Glanz poliert hat, ist nicht garantiert, dass sie plan ist. Dies finden Sie nur heraus, wenn sie die Spiegelseite auf einem völlig ebenen Wasserstein oder einer Diamantschärfplatte fein schleifen.

Eine weitere Voraussetzung für eine scharfe Schneide ist eine polierte Spiegelseite. Wenn der Hersteller seine Stemmeisen nur grob vorschleift, befinden sich in der Oberfläche der Spiegelseite tiefe Kratzer, welche sich bis in die Schneide fortsetzen. Selbst wenn man die Fase des Stemmeisens auf Hochglanz poliert, würde die Schneide nicht richtig scharf. Deswegen schleife ich auch auf der Spiegelseite alle Kratzer heraus und schleife sie fein bis Körnung 8000.

Spiegelseite abziehen auf 3000er Stein
Ich schleife neue europäische Stemmeisen auf Wassersteinen.
Spiegelseite spiegelt Holzstruktur
Das Ziel ist, die Spiegelseite fein zu polieren und gerade abzurichten.

Die Fase bearbeiten

Die Fase eines neu gekauften Stemmeisens weist häufig ebenso grobe Schleifspuren auf wie die Spiegelseite. Diese entferne ich in der gleichen Weise wie die Schleifspuren auf der Spiegelseite, indem ich die Fase auf Wassersteinen schleife bis Körnung 8000. Die Fase soll in einem Winkel von 25° – 30° zur Spiegelseite stehen. Um den gewünschten Winkel exakt anzuschleifen, verwende ich eine Schleifhilfe.

Erst wenn eine polierte Fase und eine polierte Spiegelseite in der Schneidkante aufeinander treffen, ist die Schneide wirklich scharf.

Es sind also einige wichtige Vorarbeiten zu tun, ehe man sein Stemmeisen erfolgreich einsetzen kann. Wie dies auf Wassersteinen gemacht wird, zeige ich in zwei weiteren Artikeln:

Weiterführende Artikel zum Thema „europäische Stemmeisen gebrauchsfertig machen“:

 

Die Spiegelseite von europäischen Stemmeisen plan schleifen und polieren

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Spiegelseite eines Stemmeisens auf Wassersteinen eben bzw. plan schleifen und polieren.

Ohne eine gut geplante, also ebene und sauber polierte Spiegelseite lassen sich Stemmeisen nicht richtig schärfen. Manche Stemmeisen werden ab Werk nicht mit einer völlig planen Spiegelseite ausgeliefert. Zudem zeigt die Spiegelseite noch grobe Produktionsspuren. Wie gehe ich vor?

Die Spiegelseite erst plan schleifen und dann polieren

In einem ersten Schritt überprüfe ich, ob die Spiegelseite plan ist. Ist dies nicht der Fall, mache ich mich daran, die Spiegelseite plan zu schleifen. Anschließend poliere ich die Oberfläche fein aus. Dann ist die Spiegelseite fertig. Durch das Planen und Polieren sind  auch alle groben Kratzer und Produktionsspuren verschwunden.

Wenn die Spiegelseite fertig ist, muss nur noch die Fase ebenso sauber geschliffen und poliert werden, um das Stemmeisen scharf zu machen.

Spiegelseite auf Planheit prüfen mit dem Haarlineal

Ich beginne damit, die Spiegelseite auf Planheit zu prüfen. Dazu kann man ein Haarlineal verwenden. Man setzt das Haarlineal auf der Spiegelfläche auf und hält das Stemmeisen gegen eine Lichtquelle. So lassen sich manche Unebenheiten schon mit bloßem Auge erkennen.

Haarlineal von der Seite
Das Haarlineal dient zum Überprüfen, …
Haarlineal spitze Kante
… ob eine Metallfläche eben ist.
Haar liegt auf Spiegelseite
Ich prüfe die Spiegelseite eines europäischen Stemmeisens mit dem Haarlineal.

Feinere Unebenheiten auf der Spiegelseite sichtbar machen

Feinere Unebenheiten werden erst sichtbar, wenn man die Spiegelseite auf einem feinen Schleifstein abzieht. Die erhabenen Bereiche werden fein poliert, während die zurückstehenden Bereiche immer noch die groben Schleifspuren des Produktionsprozesses zeigen.

Schleifspuren Spiegelseite europäisches Stemmeisen
Die Schleifspuren von der Produktion sollen entfernt und die Spiegelseite gerade abgerichtet werden.
Spiegelseite auf 3000er Schärfstein
Ich führe die Spiegelseite über einen 3000er Stein um festzustellen, ob es unebene Stellen gibt.
Spiegelseite zeigt glänzende Stelle
Etwa 3 cm hinter der Schneide entsteht hier eine glänzende Stelle. Das bedeutet, dass die Klinge etwas konvex (bauchig) ist.
Glänzende Stelle auf Spiegelseite
Nachdem ich auf dem 3000er Stein weitergeschliffen habe, stelle ich anhand der Schleifspuren fest, dass ich noch viel Material abtragen muss.  Ich schleife erst einmal auf dem 220er Stein weiter, weil ich die Spiegelseite einigermaßen zügig eben schleifen will.

Plan schleifen der Spiegelseite

Weist die Spiegelseite noch gröbere Unebenheiten auf, richte ich sie auf einem 220er Wasserstein ab. Weniger starke Unebenheiten lassen sich mit einem 1000er Stein planschleifen. Um eine ebene Spiegelseite zu erzielen ist es notwendig, dass die Schleifsteine eine komplett ebene Oberfläche haben.

Andruckholz und europäisches Stemmeisen
Mit Hilfe eines Andruckholzes beschleunige ich den Schleifprozess. Auf Wassersteinen darf Druck ausgeübt werden.
Andruckholz japanischer Wasserstein
Das Andruckholz ermöglicht es mir, viel mehr Druck während des Schleifens aufzubauen.
Andruckholz im Einsatz auf japanischem Wasserstein
Vom 220er über den 1000er, 3000er, 6000er und 8000er richte ich die Spiegelseite ab und poliere sie schließlich.

Die Spiegelseite polieren

Nun ist die Spiegelseite komplett eben. Auf der Metalloberfläche befinden sich jedoch noch grobe Schleifspuren des 1000er Steins. Auf einem 3000er beginne ich die Spiegelseite fein zu schleifen. Ziel ist, in einem Bereich von 2-3 cm hinter der Schneide eine spiegelpolierte Fläche herzustellen. Das reicht aus, um mit dem Stemmeisen gut arbeiten zu können.

Vom 3000er Stein arbeite ich mich über den 6000er bis zum  8000er Stein vor. Dabei hebe ich niemals die Spiegelseite von der Steinoberfläche ab. Da sonst die Spiegelseite ballig geschliffen würde. Diesen Fehler müsste man durch aufwändiges plan schleifen korrigieren.

Das Ziel ist jedoch, eine möglichst plane Fläche auf der ganzen Länge der Klinge zu erzielen. Ist diese plane Fläche einmal hergestellt, sollte sie während der gesamten Lebensdauer des Stemmeisens erhalten bleiben. Der Bereich hinter der Schneide sollte spiegelpoliert sein, denn scharfe Schneiden bekommt man nur, wenn sich eine polierte Spiegelseite und eine polierte Fase in der Schneiden Kante treffen.

Europäisches Stemmeisen auf 8000er Stein
Letzte Politur auf dem 8000er Stein: Die schwarzen Spuren auf dem Stein stammen vom Metallabrieb.
polierte Spiegelseite europäisches Stemmeisen
Die Spiegelseite ist fertig abgerichtet und poliert.
Spiegelseite spiegelt Struktur Fichtenleiste
Die Spiegelseite spiegelt die Struktur einer Fichtenleiste.

Kontrolle der Wassersteine

Für alle hier geschilderten Arbeitsgänge benötigen Sie komplett plane Wassersteine. Denn davon ist der Erfolg der gesamten Arbeit abhängig. Um Planheit sicherzustellen sollten die Wassersteine in kurzen Abständen  überprüfen. Mehr dazu finden Sie im Artikel …  „Wassersteine abrichten (plan halten) und Kanten vor Ausbrüchen schützen“  in diesem Blog.

Weiterführende Artikel

Wann ist die Schneide von meinem Stemmeisen scharf genug?

Wenn Sie mit einem Stemmeisen eine Weile gearbeitet haben, stellt sich irgendwann die Frage: Ist das Stemmeisen noch scharf genug, um damit weiterzuarbeiten? Oder ist es schon zu stumpf? Eine ähnliche Frage gilt es zu beantworten, wenn Sie das Stemmeisen schärfen: Ab wann ist die Schneide des Stemmeisens wieder scharf genug? In diesem Artikel erfahren Sie einige Methoden, wie Sie überprüfen können, ob die Schneide von Ihrem Stemmeisen noch scharf genug ist.

Schärfe während der Arbeit überprüfen

Schneiden von Stemmeisen verlieren während der Arbeit langsam an Schärfe. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man es wieder scharf machen sollte. Um festzustellen, wann dieser Punkt erreicht ist, überprüfen Sie am besten regelmäßig den Zustand der Schneiden.

Mehr darüber, wie wichtig scharfes Werkzeug ist, lesen Sie hier.

Prüfmethode 1: Sichtprüfung der Schneide

Eine Sichtprüfung geht am schnellsten. Sie betrachten dabei die Spiegelseite und die Schneide Ihres Stemmeisens. Mit einer Lupe lassen sich auch kleine Scharten, ein kaum sichtbarer Grat oder ein Kratzer in der Spiegelseite entdecken.  Haben Sie keine Lupe zur Hand, halten Sie die gut beleuchtete Schneide vor einen dunklen Hintergrund. Beschädigungen in der Schneide reflektieren das Licht.

Entdecken Sie eine Unregelmäßigkeit, können Sie weitere Prüfmethoden anwenden, um ganz sicher zu gehen.

Tipp: Eine gute Handykamera bildet mehr ab, als das bloße Auge sehen kann.

Lichtlupe und europäisches Stemmeisen Klinge
Nehmen Sie Ihr Stemmeisen unter die Lupe.

Prüfmethode 2: Das Schneidverhalten der Schneide überprüfen

Am Hirnholz herunterstechen. Erzielen Sie eine ausrissfreie leicht glänzende Fläche, ist die Schneide noch scharf. Wird die Hirnholzfläche jedoch stumpf und weist kleine Risse auf, sollten Sie das Stemmeisen schärfen.

Tipp: Halten Sie immer ein frisch geschärftes Stemmeisen vor. Wollen Sie eine Stemmeisenschneide auf Schärfe überprüfen, vergleichen Sie die Schneidleistung beider Eisen in der gleichen Hirnholzfläche. So haben Sie gleiche Testbedingungen.

Risse in der Oberfläche durch stumpfes Stemmeisen
Die stumpfe Schneide hat in der Oberfläche Risse hinterlassen.
Scharfe Klinge eines europäischen Stemmeisens
Mit einem scharfen Stemmeisen schneide ich an derselben Stelle eine dünne Holzschicht weg.
Schnitt ins Hirnholz ohne Ausrisse
In der Holzoberfläche sind keine Risse mehr zu sehen.

 

Sicherheitshinweis: Spannen Sie das Testholz immer fest. Wenn Sie es in der Hand halten, kann das Stemmeisen abrutschen und Ihre Hand verletzen.

Prüfmethode 3: Der Fingertest

Streichen Sie über die Spiegelseite und fahren Sie vorsichtig mit dem Finger über die Schneide. Mit der Fingerkuppe spüren Sie, ob sich an der Schneide ein Grat befindet. So entdecken Sie auch einen Grat, den Sie mit bloßem Auge nicht sehen können.

Grat spüren mit der Fingerkuppe
Fahren Sie mit dem Finger über die Schneide von der Spiegelseite her.

Weitere Methoden der Prüfung der Stemmeisenschneide

Mit scharfen Schneiden lässt sich Papier in Streifen schneiden. Beliebt, aber nicht ohne Risiko ist das Rasieren des Handrückens. Auch das Kippen einer scharfen Schneide auf dem Daumennagel steigert den Pflasterverbrauch. Bei letzterer Methode gilt: Je später die Klinge wegrutscht, desto schärfer ist sie.

Wann ist das Stemmeisen wieder scharf genug?

Nicht nur während des Einsatzes prüft man die Stemmeisenschneide auf Schärfe. Auch beim Abziehen des Eisens muss man sich entscheiden, wann es wieder ausreichend scharf ist. Dazu ist vor allem ein Schnitt ins Hirnholz (siehe Prüfmethode 2) geeignet. Für diesen Zweck sammle ich Weichholzabschnitte in einer Kiste. Solche Prüfhölzer brauche ich ständig, wenn ich mit Handwerkzeugen arbeite.

Weiterführende Artikel zum Thema Schärfen von Handwerkzeugen:

Warum ist scharfes Werkzeug für die Holzbearbeitung so wichtig?

Industriell hergestellte japanische Wassersteine: Vorteile und Funktion

Die Eigenschaften von Stahl bei Stemmeisen und Hobeleisen

Weiterführende Literatur

Ein gutes Buch zum Thema Schärfen ist das „Handbuch Schärfen“ von Ron Hock. Behandelt werden verschiedene Schärfmethoden. Ausführlich geht der Autor auch auf das Thema Stahl ein.

Wenn Sie das Buch kaufen wollen, können Sie über oben stehenden Link die Amazon Produktseite aufrufen und darüber den Kauf tätigen. Damit unterstützen Sie unseren Blog.

 

Schneidengeometrie bei europäischen Stemmeisen

In diesem Artikel erfahren Sie, was Schneidengeometrie bedeutet, und welchen Fasenwinkel Sie brauchen, um mit europäischen Stemmeisen in unterschiedlich hartem Holz zu arbeiten. Zudem erkläre ich, wie Sie den passenden Fasenwinkel anschleifen können.

Was ist Schneidengeometrie?

Der Begriff Schneidengeometrie bezieht sich auf die genaue Ausformung einer Werkzeugschneide. Bei der Schneidengeometrie von europäischen Stemmeisen geht es demnach um die Form einer Stemmeisenklinge, welche wie folgt aussieht:

Bezeichnungen Schneidengeometrie in Zeichnung
Stemmeisenklingen sind einseitig angeschliffen.

Stemmeisen sind einseitig angeschliffen. Das bedeutet, dass die Spiegelseite gerade bis zur Schneide durchgeht, während die Fase in einem passenden Winkel dazu angeschliffen ist. Ab Werk haben Stemmeisen meist einen Fasenwinkel von 25°.

Welchen Fasenwinkel soll man wählen?

Entscheidend für die Wahl des Fasenwinkels ist die Härte des Materials, welches man bearbeiten will. Wollen Sie Hartholz oder ein weicheres Holz mit vielen Ästen bearbeiten, sollte der Fasenwinkel eher 30° betragen. Durch den größeren Fasenwinkel ist die Schneide weniger empfindlich. So sparen Sie sich allzu häufiges Nachschärfen.

Bearbeiten Sie eher weicheres Holz, empfehle ich einen Fasenwinkel von 25°. Ein geringerer Fasenwinkel lässt die Schneide leichter ins Holz eindringen. Dies hat jedoch auch einen Nachteil: Die Schneide ist empfindlicher. Deswegen bricht sie schneller aus und muss häufiger nachgeschärft werden.

Es gilt also einen Kompromiss zu finden. Weicheres Material belastet die Schneide weniger. Der Fasenwinkel kann also kleiner ausfallen. Härteres Material belastet die Schneide mehr. Ein größerer Fasenwinkel wird notwendig. Die Schneide ist nicht so ausbruchsgefährdet, hat jedoch einen höheren Schnittwiderstand als die Schneide mit dem kleineren Fasenwinkel.

Faustregel: Je geringer der Fasenwinkel ist, desto empfindlicher ist die Schneide.

Stemmeisen anschleifen – Fasenwinkel korrigieren

In einem ersten Schritt messen Sie den aktuellen Fasenwinkel mit einer Winkellehre. Sehen Sie, dass er korrigiert werden muss, verwenden Sie am besten eine Schleifhilfe, um ihn ganz exakt neu anzuschleifen. Dies geschieht auf  dem 220er Wasserstein. Es ist ratsam einen groben Stein zu verwenden, weil das Umschleifen des Fasenwinkels sonst sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde.

Da ich schon viel Übung im Freihandschleifen habe, spare ich mir manchmal das Einspannen in die Schleifhilfe und ändere den Fasenwinkel frei Hand. Mir kommt es dabei auch nicht darauf an, ob es am Ende 24,5° oder 26° sind. Wichtig ist, dass es in etwa hinkommt und ich schnell mit dem passend angeschliffenen Winkel weiterarbeiten kann. Für weniger Geübte ist jedoch eine Schleifhilfe zu empfehlen. So lässt sich präzise der gewünschte Winkel anschleifen.

Winkellehre mit Stemmeisen Schneide
Mit einer Winkellehre für Werkzeugschneiden prüfe ich den Fasenwinkel.
Schärfhilfe und Stein auf Schleifstei-Halter
Für die präzise Korrektur des Fasenwinkels verwende ich eine Schärfführung.
Schärfführung im Einsatz auf einem Wasserstein
Mit beiden Fingern übe ich Druck auf die Schneide des Stemmeisens aus.

Einsatz von Schleifhilfen

Schleifhilfen helfen Ihnen, das Stemmeisen in einem voreingestellten Winkel über den Wasserstein zu führen. Eine Rolle definiert die Schleifhilfe zur Steinoberfläche. Diese sollte immer plan gehalten werden. Schleifhilfen bieten vor allem Einsteigern sofort präzise Ergebnisse und sind somit eine große Hilfe.

Weitere Artikel zur Vertiefung des Themas:

Fachliteratur Empfehlung:

In diesem Buch von Ron Hock erfahren Sie alles rund ums schärfen Ihrer Holzbearbeitungswerkzeuge.

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Europäische Stemmeisen – Grundwissen und Tipps für den Einstieg

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Vorzüge europäische Stemmeisen haben. Sie erfahren auch, wie diese Stemmeisen aufgebaut sind, und welche Unterschiede es bei der Klingenform und der Stemmeisen-Länge gibt. Je nach Länge und Klingenform sind diese jeweils für unterschiedliche Holzarbeiten besonders geeignet. Ich gebe Tipps für den Einstieg.

Vorzüge europäischer Stemmeisen

Europäische Stemmeisen sind robust. Das bedeutet, dass sie selbst bei der Bearbeitung härterer Materialien wie Harthölzern oder Leimresten wenig ausbruchsgefährdet sind. Das liegt daran, dass die Klingen europäischer  Stemmeisen aus Chrom Vanadium Stahl gefertigt sind. Dieser Stahl lässt sich zudem leicht schärfen.

Mehr Informationen zu Chrom Vanadium Stahl finden Sie im Artikel „Die Eigenschaften von Stahl bei Stemmeisen und Hobeleisen“

Aufbau von europäischen Stemmeisen

Ein europäisches Stemmeisen besteht grob betrachtet aus zwei Teilen: dem Griff und der Klinge. Der Griff ist dabei aus Hartholz, welches oben von einem Metallring zusammengehalten wird. Dieser verhindert ein Aufspalten des Holzes. Denn das obere Ende des Griffs muss die Schläge des Holzhammers auffangen.

Zur Klinge hin sitzt am Griff ein weiterer Metallring. Dieser verhindert, dass das Griffholz oberhalb der Klinge aufspaltet. Die Klinge ist bei europäischen Stemmeisen vorwiegend aus Chrom Vanadium Stahl hergestellt. Für unterschiedliche Anwendungen sind die Klingen passend ausgeformt.

europäisches Stemmeisen Einzelteile beschriftet

Spiegelseite eines westlichen Stemmeisens
Die Spiegelseite eines europäischen Stemmeisens.
europäisches Stemmeisen von der Seite
Der 4-6 mm starke Stahl der Klinge sorgt für hohe Stabilität. Die Klinge verjüngt sich in der Dicke vom Griff bis zum Hals.
Stemmeisengriff aus Buche
Der Stemmeisengriff wird aus Harthölzern wie Buche, Eiche oder Esche gefertigt. Zur Klinge hin wurde ein Bereich abgeflacht. So verhindert man, dass das Stemmeisen auf der Hobelbank wegrollt.

Klingenform

Wie bereits erwähnt, sind europäische Stemmeisen mit unterschiedlicher Klingenform erhältlich. Standard-Stemmeisen haben eine abgefaste Klinge. Das bedeutet, die Fase reicht nicht bis zur Spiegelseite herunter. Das macht diese Stemmeisen für grobe Arbeiten unempfindlicher als solche, bei denen die Seitenfase ganz bis zur Spiegelseite herunterreicht.

Bei letzteren handelt es sich um Stemmeisen, welche besonders zur Ausarbeitung von Massivholzverbindungen optimiert sind. Mit einer Seitenfase bis zur Spiegelseite lassen sich beispielsweise die Aussparungen bei Schwalbenschwanzverbindungen und Nuten besser nacharbeiten. Wollen Sie schwerpunktmäßig Holzverbindungen herstellen, empfehle ich Ihnen Stemmeisen mit einer Seitenfase bis zur Spiegelseite. Suchen Sie jedoch erst einmal ein vielseitig einsetzbares Allround-Stemmeisen sind Standard-Stemmeisen sinnvoller.

europäisches Standardstemmeisen
Die Fase dieses Stemmeisens reicht nicht bis zur Spiegelseite herunter.
Seitenfase bis zur Spiegelseite
Die Seitenfase dieses Stemmeisens reicht bis zur Spiegelseite herunter.

Kurze oder lange Eisen?

Traditionell  haben europäische Stemmeisen eine Länge von ca. 270 mm. Stemmeisen mit dieser Länge lassen sich gut in eine Schleifmaschine einspannen. Inzwischen sind aber auch europäische Stemmeisen in kurzer Bauform mit einer Gesamtlänge von ca. 210 mm erhältlich. Solche Stemmeisen lassen sich leichter führen, weil man mit der Hand näher am Material dran ist. Kurze Stemmeisen haben aber den Nachteil, dass sie sich in die gängigen Schleifmaschinen nicht mehr gut einspannen lassen. Alle Eisen, auch die Kurzen lassen sich jedoch gut auf japanischen Wassersteinen schärfen.

Lange und kurze Bauform
Lange und kurze Bauform beim europäischen Stemmeisen

Stemmeisen treiben – mit der Hand und mit dem Klüpfel

Es gibt zwei Arten, ein Stemmeisen im Holz zu bewegen. Bei feinen Arbeiten führt man das Stemmeisen mit der Hand. Ist mehr Kraft erforderlich, verwendet man einen Klüpfel. Das ist ein Holzhammer, dessen Kopf aus einem Hartholz gefertigt ist.

Einen Stahlhammer sollten Sie bei Stemmeisen europäischer Bauform nur ausnahmsweise verwenden. Dies würde sonst auf Dauer den Griff zerstören.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Ihre neuen Stemmeisen gut in der Hand liegen. Egal, ob Sie das Eisen mit dem Klüpfel treiben oder mit der Hand führen. Es kommt entscheidend darauf an, dass Sie das Eisen bequem und sicher halten können.

Klüpfel liegend
Soll mehr Kraft aufgewendet werden, treibt man das Stemmeisen mit dem Klüpfel.

Einsatzgebiete europäischer Stemmeisen

Klassische europäische Stemmeisen lassen sich sehr vielseitig einsetzen. Gut geschärft eignen sie sich hervorragend zur Herstellung von Holzverbindungen. Der robuste Chrom Vanadium Stahl hält aber auch bei gröberen Arbeiten gut durch. So lassen sich beispielsweise getrocknete Leimwülste entfernen, ohne dass die Klinge sofort ausbricht. Auch Bauschreinerarbeiten, bei denen schon einmal in eine Spanplatte gestemmt werden muss, lassen sich mit diesen Eisen problemlos  durchführen. Diese Vielseitigkeit macht europäische Stemmeisen zu einem guten Einsteigerwerkzeug.

Stemmeisen Einsteigersatz

Ich empfehle, sich einen Einsteigersatz eines Markenherstellers zu kaufen. Kaufen Sie bei einem  Werkzeughändler, bei dem auch Profis einkaufen. Solche Händler können es sich nicht leisten, schlechte Qualität zu verkaufen. Denn sie haben einen Ruf zu verlieren. Bei Baumärkten ist das schon anders. Hier läuft vieles eher über den Preis und weniger über die Qualität.

Handelsüblich sind Stemmeisensätze, welche aus 5 – 8 Stemmeisen bestehen. Meiner Erfahrung nach fehlen hier jedoch bestimmte Zwischengrößen, und auch ganz schmale Stemmeisen mit einer Klingenbreite von 2 und 4 Millimetern.

Mein Tipp ist: Kaufen Sie sich erst einmal einen Stemmeisensatz und arbeiten Sie damit. Wenn Sie zufrieden sind, kaufen Sie sich die noch fehlenden Stemmeisen von der gleichen Marke. Einen Satz europäische Standard-Stemmeisen bekommt man oft schon für unter 100,- €. Für japanische Stemmeisen muss man deutlich höhere Preise bezahlen.

Weitere Artikel zum Thema:

Fachliteratur Empfehlung:

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Schärfplatz für Wassersteine

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie einen gut funktionierenden Schärfplatz für Wassersteine aufbauen können. Dazu gehören der Schutz vor Feuchtigkeit und Schmutz, der Arbeitstisch, der Schleifstein-Halter und die Organisation von Ablageflächen.

Der Arbeitstisch

Als Basis für den Schleifstein-Halter dient ein stabiler Tisch. Das kann eine Hobelbank sein, ein Esstisch oder ein Schreibtisch.

Schutz vor Feuchtigkeit und Schmutz

Beim Schärfen auf Wassersteinen entsteht Schleifschlamm, und es tropft Wasser vom Stein. Arbeitet man auf einer Hobelbank oder gar auf einem Schreibtisch, sollte man daher diese Tische vor Feuchtigkeit schützen. Zu diesem Zweck lege ich eine Plastikplane in zwei Lagen darüber. Während des Schärfens wische ich Schleifschlamm und Wasser mit einem Lappen regelmäßig ab. So vermeide ich, dass verschmutztes Wasser auf den Boden tropft.

Hobelbank mit Vorder- und Hinterzange
Die Basis für meinen Schleifstein-Halter ist eine Hobelbank.
Plastikplane deckt eine Hobelbank ab
Ich nehme die Plastikplane doppelt, um die Hobelbank sicher vor Verschmutzung zu schützen.
Schleifstein-Halter mit zwei Schleifsteinen
In meiner Werkstatt habe ich einen größeren selbstgebauten Schleifstein-Halter. Dieser bietet mir genug Platz, um alle Steine, welche ich brauche auf dem Schleifstein-Halter abzulegen.

Der Schleifstein-Halter

Der Schleifstein-Halter fixiert den Schleifstein. Man klemmt den Schleifstein-Halter auf dem Arbeitstisch fest, so dass er nicht wegrutschen kann. So fängt man die Kräfte auf, welche beim Schleifen entstehen. Weder der Schleifstein-Halter noch der Schleifstein sollen sich während des Schleifens mitbewegen.

Da beim Schleifen Druck von oben auf den Stein ausgeübt wird, sollte der Schleifstein-Halter die Steine in der Mitte unterstützen. Auflagepunkte nur an den beiden Enden sind hingegen nicht ausreichend. Denn die Schleifsteine werden durch den Gebrauch immer dünner und würden irgendwann durchbrechen.

Im Handel werden Schleifstein-Halter mit rutschfesten Gummispannbacken angeboten. In der Mitte ist ein verschiebbarer Auflageblock angebracht, welcher ebenfalls aus rutschfestem Gummi besteht. Die Wassersteine lassen sich ohne Werkzeug einspannen und auch wieder lösen.

Schleifstein-Halter mit Gummispannbacken
Schleifstein-Halter mit Gummispannbacken

Die passende Arbeitshöhe

Die Oberfläche des Wassersteins sollte der Höhe Ihres Handknöchels entsprechen. Planen Sie die Höhe Ihres Schleifstein-Halters vom Höhenniveau Ihres Arbeitstisches aus.

Handknöchel neben Schleifstein-Halter
Mein Handknöchel befindet sich auf der Höhe der Schleifsteinoberfläche. Jetzt passt die Arbeitshöhe.

Befestigung am Arbeitstisch

Ähnlich wie bei einer Tischhobelbank verwende ich zur Befestigung des Schleifstein-Halters zwei Schraubzwingen.

Schleifstein-Halter befestigt an Hobelbank
Der Schleifstein-Halter ist mit zwei Schnellspannzwingen an der Hobelbank fixiert.

Ablageflächen

Um zügig arbeiten zu können, benötige ich Stellen, an denen ich Verschiedenes ablegen kann. Für diesen Zweck bereite ich eine weitere durch Plastikplanen geschützte Fläche vor. Dies kann ein Stuhl sein oder ein Rollcontainer. Dort platziere ich einen Wassereimer. Über diesem Eimer plane ich die feinen Wassersteine am 220er Schruppstein.

Das zu schärfende Werkzeug lagere ich etwas abseits, so dass es keine Wasserspritzer abbekommt. Den Abrichtblock für die Wassersteine benutze ich bei Bedarf auf dem Arbeitstisch auf der Plastikplane. Auch einige Lappen liegen bereit. Nasse Lappen lagere ich in einem Plastikgefäß.

Die beiden Kombisteine, welche ich hauptsächlich benutze, lagere ich neben dem Schleifstein-Halter. Auch hinter dem Schleifstein-Halter stehen zwei Plastikgefäße mit Wasser. Mit diesem Wasser befeuchte ich die Wassersteine und wasche den Schleifschlamm von den Werkzeugen ab.

Tipp: Arbeiten Sie systematisch! Stumpfes Werkzeug legen Sie möglichst separiert von den bereits geschärften Werkzeugen. Schützen Sie vor allem das geschärfte Werkzeug vor Feuchtigkeit, um Rostflecken zu vermeiden.

Plastikeimer zwei Wassersteine abgerichtet
Über dem Plastikeimer plane ich meine Wassersteine.
Abrichtblock Wassersteine auf dem Schärfplatz
Meine Hobelbank bietet ausreichend Fläche, um den Abrichtblock für die Wassersteine aufzustellen.
Stemmeisen in zwei Boxen
Bereits geschärftes Werkzeug lege ich gesondert ab, damit ich es nicht mit dem stumpfen Werkzeug verwechsle.
feuchte Lappen in einer Kunststoffbox
Ich halte immer ausreichend feuchte Lappen bereit, um den Schleifschlamm wegzuwischen.

Werkzeugklingen gegen Rost schützen

Nach dem Schärfen behandle ich die Werkzeugklingen mit säurefreiem Karmelienöl, da das Öl die Klingen vor Korrosion schützt.

Ich trenne die Arbeit mit Öl von dem Bereich, in dem ich mit Wassersteinen arbeite. Dies tue ich, um die Wassersteine zu schützen, denn wenn Öl auf die Wassersteine gerät, werden diese in ihrer Funktion beeinträchtigt. Auf einem Arbeitsbrett breite ich ein Tuch  aus, welches heruntertropfendes Öl auffängt. Mit einem weiteren Tuch verteile ich das Öl auf den Klingen.

Stemmeisen liegen zum ölen bereit
Ich behandle die fertig geschärften Werkzeuge mit säurefreiem Karmelienöl.

Ein gut durchdachter Schärfarbeitsplatz ist eine wichtige Voraussetzung für die Holzbearbeitung mit Handwerkzeugen.

Weitere Artikel zum Thema Werkzeuge schärfen auf Wassersteinen finden sie hier:

Eine Übersicht aller Beiträge zum Thema „Handwerkzeuge“ finden Sie hier.

Fachbücher zum Thema

Fachliteratur zum Thema Holzbearbeitung finden Sie auf unserer Bücherseite.

Zum Thema Schärfplatz für Wassersteine bietet das „Handbuch Schärfen“ von Ron Hock viel erstklassiges Wissen. Darüber hinaus behandelt das Buch viele Schärfmethoden zu ganz unterschiedlichen Werkzeugen.

 

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Die Eigenschaften von Stahl bei Stemmeisen und Hobeleisen

Für die Holzbearbeitung mit Stemm- und Hobeleisen braucht der Stahl ganz bestimmte Eigenschaften. Neben einer allgemeinen guten Qualität des Stahls sollten die Stahleigenschaften auch zu den jeweiligen Aufgaben des Werkzeugs passen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Eigenschaften Stahl bei Stemmeisen und Hobeleisen erfüllen müssen. Ich gehe dabei auch auf die Stahl-Unterschiede ein, die es zwischen japanischen und europäischen Stemm- und Hobeleisen gibt.

europäisches Stemmeisen mit Eschenholzgriff
Gutes Werkzeug ist durch seine Stahleigenschaften perfekt auf den Anwendungszweck abgestimmt.

Anforderungen an den Stahl beim Bearbeiten von Holz mit Handwerkzeugen

Stemmeisen und Hobeleisen müssen sehr unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Um Holzfasern sauber abschneiden zu können, benötigt man scharfe Schneiden. Diese Schärfe sollten sie dann auch möglichst lange behalten. Gleichzeitig sollen sie stark sein, damit sie Hammerschläge aushalten. Und der Stahl soll zäh sein, damit es nicht zu Ausbrüchen kommt oder das Klingenmaterial bricht.

Äste und Hartholz fordern die Schneiden besonders. Hartholz erfordert vom Schneidenstahl Härte und Zähigkeit. Ein zu weicher Schneidenstahl würde einen Grat ausbilden und schnell stumpf werden.

Japanische Stemmeisen haben einen sehr harten Kohlenstoffstahl, während europäische Stemmeisen häufig aus Chrom-Vanadium-Stahl gefertigt sind. Beide haben Vor- und Nachteile. So gibt es nicht den einen optimalen Stahl, sondern es wird ein Kompromiss gesucht.

Holzhammer europäisches Stemmeisen
Der Stahl von Stemmeisen muss stark genug sein, um die Schlagenergie des Holzhammers bis zur Schneide weiterzuleiten.
Japanhammer schlägt japanisches Stemmeisen
Japanische Stemmeisen leiten die Schlagenergie des japanischen Hammers bis zur Schneide weiter.

Zähigkeit und Sprödigkeit

Zähigkeit ist die Fähigkeit eines Materials, viel Verformungsenergie aufzunehmen ohne zu brechen. Arbeitet man beispielsweise schabend mit einer Werkzeugschneide, kommt es bei besonders zähem Stahl erst bei sehr hoher Belastung zu Ausbrüchen in der Klinge.

Das Gegenteil von  Zähigkeit ist Sprödigkeit. Hier kommt es bereits bei Einwirkung von relativ geringer Verformungsenergie zu Rissen oder Ausbrüchen. Japanische Stemmeisen haben einen sehr harten Kohlenstoffstahl. Dieser hat den Nachteil, spröde zu sein. Man verwendet diesen Stahl aber trotzdem, weil Schneiden aus Kohlenstoffstahl lange scharf bleiben, ohne dass man nachschärfen muss.

Eine höhere Zähigkeit weisen westliche Stemmeisen auf. Sie sind häufig aus Chrom-Vanadium-Stahl gefertigt. Neben dem Kohlenstoff sind in diesem Stahl Chrom und Vanadium als Legierungselemente enthalten. Chrom-Vanadium-Stahl ist deutlich zäher als reiner Kohlenstoffstahl.

Fase eines europäischen Stemmeisens
Stemmeisenklingen westlicher Bauform sind meist aus Chrom-Vanadium-Stahl gefertigt.

Lange Standzeit

Man spricht von einer langen Standzeit bei einer Werkzeugschneide, wenn sie eine lange Zeit gebraucht werden kann ohne stumpf zu werden. Wichtig ist hier die Härte des Stahls. Sie wirkt mechanischem Abrieb entgegen. Die Härte des Stahls wird in Rockwell angegeben. Die Schneidlage eines japanischen Stemmeisens hat beispielsweise die Härte von 62-63 Rockwell (HRC). Aber auch westliche Stemmeisenklingen sind aus hartem Stahl gefertigt. Die Härte bei diesen Eisen liegt zwischen 60 und 62 Rockwell (HRC).

Eine lange Standzeit hat beispielsweise Kohlenstoffstahl, aus dem die Schneiden von japanischen Stemm- und Hobeleisen gefertigt sind. Ihre Stärken sind ihre große Schärfe und ihre lange Standzeit. Ihre Schwäche ist, dass ihr Schneidenstahl spröde ist. So ist davon abzuraten, mit japanischen Stemmeisen schabend zu arbeiten. Sonst entstehen Grate und Ausbrüche. Der spröde Kohlenstoffstahl wird jedoch nur für die dünne Schneidenschicht benutzt. Die wesentlich dickere Trägerschicht besteht aus weicherem Stahl und sorgt für die nötige Stärke der Klinge.

Bei europäischen Stemm- und Hobeleisen fügt man dem Stahl neben Kohlenstoff auch Chrom, Vanadium und auch andere Elemente bei. Dies sind Legierungselemente. Man bezeichnet den Stahl dann als legierten Werkzeugstahl. Dieser verlängert die Standzeit der Werkzeugschneiden erheblich. Zudem sind legierte Werkzeugstähle weniger rostanfällig als reiner Kohlenstoffstahl.

Japanisches Stemmeisen Spiegelseite
Mit japanischen Stemmeisen sollte man nicht schabend arbeiten, damit keine Grate oder Ausbrüche entstehen.

Stärke der Klinge

Der Klingenstahl von Stemm- und Hobeleisen sollte nicht nur eine scharfe Schneide ermöglichen, er sollte auch stark sein. Stemmeisen beispielsweise müssen Hammerschläge aushalten und die Schlagenergie bis zur Schneide weiterleiten. Diese Belastung sollte der Stahl aushalten.

Bei japanischen Stemmeisen wird besonders gut sichtbar, wie man den Klingenstahl an die Doppelanforderung einer langen Standzeit und der Stärke der Klinge angepasst hat. Es gibt zwei Schichten: Eine dicke, eher elastische, den Hammerschlag dämpfende Schicht. Und eine dünne Schicht, welche eine sehr scharfe Schneide mit langer Standzeit ermöglicht. Der Trägerstahl hat also andere Eigenschaften als der Schneidenstahl.

Hier zeigt sich, dass bei der Fertigung von Werkzeugen sehr unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig erfüllt werden müssen. So gibt es nicht den einen optimalen Stahl, sondern es wird ein Kompromiss gesucht. Auch Hobeleisen benötigen einen Stahl, der stark ist, denn sie müssen auch Hammerschläge aushalten, wenn sie eingestellt werden. Eine Ausnahme bilden hier die Stahlhobel, deren Eisen mittels Einstellräder justiert werden.

Japanisches Hobeleisen harter und weicher Stahl
Wenn man genau hinsieht, erkennt man beim japanischen Hobeleisen die beiden unterschiedlichen Stähle, welche verarbeitet wurden.
Europäischer Hobel Hammer Einstellung
Europäische Hobeleisen werden im Hobelkörper verkeilt. Die Feineinstellung erfolgt durch leichte Hammerschläge.

Feines Gefüge

Japanischer Kohlenstoffstahl ermöglicht ein sehr feines Gefüge, welches ihm sehr gute Eigenschaften für die Holzbearbeitung verleiht. Voraussetzung dafür ist eine fachgerechte Wärmebehandlung. Mit Wärmebehandlung ist eine Abfolge von Arbeitsgängen gemeint, bei der man den Stahl immer wieder erhitzt und dann wieder abkühlt.

Für den Laien ist von außen nicht erkennbar, ob der Stahl sorgfältig gehärtet wurde. Darum ist es wichtig, bei einem vertrauenswürdigen Händler einzukaufen. Japanischer Kohlenstoffstahl wird von der Industrie unter der Bezeichnung „Blauer Papierstahl“ oder „Weißer Papierstahl“ gehandelt. Diese Bezeichnungen werden manchmal in Werkzeugkatalogen erwähnt. Sie beziehen sich auf die Farbe des Verpackungspapiers. Es handelt sich in beiden Fällen um einen niedrig legierten japanischen Kohlenstoffstahl.

Japanischer Hobel mit Eisen und Klappe
Japanische Hobeleisen sind bekannt für ihre überragende Schärfe. Die Schneide besteht aus Kohlenstoffstahl.
In japanischen Stemm- und Hobeleisen und auch in mancher europäischen Werkzeugklinge befindet sich der Stempel des Herstellers oder des Schmiedes.

Das richtige Werkzeug für den Einstieg

Was ist nun zu bevorzugen? Japanische Stemm- und Hobeleisen mit ihren sehr feinen und harten Schneiden oder robuste europäische Stemm- und Hobeleisen? Für den Einstieg rate ich eher zu europäischen Stemm- und Hobeleisen. Sie lassen sich leichter in Betrieb nehmen, und der Stahl „verzeiht“ es eher einmal, wenn man Fehler macht. Zudem gibt es auch in Europa sehr gute Hersteller von Stemm- und Hobeleisen.

Hat man dann die ersten Schritte mit dem europäischen Werkzeug gemacht, kann man auch in die Welt der japanischen Stemm- und Hobeleisen einsteigen. Benutzen wird man wohl immer Werkzeug aus beiden Welten, der europäischen und der japanischen. Hier entwickelt jeder Holzbearbeiter seine ganz persönlichen Vorlieben.

Guter Stahl ist immer ein Kompromiss

Die Kunst bei der Herstellung von gutem Werkzeugstahl ist, diesen optimal auf den Anwendungszweck des Werkzeugs abzustimmen. Dies erfordert lange Entwicklungszeiten und einen hohen Qualitätsanspruch bei der Entwicklung und Fertigung. Die Erkenntnis ist: Es gibt nicht den einen perfekten Stahl, sondern es gibt nur den zur Anwendung passenden Stahl.

Weiterführende Artikel zum Thema Handwerkzeuge:

Fachliteratur auf unserer Bücherseite:

Neben Tipps zum Schärfen findet man in diesem Buch von Ron Hock eine gründliche Materialkunde zum Werkstoff Stahl.

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Richtige Lagerung von japanischen Wassersteinen

In diesem Artikel erfahren Sie, wie man japanische Wassersteine richtig lagert.

Grundsätzlich gibt es zwei verschieden Arten der Lagerung: Zum einen permanent im Wasser und zum anderen trocken. Manche japanischen Wassersteine lassen sich jedoch nicht dauerhaft im Wasser lagern. Sie würden dabei Schaden nehmen. Achten Sie darum auf die Gebrauchsanweisung des Herstellers.

Meine eigenen Wassersteine vertragen eine dauerhafte Wasserlagerung. Ich lasse sie nie völlig austrocknen. Dies hat den Vorteil, dass sich kein Kalk im Stein einlagern kann. Lässt man die Steine nach jedem Gebrauch wieder austrocknen, bleibt der im Wasser enthaltene Kalk im Stein zurück. So sammelt sich immer mehr Kalk im Stein an, und dieser würde dann auf die Dauer in seiner Funktion beeinträchtigt.

Japanischer Wasserstein im Wasser Luftblasen
Sind Wassersteine ausgetrocknet, saugen sie sich voll Wasser, wenn man sie ins Wasser legt.

Wassersteine dauerhaft im Wasser lagern

Wenn Sie ihre Steine dauerhaft im Wasser lagern, sollten Sie darauf achten sie vor Lichteinfall zu schützen, da sich sonst Algen bilden. Achten Sie darauf, dass Ihre Lagergefäße nicht austrocknen. Lagern Sie Ihre japanischen Wassersteine auch nie bei Temperaturen unter null Grad. Die Steine würden durch die Eisbildung aufplatzen und unbrauchbar werden.

Ich empfehle Ihnen, für die Aufbewahrung Ihrer Wassersteine eine Kunststoffbox mit Deckel zu verwenden. Der Deckel verhindert das Verdunsten des Wassers und schützt Ihre Steine vor eindringendem Schmutz.

Wassersteine trocken lagern

Will man seine japanischen Wassersteine nach Gebrauch wieder austrocknen lassen, sollte man beim Schärfen destilliertes Wasser verwenden. Auch Regenwasser enthält keinen Kalk und kann verwendet werden. Vor dem Schärfen sollten Sie ihre Steine ca. 10 Minuten lang Wasser saugen lassen. Dann sind sie einsatzbereit. Bei feinen Abziehsteinen reicht auch ein Wässern von ca. 5 Minuten.

Für das trockene Lagern der japanischen Wassersteine empfehle ich Boxen, die sich staubdicht verschließen lassen.

 

Wasserstein in Wassergefäß
Vor dem Schärfen sollte sich der Stein voll Wasser saugen.
Wasserstein mit Ausbrüchen
Wassersteine sind bruchempfindlich.

Wassersteine sind bruchempfindlich

Vermeiden Sie ein Gegeneinanderstoßen von Wassersteinen. Die spröden Steine könnten ausbrechen. Wenn ich meine Steine transportiere, trenne ich sie mit einer Leiste. Wassersteine sollten auf keinen Fall auf den Boden fallen.

Weiterführende Artikel zum Thema Schärfen von Holzbearbeitungswerkzeugen auf diesem Blog:

Weiterführende Literatur:

Ein gutes Buch zum Thema Schärfen ist das „Handbuch Schärfen“ von Ron Hock. Behandelt werden verschiedene Schärfmethoden. Der Inhalt geht weit über das Themenfeld „Japanische Wassersteine“ hinaus.

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