Einen europäischen Holzhobel einstellen

In diesem Artikel erfahren Sie, wie man einen europäischen Holzhobel einstellt.

Zunächst erkläre ich Ihnen, wie Sie das Hobeleisen (Hobelmesser) sicher aus dem Hobelkörper entnehmen und wieder einsetzen. Dies ist eine wichtige Grundfähigkeit, um dann den europäischen Holzhobel einstellen zu können. Auch wenn Sie beispielsweise die Schneide des Hobelmessers inspizieren wollen oder schauen wollen, ob das Eisen Scharten hat oder ob es stumpf ist, müssen Sie dazu das Hobeleisen herausnehmen.

Zum besseren Verständnis der folgenden Anleitung sind in diesem Bild die Einzelteile eines europäischen Holzhobels beschriftet.

Hobel beschriftet

Das Hobeleisen / Hobelmesser aus dem Hobelkörper herausnehmen

Um das Hobeleisen aus dem Hobelkörper herauszunehmen, schlagen Sie mit einem Hammer  mehrmals auf den Schlagknopf. So versetzen Sie dem Hobel einen Ruck. Alleine durch die Trägheit seines Eigengewichtes rutscht das Hobeleisen zurück. Sowohl der Keil als auch das Hobeleisen selbst lockern sich im Hobelkörper. Je lockerer das Eisen sitzt, desto tiefer werden die Schlaggeräusche. Wenn Sie also hören, dass die Tonlage tiefer wird, wissen Sie auch, dass sich das Eisen gelockert hat. Versuchen Sie dann, den Keil seitlich hin und her zu bewegen. Gelingt das noch nicht, machen Sie noch ein paar weitere Hammerschläge.

 

Japan Hammer Schlagknopf
Hammerschläge auf den Schlagknopf lockern den Keil und das Hobeleisen.

Ist der Keil erst einmal so locker, dass er sich bewegen lässt, drehen Sie den Hobel auf die Seite. Nun bewegen Sie den Keil noch ein paar Mal hin und her, bis sich das Hobeleisen mitsamt dem Keil aus dem Hobelkörper entnehmen lässt. Die Vorgehensweise mit dem seitlichen Druck auf den Keil funktioniert jedoch nur, wenn dieser vorne seitlich abgeschrägt ist und auch ausreichend seitliches Spiel im Hobelkörper hat.

am Keil wackeln
Seitlich auf den Keil Druck ausüben und diesen hin und her bewegen bis das Hobeleisen so locker ist, dass es sich herausnehmen lässt.
Hobel Keil abgeschrägt
Der Keil ist vorne abgeschrägt. Dies ist eine Voraussetzung dafür, dass man ihn durch seitliches hin und her bewegen lockern kann. Auch zum oberen Rand des Hobelkörpers hin ist er schmaler, während er in der Mitte des Hobelkörpers eine breitere Stelle aufweist. Diese Form erleichtert das locker Wackeln des Keils mit der Hand.

Das Hobeleisen wieder einsetzen

Nachdem man das Hobeleisen inspiziert und bei Bedarf geschärft hat, setzt man es wieder in den Hobelkörper ein. Beim Einsetzen sollten Sie darauf achten den Hobel mit den Öffnungen horizontal zu halten, um das Hobeleisen kontrolliert in die gewünschte Position schieben zu können. Erst wenn Sie es dort verkeilt haben, können Sie den Hobel wieder aufrichten.

Keil Holz Hobel
Diese Unterseite des Keils ist nicht lackiert.
Keil liegt auf Hobeleisen
Die nicht lackierte Seite des Keils liegt auf dem Hobelmesser auf.
Keil ist vorne abgeschrägt
Vorne ist der Keil abgeschrägt. So wird sichergestellt, dass sich die Hobelspäne nicht vorne am Keil stauen können. Die Schräge weist also immer vom Hobeleisen weg.
Doppel und Hobeleisen
Das „Doppel“ ist mit dem Hobeleisen verschraubt.
Schraubenkopf und Hobeleisen
Kopf der Schraube, welche das Doppel hält.
Aussparung in Hobelkörper
Für die Schraube, welche das Doppel hält, ist eine Aussparung in den Hobelkörper gefräst.
Hobeleisen in Holz Hobel
Ich schiebe das Hobeleisen in den Hobelkörper. Der große Schraubenkopf verschwindet ganz in der dafür vorgesehenen Aussparung. Die Seite des Hobels weist zum Boden.
Keil einschieben in Holz Hobel
Ich schiebe den Keil über das Hobeleisen.
Sohle von Holz Hobel
Ich betrachte den Hobel von der Seite des Hobelmauls und schiebe das Hobelmesser bis zum Hobelmaul vor. Die Schneide steht knapp hinter dem Hobelmaul zurück oder auch geringfügig vor. Ich halte den Hobel immer noch auf die Seite gekippt, damit das Hobelmesser nicht nach unten rutscht und klopfe den Keil fest. Das Hobeleisen ist nun rutschfest fixiert und kann nun feinjustiert werden.

Den Schneidenüberstand einstellen

Beim Hobeln von Holz findet eine kontrollierte Spanabnahme statt. Wie dick der Holzspan wird, hängt vom Überstand der Schneide über die Hobelsohle ab. Dieser Schneidenüberstand sollte während des Hobelns konstant bleiben. Darum lässt sich das Hobelmesser im Hobelkasten fest verkeilen. Vor dem Hobeln stellt man den Schneidenüberstand mit einem Hammer genau ein.

Der Hammer

Zum Einstellen des Hobels verwende ich entweder einen japanischen Hammer oder einen Schlosserhammer. Beim japanischen Hammer ist es wichtig, dass die ballige Seite zum Einsatz kommt. So ist es weniger wahrscheinlich, dass man das Hobeleisen oder den Schlagknopf mit einer scharfen Kante trifft. Das verringert den Verschleiß der Eisenteile des Hobels.

Den Schneidenüberstand mit bloßem Auge erkennen

Man prüft optisch den Schneidenüberstand, indem man einen Blick über die Hobelsohle auf die Schneide wirft. Dies nennt man im Handwerk auch „fluchten“. Dies geschieht von vorne. Also von der Seite, wo das Hörnchen sitzt. Zeichnet sich der Überstand der Schneide als feiner schwarzer Strich ab, könnte die Einstellung schon stimmen. Ist der schwarze Strich jedoch zu dick oder unregelmäßig breit, sollte man das Eisen justieren. Ebenfalls korrigieren sollte man, wenn das Hobelmesser gar nicht zu sehen ist. Dann steht es nämlich tiefer als die Hobelsohle.

Blick über die Hobelsohle
Oft reicht es aus, einen Blick über die Hobelsohle auf die Schneide zu werfen, um zu sehen wo noch korrigiert werden muss.

Das Hobelmesser einstellen

Stellen Sie optisch keinen Korrekturbedarf mehr fest, probieren Sie den Hobel an einem Test Holz aus. Dieses Test Holz sollte eine Dicke von 15 – 20 mm haben. Am gehobelten Span erkennen Sie, ob die Einstellung der Dicke schon stimmt. Ist der Holzspan zu dick oder zu dünn,  oder ist der Span auf der einen Seite dicker als auf der anderen Seite, sollten Sie die Einstellung korrigieren.

Das Eisen steht zu weit über die Hobelsohle hinaus – der Span ist zu dick

Steht das Hobeleisen zu weit über die Hobelsohle hinaus, wird der gehobelte Span zu dick. Sie korrigieren das durch Schläge auf den Schlagknopf. Hierbei macht man sich das Gesetz der Trägheit der Masse zu nutze. Allein durch sein Eigengewicht rutscht dann das Hobeleisen zurück. Wenn die Einstellung stimmt, klopft man den Keil fest. Das Hobelmesser ist nun im Hobelkasten fixiert. Auch während des Einstellvorgangs gibt man dem Keil manchmal leichte Hammerschläge. Wenn man das nicht tut, kann es sein, dass das Eisen sich komplett lockert.

Faustregel: Nach jeder Einstellung sollten ein oder mehrere Schläge auf den Keil sicherstellen, dass er fest sitzt.

Hobeleisen Hobelsohle
Das Eisen steht zu weit aus dem Hobelmaul heraus.
Japan Hammer Schlagknopf
Hammerschläge auf den Schlagknopf bewirken, dass das Eisen durch Trägheit der Masse im Hobelkörper zurückrutscht.
Hammer Keil Holz Hobel
Bevor man den Hobel testet, sollte man durch ein zwei Schläge auf den Keil sicherstellen, dass das Hobeleisen fest sitzt.
Europäischer Holz Hobel Span
Um die Dicke zu testen hoble ich über eine Leiste von 15 – 25 mm Breite. Vor allem, wenn es um sehr geringe Spandicken geht, lässt sich mit einer Sichtprüfung des Schneidenüberstands nichts mehr erreichen. Ein feiner Hobelspan jedoch zeigt mir sofort, ob die Einstellung nun passt.

Mittels Sichtprüfung schaue ich, ob der Schneidenüberstand sich verringert hat. Ist letzteres der Fall, prüfe ich an einer Test Leiste ob die Spandicke nun passt.

Die Schneide steht nicht weit genug über die Holbelsohle hinaus – der Span ist zu dünn

Steht die Schneide nicht weit genug über die Hobelsohle hinaus, erhält man einen zu dünnen Span. Steht sie hinter der Hobelsohle zurück, schneidet sie gar nicht. In diesem Fall klopft man das Hobeleisen weiter heraus. Dies geschieht mit wohl dosierten Hammerschlägen auf den geraden Bereich des oberen Endes des Hobeleisens. Immer wieder prüft man durch Sichtprüfung und Probehobeln, ob die gewünschte Hobelspandicke bereits erreicht ist.

Japanhammer Hobeleisen
Hammerschläge auf den geraden Bereich des Hobeleisens treiben dieses weiter aus dem Hobelkörper heraus.

Die Schneide des Hobelmessers ist nicht parallel zur Hobelsohle – der Span ist auf einer Seite dicker als auf der anderen Seite

Ist der Span auf der rechten Seite dicker als auf der linken (oder umgekehrt), steht das Hobelmesser auf der einen Seite des Hobelmauls weiter über die Hobelsohle hinaus als auf der anderen. Um dies zu korrigieren schlage ich auf die linke Abschrägung am Ende des Hobeleisens, wenn ich auf der rechten Seite der Hobelmesserschneide eine größere Schnitttiefe erreichen will. Auf die rechte Abschrägung schlage ich, wenn ich links eine größere Schnitttiefe erreichen will. Und natürlich schlage ich nach jeder Korrektur des Hobeleisens auch auf den Keil.

Tipp: Spannen Sie ein Test Holz von 15 – 20 mm Dicke in Ihre Hobelbank und hobeln Sie zuerst einen Span mit der linken Seite der Schneide und dann einen Span mit rechten Seite der Schneide. Prüfen Sie nun, ob die beiden Holzspäne gleich dick sind. So erkennen Sie auch geringfügige Abweichungen in der Parallelität zwischen Schneide und der Hobelsohle.

Japanhammer Schräge Hobeleisen
Um die Schneide des Hobeleisens parallel zur Hobelsohle auszurichten, schlägt man entweder auf die rechte oder linke Abschrägung am oberen Ende des Hobeleisens.

Das nötige Gefühl entwickeln

Beim Justieren eines europäischen Hand Hobels ist Gefühl nötig. Erst langsam bekommt man den Dreh raus. Mit der Zeit lernt man, wie stark man auf das Eisen schlagen muss, dass es sich so bewegt, wie man es möchte. Oder wie stark man auf den Keil schlagen muss, dass das Eisen fest genug sitzt. Gönnen Sie sich diesen Lernprozess.

Weiterführende Artikel zum Thema „Einen europäischen Holzhobel einstellen“

 

Hobeln von Holz mit einem Hand Hobel

In diesem Artikel erhalten Sie erste Informationen darüber, was beim Hobeln von Holz mit einem Hand Hobel passiert und wie man diesen führt.

Beim Hobeln von Holz mit einem Hand Hobel findet eine kontrollierte Spanabnahme statt. Wie dick der Span wird, hängt vom Überstand der Schneide über die Hobelsohle ab. Dieser Schneidenüberstand sollte konstant bleiben. Darum lässt sich das Hobelmesser im Hobelkasten fest verkeilen.

Vor dem Hobeln stellt man den Schneidenüberstand mit einem Schreinerhammer genau ein. Dies geschieht durch fein dosierte Schläge auf den Schlagknopf, auf das Hobelmesser und den Keil. Stimmt die Einstellung, klopft man den Keil fest. Das Hobelmesser ist nun im Hobelkasten fixiert.

Hobel coloriert beschriftet
Der Überstand der Schneide über die Hobelsohle bestimmt die Spandicke. In der Abbildung ist dieser Abstand übertrieben dargestellt. Meist sind die Hobelspäne deutlich dünner als 0,5 mm.
Spanabnahme bei einem Hand Hobel
Die Schneide des Hobelmessers schneidet den Span von der Holzoberfläche. Der Hobelspan tritt nach oben aus. Über der Schneide wird der Hobelspan stark gebogen. Dabei entstehen feine Risse.
Hammer und Hand Hobel
Mit dosierten Hammerschlägen auf Eisen (Hobelmesser), Keil und Schlagknopf lässt sich der Hand Hobel einstellen.
Schlagknopf eines Hand Hobels
Der Schlagknopf nimmt die Schlagenergie des Hammers auf und gibt sie kontrolliert an den Hobelkörper ab. So wird der Hobelkörper geschont.
Keil und Hobeleisen
Der Keil fixiert das Hobeleisen im Hobelkörper.
Keilwiderlager im Hand Hobel
Das Keilwiderlager nimmt den Druck des Keils auf, welcher das Hobelmesser hält.

Hobeln auf Schub oder auf Zug

Beim Hobeln bewegt man den Hobel über die Holzoberfläche und trägt den Span ab. Mit europäischen Hobeln arbeitet man dabei auf Schub. In der japanischen Hobeltradition hingegen arbeitet man auf Zug. Das heißt, der japanische Schreiner zieht den Hobel hinter sich her oder auf seinen Körper zu, während der europäische Schreiner den Hobel vor sich her schiebt. In der Hobelbewegung stößt man den Hobel vom Körper weg. Im westlichen Arbeitsstil spricht man auch vom Arbeiten auf Stoß.

Hobeln einer Leiste
Mit einem europäischen Putzhobel hobelt man vom Körper weg.
Japanischer Hobel im Gebrauch
Den japanischen Hobel zieht man über das Holz auf seinen Körper zu.

Den Hobel halten und führen

Man hält den Hobel mit beiden Händen, einmal vorne am Hörnchen und einmal hinten am Handschoner. Beim Reinhobeln in die Fläche übt man dabei nur am Hörnchen Druck aus. Hobelt man in der Fläche, übt man sowohl am Hörnchen als auch am Handschoner Druck aus. Beim Raushobeln aus der Fläche übt man dann nur noch am Handschoner Druck aus. Ziel ist, weder die vordere noch die hintere Kante stärker abzuhobeln als die dazwischenliegende Fläche. Die Spanabnahme sollte möglichst überall gleich stark sein.

Handschutz beim Holz Hobel
Am Handschoner (auch: Handschutz) hält man den Hobel mit der Hand, welche den Hobel schiebt.
Hörnchen von Holz Hobel
Am Hörnchen hält man den Hobel mit der Hand, welche den Hobel führt.
Holz Hobel auf Leiste
Beim Reinhobeln in eine Fläche oder Kante drückt man nur vorne auf den Hobel Druck aus, also im Bereich des Hörnchens.
Holz Hobel mitten auf Leiste
Hobelt man in der Fläche, übt man gleichmäßig vorne und hinten Druck auf den Hobel aus.
Holz Hobel Druck hinten
Beim Raushobeln aus einer Fläche oder Kante übt man nur noch hinten im Bereich des Handschoners Druck auf den Hobel aus.

Der ziehende Schnitt

Das Hobelmesser soll beim Reinhobeln in eine Fläche die Werkstückkante nicht sofort in seiner ganzen Breite treffen, denn das würde einen Ruck auslösen. Die Hobelbewegung wäre weniger fließend, was das Arbeitsergebnis beeinträchtigen würde. Um den Ruck zu vermeiden hält man den Hobel schräg zur Vorschubrichtung. So trifft das Hobelmesser immer nur an einer Stelle auf die Werkstückkante. Man nennt diese Technik „ziehender Schnitt“.

Auch in der Fläche kann man im ziehenden Schnitt weiterhobeln. In der Fläche werden so weniger Holzfasern auf einmal gehobelt. Man muss weniger Kraft aufwenden und die Sauberkeit des Schnitts wird erhöht.

Hobelschneide schräg
Trifft die Holzkante beim Reinhobeln schräg auf die Schneide, kommt es nicht zu einem plötzlich Ruck, welcher zu Ungenauigkeiten führen würde. Man spricht auch von einem ziehenden Schnitt.
Hobelschneide parallel
Trifft die Holzkante an jeder Stelle gleichzeitig auf die Hobelschneide, kommt es zu einem Ruck.
Holz Hobel schräg auf Leiste
Um einen ziehenden Schnitt zu erreichen, führt man den Hobel schräg zur Vorschubrichtung.

Verschiedene Hobeltraditionen

In diesem Artikel habe ich hauptsächlich einen europäischen Hobel gezeigt und einmal einen japanischen Hobel. Neben diesen beiden Hobeltraditionen gibt es noch die amerikanischen Metallhobel. In den auf diesem Blog geplanten Artikeln über das Hobeln konzentriere ich mich auf die europäische Hobeltradition.

Weiterführende Artikel auf diesem Blog

Um gut zu hobeln ist es wichtig, das Hobeleisen immer scharf zu halten. Zum Thema Werkzeuge schärfen sind auf diesem Blog bereits einige Artikel veröffentlicht, von denen ich hier eine Auswahl verlinke:

 

 

 

Grundausstattung Handwerkzeuge für die Bearbeitung von Holz

Wenn Sie in die Handbearbeitung von Holz einsteigen wollen, fragen Sie sich vielleicht, welche Handwerkzeuge Sie dafür benötigen. Welche Werkzeuge für den Einstieg sinnvoll oder notwendig sind. Damit Sie sich als Einsteiger in die Holzbearbeitung einen Überblick verschaffen können, habe ich Ihnen eine Checkliste zusammengestellt. Diese zeigt eine Grundausstattung von Handwerkzeugen für die Bearbeitung von Holz.

Mit den aufgeführten Werkzeugen lassen sich klassische Massivholzverbindungen wie Schlitz und Zapfen und Schwalbenschwanzverbindungen herstellen. So wird es Ihnen möglich, einfache Massivholzmöbel oder Bilderrahmen zu bauen.

Die Abmessungen der Werkzeuge sind circa Angaben und variieren von Hersteller zu Hersteller etwas.

Winkel Zange und mehr
Werkzeuge sollten in erster Linie funktionieren, aber sie dürfen auch schön sein.

Handwerkzeuge für die Erstausstattung – die Checkliste

Folgende Werkzeuge empfehle ich für den Anfang:

Anreißwerkzeug / Messwerkzeug

  • Streichmaß (Weißbuchenholz, Länge ca. 150 mm)
  • Winkel 90° klein (Stahlzunge Länge 150 mm)
  • Winkel 90° groß (Stahlzunge Länge 250 mm)
  • Gehrungswinkel (Länge der Zunge ca. 300 mm)
  • Schmiege ( Bewegliche Stahlschiene ca. 175 mm)
  • Vorstecher (rund mit Holzheft)
  • Meterstab (Gliedermaßstab aus Holz, 2 Meter lang)
Grundausstattung Messwerkzeuge
Anreiß- und Messwerkzeuge sollten immer präzise funktionieren. Risse und Markierungen bilden das Fundament für fast alle nachfolgenden Arbeitsschritte.

Hobel

  • Doppelhobel (Hobelkörper aus Buche, Hobelsohle aus Weißbuche)
    Eisenbreite ca. 45 – 48 mm, Länge 240 mm, Schnittwinkel 45°
  • Putzhobel (Hobelkörper aus Buche, Hobelsohle aus Weißbuche)
    Eisenbreite ca. 48 mm, Länge 220 mm, Schnittwinkel 50°
Holzhobel Buche
Holzhobel mit Hobelkörpern aus Buche.

Sägen

Für den Einstieg empfehle ich zwei Japansägen:

  • Dozuki (Blattlänge ca. 240 mm, Zahnabstand ca. 1 mm)
  • Ryoba (Blattlänge 240 mm)
Ryoba und Dozuki
Eine Ryoba und eine Dozukisäge ermöglichen präzise Schnitte längs und quer zum Faserverlauf.

Wassersteine

  • Schruppstein 220er Körnung
  • Kombistein 1000er und 6000er Körnung
  • Kombistein 3000er und 8000er Körnung
Drei japanische Wassersteine
Auf japanischen Wassersteinen lassen sich Hobel- und Stemmeisen sehr scharf machen.

Hammer

  • Schlosserhammer (ca. 400 g)
  • Klüpfel (eher größere Ausführung, Schlagkopf ca. 140 x 80 x 120 )
Klüpfel und Hammer
Neben dem Schlosserhammer sollte man einen Klüpfel (Holzhammer) besitzen, um die Stemmeisen zu treiben.

Stemmeisen

  • Stemmeisen in den Größen 4 / 6 / 8 / 10 / 16 und 20
klassische Stemmeisen
Mit den hier abgebildeten Stemmeisen lassen sich bereits die meisten Holzverbindungen herstellen.

 

Schraubendreher

  • 3 Schlitzschraubendreher (Klingenbreite 3,5 / 5,5 und 7,0)
  • 2 Kreuzschlitzschraubendreher (PZ 1 und PZ 2)
Grundausstattung Schraubendreher
Grundausstattung Schraubendreher

Zangen

  • Kombizange (Länge ca. 160 mm)
  • Wasserpumpenzange (Länge ca. 250 mm)
  • Kantenzange (Länge ca. 210 mm)
Grundausstattung Zangen
Grundausrüstung an Zangen: Kombizange, Wasserpumpenzange und Kantenzange

Sonstiges Werkzeug

  • Schleifklotz (Kork ca. 125 x 60 x 35 mm) und Schleifpapier
  • Handversenker (Durchmesser 16 – 18)
Handversenker Schleifklotz
Mit dem Handversenker senkt man Schraubenköpfe so ein, dass sie nicht über die Holzoberfläche hinausragen. Ein Korkschleifklotz ist ideal für das Schleifen mit der Hand.

Individualisieren Sie diese Checkliste

Die hier aufgeführte Zusammenstellung von Werkzeugen ist nur ein Vorschlag für eine Erstausstattung. Passen Sie diese Liste aber an Ihre eigenen Projekte an. Vielleicht benötigen Sie für manche Projekte noch weitere Werkzeuge. Und sicherlich werden die Werkzeuge im Laufe der Zeit nicht weniger.

Stemmeisenbox mit Stemmeisen
Diese Stemmeisenbox dient der Lagerung der Stemmeisen und ermöglicht den leichten Zugriff.

Tipps für den Kauf von Handwerkzeugen

Kaufen Sie Profiqualität von Anfang an!

Nur professionelle Handwerkzeuge erzielen gute Arbeitsergebnisse. Doch wie kann man gute Qualität erkennen, wenn man erst in die Holzbearbeitung einsteigt? Mein Tipp ist: Kaufen Sie das Werkzeug bei Händlern, welche auch professionelle Schreiner beliefern. Und seien Sie äußerst misstrauisch, wenn der Preis besonders günstig zu sein scheint. Hier gilt die Grundregel: Billig gekauft ist zweimal gekauft.

Beratung durch den Fachhandel und auf Fachmessen

Manche Fachhändler haben sich auf die Bedürfnisse von Heimwerkern spezialisiert. In ihren Ladengeschäften und durch Telefonberatung begleiten sie ihre Kunden im Kaufprozess.

Auch auf Fachmessen finden Sie sowohl Handwerkzeuge als auch Holzbearbeitungsmaschinen. Lassen Sie sich dort informieren und inspirieren.

Die richtige Handhabung der Handwerkzeuge

Informieren Sie sich weiter in diesem Blog

Viele Handwerkzeuge sind bereits in diesem Blog besprochen. Hier finden Sie weitere Informationen für den Kauf, aber vor allem auch für die Funktion und Anwendung der Werkzeuge. Sie finden zum Beispiel Beiträge über Messwerkzeuge, über europäische und japanische Stemmeisen, Japansägen und über Schärfsteine / Wassersteine. Ebenfalls finden Sie Anleitungen für das Sägen mit der Japansäge für Quer- und für Längsschnitte.

Lernen Sie diese Werkzeuge richtig zu handhaben in Holzbearbeitungskursen

Der schnellste und beste Weg, die richtige Anwendung dieser Werkzeuge zu erlernen ist Kurse zu besuchen. Nur in den Kursen bekommen Sie direkt bei der Anwendung Korrektur. Zudem befinden Sie sich in einer Gruppe von Gleichgesinnten. Der gemeinsam erlebte Lernprozess macht Spaß und wirkt sehr motivierend.

Holzbearbeitungskurs mit Handwerkzeugen

Weitere Artikel zum Thema Werkzeuge für die Holzbearbeitung mit der Hand

Bücher zum Thema „Grundausstattung von Handwerkzeugen für die Bearbeitung von Holz“

Im sehr umfangreichen Buch von Christopher Schwarz findet man viele Informationen zu Handwerkzeugen, deren Verwendung und Einkaufstipps.

Wer es kurz und knapp mag kauft besser das Handbuch Elektrowerkzeuge von Guido Henn, welches auch grundlegende Kapitel über Handwerkzeuge enthält.

Die Stemmeisenfase schleifen und polieren bei europäischen Stemmeisen

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Stemmeisenfase exakt auf den passenden Fasenwinkel hin schleifen und die Fase anschließend fein polieren. Nach der korrekten Durchführung aller beschriebenen Arbeitsgänge ist die Schneide des Stemmeisens scharf.

Voraussetzungen für eine scharfe Schneide

Bevor ich beginne die Fase zu schleifen, stelle ich sicher, dass die Spiegelseite sowohl   eben als auch fein poliert ist. Wie das funktioniert, lesen Sie im Artikel „Die Spiegelseite von europäischen Stemmeisen plan schleifen und polieren“.

Den richtigen Fasenwinkel wählen

Wenn ich die Fase eines Stemmeisens schleife, achte ich besonders auf den Fasenwinkel. Dieser sollte zu dem Projekt passen, an dem ich als nächstes arbeiten will. Meist beträgt der Fasenwinkel ab Werk 25° – 30°. Mehr zum Thema Fasenwinkel lesen Sie im Artikel „Schneidengeometrie bei europäischen Stemmeisen“ in diesem Blog.

Ich empfehle Ihnen, eine Schleifführung zu verwenden – vor allem, wenn Sie weniger geübt sind. Denn sie hilft Ihnen, den Fasenwinkel von Anfang an beizubehalten. Schaffen Sie sich eine Schleifführung an, die es Ihnen ermöglicht, das Stemmeisen leicht und korrekt einzuspannen.

Den Fasenwinkel einstellen

Zur Orientierung messe ich zuerst den Fasenwinkel mit Hilfe einer Winkellehre. Im aktuellen Fall beträgt der Fasenwinkel 30°. Ich übernehme diesen Fasenwinkel und stelle die Scheibe der Einstelllehre auf 30°. Diese Einstellung gibt an, auf welchen Winkel ich die Fase schleifen will. Dann setze ich meine Schleifführung auf die Einstelllehre auf und suche die richtige Einspannposition für das Stemmeisen. Anschließend spanne ich das Stemmeisen fest.

Fasenwinkel messen mit Einstelllehre
Ich messe mit der Winkellehre den Fasenwinkel, welcher ab Werk angeschliffen ist. Hier sind es genau 30°.
europäisches Stemmeisen in Schleifführung
Ich spanne das Stemmeisen in die Schleifführung ein. Außerdem stelle ich auf der Einstelllehre den Winkel ein, den ich anschleifen will.
Einstelllehre und Schleifführung
Die Fase passt genau unter die Scheibe der Einstelllehre. Eingestellt ist hier der 30° Winkel.
Scheibe der Einstelllehre europäisches Stemmeisen
Auf der Scheibe der Einstelllehre lässt sich der Fasenwinkel ablesen.

Die Klinge rechtwinklig einspannen

Mit einem Präzisionswinkel messe ich nach, ob ich das Stemmeisen im 90° Winkel in die Schleifführung eingespannt habe. Nur rechtwinkliges Einspannen führt zu einer Stemmeisenschneide, welche im 90° Winkel zur Längsachse der Klinge steht.

Präzisionswinkel europäisches Stemmeisen
Mit einem Präzisionswinkel überprüfe ich, ob das Stemmeisen rechtwinklig in die Schleifführung eingespannt ist.
Präzisionswinkel europäisches Stemmeisen
Ich kontrolliere, ob die Schneide im rechten Winkel zur Längsachse des Stemmeisens steht. Dies tue ich, bevor ich das Stemmeisen in die Schleifführung einspanne. Aber auch, nachdem ich mit dem Schärfen fertig bin, prüfe ich den Winkel der Schneide noch einmal.

Die Fase schleifen

Ich teste die Einstellung, welche ich vorgenommen habe, indem ich die Fase mit einem Marker schwärze. Nur wenige Schleifbewegungen genügen um zu zeigen, wo Material abgetragen wird. Am Schleifbild auf der Fase erkenne ich, ob ich das Stemmeisen korrekt in die Schleifführung eingespannt habe.

Sitzt das Stemmeisen richtig, beginne ich mit dem Schleifen. Ich bearbeite die Fase auf einem 1000er oder 220er Stein so lange, bis auf der Spiegelseite auf der ganzen Länge der Schneide ein Grat zu spüren ist. Dann ist die Fase fertig geschliffen und es folgt das feine Polieren, welches man auch als Abziehen bezeichnet. Während des Abziehens bleibt das Stemmeisen weiter in der Schleifführung eingespannt.

Tipp: Während ich mit der Schleifführung über den Stein fahre, versuche ich möglichst die ganze Steinoberfläche auszunutzen. Dazu drehe ich den Stein um 180° und richte ihn von Zeit zu Zeit ab. Denn auch für das Schleifen der Fase muss die Oberfläche des Wassersteins immer eben gehalten werden.

Fase schwärzen mit einem Marker
Mit einem Marker schwärze ich die Fase.
Fase europäisches Stemmeisen geschwärzt
Das Schwärzen der Fase erleichtert es mir später zu erkennen, an welcher Stelle ich Material weggeschliffen habe.
Schleifhilfe auf Stein Körnung 1000
Ich setze die Schleifführung auf den 1000er Stein und fahre zwei oder drei Züge darüber.
Klinge eines europäischen Stemmeisens
Ich habe nach wenigen Schleifbewegungen bereits fast alle Farbe weggeschliffen. Das zeigt mir, dass der am Stemmeisen vorhandene Winkel ziemlich genau dem an der Schleifführung eingestellten Winkel entspricht.
nicht einheitliches Schliffbild Fase
Das nicht einheitliche Schliffbild auf der Fase zeigt mir, dass noch nicht die ganze Fläche geschliffen ist. Ich schleife nun weiter auf dem 1000er Stein, bis über die ganze Länge der Schneide ein Grat auf der Spiegelseite zu spüren ist.

Die Fase polieren (abziehen)

Das Abziehen beginnt bei meiner Schärf Methode auf dem 3000er Stein. Beginnend mit der Fase führe ich das Stemmeisen über den 3000er Stein. Ich schleife nun die Fase vom 3000er über den 6000er bis zum 8000er Stein. Mit der jeweils feineren Körnung schleife ich die Schleifspuren der gröberen Körnung weg. In einem letzten Arbeitsgang entferne ich den Grat auf der Spiegelseite auf dem 8000er Stein.

Abschließend teste ich die Schärfe des Stemmeisens, indem ich von einem Fichtenklötzchen eine Ecke absteche. Entsteht ein sauberer Schnitt ohne Ausrisse, ist das Stemmeisen nun einsatzbereit. Lesen Sie hierzu auch den Artikel „Wann ist die Schneide von meinem Stemmeisen scharf genug?“ in diesem Blog.

abziehen auf 6000er Stein
Spüre ich den Grat auf der Spiegelseite, wechsle ich vom 1000er Stein zum 3000er, 6000er und 8000er Stein. Dabei bleibt das Stemmeisen die ganze Zeit in die Schleifführung eingespannt.
europäisches Stemmeisen 8000er Wasserstein
Auf der Spiegelseite entferne ich mit wenigen Schleifbewegungen den Grat. Dabei sollte die Spiegelseite immer auf der Steinoberfläche aufliegen und nicht abgehoben werden.
europäisches Stemmeisen Fichte Leiste
Um die Schärfe zu testen, steche ich von einem Fichtenklötzchen eine Ecke ab. Erziele ich eine Fläche ohne Ausrisse, welche leicht glänzt, ist die Schneide scharf. Sollte die Schärfe nicht befriedigend sein, ziehe ich das Stemmeisen noch einmal auf dem 8000er Stein ab. Dabei bearbeite ich zuerst die Fase und dann die Spiegelseite.
Klinge eines europäischen Stemmeisens
Das Stemmeisen ist fertig geschärft und bereit für den Einsatz.

Weiterführende Artikel

 

Europäische Stemmeisen gebrauchsfertig machen

Neugekaufte europäische Stemmeisen sind oft nicht sofort gebrauchsfertig. In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, welche Schritte notwendig sind, um neugekaufte Stemmeisen gebrauchsfertig zu machen.

Wie man Stemmeisen kauft

Der Handel bietet Stemmeisen oft in Sets an. Diese liefern sie im Karton, in einer Lederrolltasche oder in einer Holz Box. Meist werden die Schneiden durch eine Plastikkappe geschützt. Außerdem liefern die meisten Hersteller ihre Eisen mit vorgeschliffener Klinge, wobei grobe Schleifspuren sichtbar sind. Zudem sind die Klingen mit einer dünnen Lackschicht überzogen, welche sie vor Rost schützt.

Die Schärfe reicht jedoch häufig noch nicht aus, um mit diesen Stemmeisen gut arbeiten zu können. Wollen Sie Ihre neuen Stemmeisen erstmalig schärfen, sollten Sie in einem ersten Schritt die Spiegelseite bearbeiten. Und in einem zweiten Schritt die Fase. In diesem Artikel gebe ich dazu einen ersten Überblick. In zwei weiteren Artikeln gehe ich mehr auf die praktische Umsetzung ein.

Kunstoffschutzkappe auf der Schneide eines Stemmeisens
Ab Werk kommen die Stemmeisen meistens mit einem Kunststoffschutz, welcher vorne auf die Klinge gesteckt ist und die Schneide schützt.
grobe Schleifspuren auf der Klinge europäisches Stemmeisen
Grobe Schleifspuren auf der Spiegelseite schleife ich weg. Diese stammen von der Produktion.

Die Spiegelseite bearbeiten

Die Spiegelseite des Stemmeisens sollte völlig plan bzw. eben geschliffen sein. Selbst wenn der Hersteller die Spiegelseite auf Glanz poliert hat, ist nicht garantiert, dass sie plan ist. Dies finden Sie nur heraus, wenn sie die Spiegelseite auf einem völlig ebenen Wasserstein oder einer Diamantschärfplatte fein schleifen.

Eine weitere Voraussetzung für eine scharfe Schneide ist eine polierte Spiegelseite. Wenn der Hersteller seine Stemmeisen nur grob vorschleift, befinden sich in der Oberfläche der Spiegelseite tiefe Kratzer, welche sich bis in die Schneide fortsetzen. Selbst wenn man die Fase des Stemmeisens auf Hochglanz poliert, würde die Schneide nicht richtig scharf. Deswegen schleife ich auch auf der Spiegelseite alle Kratzer heraus und schleife sie fein bis Körnung 8000.

Spiegelseite abziehen auf 3000er Stein
Ich schleife neue europäische Stemmeisen auf Wassersteinen.
Spiegelseite spiegelt Holzstruktur
Das Ziel ist, die Spiegelseite fein zu polieren und gerade abzurichten.

Die Fase bearbeiten

Die Fase eines neu gekauften Stemmeisens weist häufig ebenso grobe Schleifspuren auf wie die Spiegelseite. Diese entferne ich in der gleichen Weise wie die Schleifspuren auf der Spiegelseite, indem ich die Fase auf Wassersteinen schleife bis Körnung 8000. Die Fase soll in einem Winkel von 25° – 30° zur Spiegelseite stehen. Um den gewünschten Winkel exakt anzuschleifen, verwende ich eine Schleifhilfe.

Erst wenn eine polierte Fase und eine polierte Spiegelseite in der Schneidkante aufeinander treffen, ist die Schneide wirklich scharf.

Es sind also einige wichtige Vorarbeiten zu tun, ehe man sein Stemmeisen erfolgreich einsetzen kann. Wie dies auf Wassersteinen gemacht wird, zeige ich in zwei weiteren Artikeln:

Weiterführende Artikel zum Thema „europäische Stemmeisen gebrauchsfertig machen“:

 

Die Spiegelseite von europäischen Stemmeisen plan schleifen und polieren

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Spiegelseite eines Stemmeisens auf Wassersteinen eben bzw. plan schleifen und polieren.

Ohne eine gut geplante, also ebene und sauber polierte Spiegelseite lassen sich Stemmeisen nicht richtig schärfen. Manche Stemmeisen werden ab Werk nicht mit einer völlig planen Spiegelseite ausgeliefert. Zudem zeigt die Spiegelseite noch grobe Produktionsspuren. Wie gehe ich vor?

Die Spiegelseite erst plan schleifen und dann polieren

In einem ersten Schritt überprüfe ich, ob die Spiegelseite plan ist. Ist dies nicht der Fall, mache ich mich daran, die Spiegelseite plan zu schleifen. Anschließend poliere ich die Oberfläche fein aus. Dann ist die Spiegelseite fertig. Durch das Planen und Polieren sind  auch alle groben Kratzer und Produktionsspuren verschwunden.

Wenn die Spiegelseite fertig ist, muss nur noch die Fase ebenso sauber geschliffen und poliert werden, um das Stemmeisen scharf zu machen.

Spiegelseite auf Planheit prüfen mit dem Haarlineal

Ich beginne damit, die Spiegelseite auf Planheit zu prüfen. Dazu kann man ein Haarlineal verwenden. Man setzt das Haarlineal auf der Spiegelfläche auf und hält das Stemmeisen gegen eine Lichtquelle. So lassen sich manche Unebenheiten schon mit bloßem Auge erkennen.

Haarlineal von der Seite
Das Haarlineal dient zum Überprüfen, …
Haarlineal spitze Kante
… ob eine Metallfläche eben ist.
Haar liegt auf Spiegelseite
Ich prüfe die Spiegelseite eines europäischen Stemmeisens mit dem Haarlineal.

Feinere Unebenheiten auf der Spiegelseite sichtbar machen

Feinere Unebenheiten werden erst sichtbar, wenn man die Spiegelseite auf einem feinen Schleifstein abzieht. Die erhabenen Bereiche werden fein poliert, während die zurückstehenden Bereiche immer noch die groben Schleifspuren des Produktionsprozesses zeigen.

Schleifspuren Spiegelseite europäisches Stemmeisen
Die Schleifspuren von der Produktion sollen entfernt und die Spiegelseite gerade abgerichtet werden.
Spiegelseite auf 3000er Schärfstein
Ich führe die Spiegelseite über einen 3000er Stein um festzustellen, ob es unebene Stellen gibt.
Spiegelseite zeigt glänzende Stelle
Etwa 3 cm hinter der Schneide entsteht hier eine glänzende Stelle. Das bedeutet, dass die Klinge etwas konvex (bauchig) ist.
Glänzende Stelle auf Spiegelseite
Nachdem ich auf dem 3000er Stein weitergeschliffen habe, stelle ich anhand der Schleifspuren fest, dass ich noch viel Material abtragen muss.  Ich schleife erst einmal auf dem 220er Stein weiter, weil ich die Spiegelseite einigermaßen zügig eben schleifen will.

Plan schleifen der Spiegelseite

Weist die Spiegelseite noch gröbere Unebenheiten auf, richte ich sie auf einem 220er Wasserstein ab. Weniger starke Unebenheiten lassen sich mit einem 1000er Stein planschleifen. Um eine ebene Spiegelseite zu erzielen ist es notwendig, dass die Schleifsteine eine komplett ebene Oberfläche haben.

Andruckholz und europäisches Stemmeisen
Mit Hilfe eines Andruckholzes beschleunige ich den Schleifprozess. Auf Wassersteinen darf Druck ausgeübt werden.
Andruckholz japanischer Wasserstein
Das Andruckholz ermöglicht es mir, viel mehr Druck während des Schleifens aufzubauen.
Andruckholz im Einsatz auf japanischem Wasserstein
Vom 220er über den 1000er, 3000er, 6000er und 8000er richte ich die Spiegelseite ab und poliere sie schließlich.

Die Spiegelseite polieren

Nun ist die Spiegelseite komplett eben. Auf der Metalloberfläche befinden sich jedoch noch grobe Schleifspuren des 1000er Steins. Auf einem 3000er beginne ich die Spiegelseite fein zu schleifen. Ziel ist, in einem Bereich von 2-3 cm hinter der Schneide eine spiegelpolierte Fläche herzustellen. Das reicht aus, um mit dem Stemmeisen gut arbeiten zu können.

Vom 3000er Stein arbeite ich mich über den 6000er bis zum  8000er Stein vor. Dabei hebe ich niemals die Spiegelseite von der Steinoberfläche ab. Da sonst die Spiegelseite ballig geschliffen würde. Diesen Fehler müsste man durch aufwändiges plan schleifen korrigieren.

Das Ziel ist jedoch, eine möglichst plane Fläche auf der ganzen Länge der Klinge zu erzielen. Ist diese plane Fläche einmal hergestellt, sollte sie während der gesamten Lebensdauer des Stemmeisens erhalten bleiben. Der Bereich hinter der Schneide sollte spiegelpoliert sein, denn scharfe Schneiden bekommt man nur, wenn sich eine polierte Spiegelseite und eine polierte Fase in der Schneiden Kante treffen.

Europäisches Stemmeisen auf 8000er Stein
Letzte Politur auf dem 8000er Stein: Die schwarzen Spuren auf dem Stein stammen vom Metallabrieb.
polierte Spiegelseite europäisches Stemmeisen
Die Spiegelseite ist fertig abgerichtet und poliert.
Spiegelseite spiegelt Struktur Fichtenleiste
Die Spiegelseite spiegelt die Struktur einer Fichtenleiste.

Kontrolle der Wassersteine

Für alle hier geschilderten Arbeitsgänge benötigen Sie komplett plane Wassersteine. Denn davon ist der Erfolg der gesamten Arbeit abhängig. Um Planheit sicherzustellen sollten die Wassersteine in kurzen Abständen  überprüfen. Mehr dazu finden Sie im Artikel …  „Wassersteine abrichten (plan halten) und Kanten vor Ausbrüchen schützen“  in diesem Blog.

Weiterführende Artikel

Wann ist die Schneide von meinem Stemmeisen scharf genug?

Wenn Sie mit einem Stemmeisen eine Weile gearbeitet haben, stellt sich irgendwann die Frage: Ist das Stemmeisen noch scharf genug, um damit weiterzuarbeiten? Oder ist es schon zu stumpf? Eine ähnliche Frage gilt es zu beantworten, wenn Sie das Stemmeisen schärfen: Ab wann ist die Schneide des Stemmeisens wieder scharf genug? In diesem Artikel erfahren Sie einige Methoden, wie Sie überprüfen können, ob die Schneide von Ihrem Stemmeisen noch scharf genug ist.

Schärfe während der Arbeit überprüfen

Schneiden von Stemmeisen verlieren während der Arbeit langsam an Schärfe. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man es wieder scharf machen sollte. Um festzustellen, wann dieser Punkt erreicht ist, überprüfen Sie am besten regelmäßig den Zustand der Schneiden.

Mehr darüber, wie wichtig scharfes Werkzeug ist, lesen Sie hier.

Prüfmethode 1: Sichtprüfung der Schneide

Eine Sichtprüfung geht am schnellsten. Sie betrachten dabei die Spiegelseite und die Schneide Ihres Stemmeisens. Mit einer Lupe lassen sich auch kleine Scharten, ein kaum sichtbarer Grat oder ein Kratzer in der Spiegelseite entdecken.  Haben Sie keine Lupe zur Hand, halten Sie die gut beleuchtete Schneide vor einen dunklen Hintergrund. Beschädigungen in der Schneide reflektieren das Licht.

Entdecken Sie eine Unregelmäßigkeit, können Sie weitere Prüfmethoden anwenden, um ganz sicher zu gehen.

Tipp: Eine gute Handykamera bildet mehr ab, als das bloße Auge sehen kann.

Lichtlupe und europäisches Stemmeisen Klinge
Nehmen Sie Ihr Stemmeisen unter die Lupe.

Prüfmethode 2: Das Schneidverhalten der Schneide überprüfen

Am Hirnholz herunterstechen. Erzielen Sie eine ausrissfreie leicht glänzende Fläche, ist die Schneide noch scharf. Wird die Hirnholzfläche jedoch stumpf und weist kleine Risse auf, sollten Sie das Stemmeisen schärfen.

Tipp: Halten Sie immer ein frisch geschärftes Stemmeisen vor. Wollen Sie eine Stemmeisenschneide auf Schärfe überprüfen, vergleichen Sie die Schneidleistung beider Eisen in der gleichen Hirnholzfläche. So haben Sie gleiche Testbedingungen.

Risse in der Oberfläche durch stumpfes Stemmeisen
Die stumpfe Schneide hat in der Oberfläche Risse hinterlassen.
Scharfe Klinge eines europäischen Stemmeisens
Mit einem scharfen Stemmeisen schneide ich an derselben Stelle eine dünne Holzschicht weg.
Schnitt ins Hirnholz ohne Ausrisse
In der Holzoberfläche sind keine Risse mehr zu sehen.

 

Sicherheitshinweis: Spannen Sie das Testholz immer fest. Wenn Sie es in der Hand halten, kann das Stemmeisen abrutschen und Ihre Hand verletzen.

Prüfmethode 3: Der Fingertest

Streichen Sie über die Spiegelseite und fahren Sie vorsichtig mit dem Finger über die Schneide. Mit der Fingerkuppe spüren Sie, ob sich an der Schneide ein Grat befindet. So entdecken Sie auch einen Grat, den Sie mit bloßem Auge nicht sehen können.

Grat spüren mit der Fingerkuppe
Fahren Sie mit dem Finger über die Schneide von der Spiegelseite her.

Weitere Methoden der Prüfung der Stemmeisenschneide

Mit scharfen Schneiden lässt sich Papier in Streifen schneiden. Beliebt, aber nicht ohne Risiko ist das Rasieren des Handrückens. Auch das Kippen einer scharfen Schneide auf dem Daumennagel steigert den Pflasterverbrauch. Bei letzterer Methode gilt: Je später die Klinge wegrutscht, desto schärfer ist sie.

Wann ist das Stemmeisen wieder scharf genug?

Nicht nur während des Einsatzes prüft man die Stemmeisenschneide auf Schärfe. Auch beim Abziehen des Eisens muss man sich entscheiden, wann es wieder ausreichend scharf ist. Dazu ist vor allem ein Schnitt ins Hirnholz (siehe Prüfmethode 2) geeignet. Für diesen Zweck sammle ich Weichholzabschnitte in einer Kiste. Solche Prüfhölzer brauche ich ständig, wenn ich mit Handwerkzeugen arbeite.

Weiterführende Artikel zum Thema Schärfen von Handwerkzeugen:

Warum ist scharfes Werkzeug für die Holzbearbeitung so wichtig?

Industriell hergestellte japanische Wassersteine: Vorteile und Funktion

Die Eigenschaften von Stahl bei Stemmeisen und Hobeleisen

Weiterführende Literatur

Ein gutes Buch zum Thema Schärfen ist das „Handbuch Schärfen“ von Ron Hock. Behandelt werden verschiedene Schärfmethoden. Ausführlich geht der Autor auch auf das Thema Stahl ein.

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Schneidengeometrie bei europäischen Stemmeisen

In diesem Artikel erfahren Sie, was Schneidengeometrie bedeutet, und welchen Fasenwinkel Sie brauchen, um mit europäischen Stemmeisen in unterschiedlich hartem Holz zu arbeiten. Zudem erkläre ich, wie Sie den passenden Fasenwinkel anschleifen können.

Was ist Schneidengeometrie?

Der Begriff Schneidengeometrie bezieht sich auf die genaue Ausformung einer Werkzeugschneide. Bei der Schneidengeometrie von europäischen Stemmeisen geht es demnach um die Form einer Stemmeisenklinge, welche wie folgt aussieht:

Bezeichnungen Schneidengeometrie in Zeichnung
Stemmeisenklingen sind einseitig angeschliffen.

Stemmeisen sind einseitig angeschliffen. Das bedeutet, dass die Spiegelseite gerade bis zur Schneide durchgeht, während die Fase in einem passenden Winkel dazu angeschliffen ist. Ab Werk haben Stemmeisen meist einen Fasenwinkel von 25°.

Welchen Fasenwinkel soll man wählen?

Entscheidend für die Wahl des Fasenwinkels ist die Härte des Materials, welches man bearbeiten will. Wollen Sie Hartholz oder ein weicheres Holz mit vielen Ästen bearbeiten, sollte der Fasenwinkel eher 30° betragen. Durch den größeren Fasenwinkel ist die Schneide weniger empfindlich. So sparen Sie sich allzu häufiges Nachschärfen.

Bearbeiten Sie eher weicheres Holz, empfehle ich einen Fasenwinkel von 25°. Ein geringerer Fasenwinkel lässt die Schneide leichter ins Holz eindringen. Dies hat jedoch auch einen Nachteil: Die Schneide ist empfindlicher. Deswegen bricht sie schneller aus und muss häufiger nachgeschärft werden.

Es gilt also einen Kompromiss zu finden. Weicheres Material belastet die Schneide weniger. Der Fasenwinkel kann also kleiner ausfallen. Härteres Material belastet die Schneide mehr. Ein größerer Fasenwinkel wird notwendig. Die Schneide ist nicht so ausbruchsgefährdet, hat jedoch einen höheren Schnittwiderstand als die Schneide mit dem kleineren Fasenwinkel.

Faustregel: Je geringer der Fasenwinkel ist, desto empfindlicher ist die Schneide.

Stemmeisen anschleifen – Fasenwinkel korrigieren

In einem ersten Schritt messen Sie den aktuellen Fasenwinkel mit einer Winkellehre. Sehen Sie, dass er korrigiert werden muss, verwenden Sie am besten eine Schleifhilfe, um ihn ganz exakt neu anzuschleifen. Dies geschieht auf  dem 220er Wasserstein. Es ist ratsam einen groben Stein zu verwenden, weil das Umschleifen des Fasenwinkels sonst sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde.

Da ich schon viel Übung im Freihandschleifen habe, spare ich mir manchmal das Einspannen in die Schleifhilfe und ändere den Fasenwinkel frei Hand. Mir kommt es dabei auch nicht darauf an, ob es am Ende 24,5° oder 26° sind. Wichtig ist, dass es in etwa hinkommt und ich schnell mit dem passend angeschliffenen Winkel weiterarbeiten kann. Für weniger Geübte ist jedoch eine Schleifhilfe zu empfehlen. So lässt sich präzise der gewünschte Winkel anschleifen.

Winkellehre mit Stemmeisen Schneide
Mit einer Winkellehre für Werkzeugschneiden prüfe ich den Fasenwinkel.
Schärfhilfe und Stein auf Schleifstei-Halter
Für die präzise Korrektur des Fasenwinkels verwende ich eine Schärfführung.
Schärfführung im Einsatz auf einem Wasserstein
Mit beiden Fingern übe ich Druck auf die Schneide des Stemmeisens aus.

Einsatz von Schleifhilfen

Schleifhilfen helfen Ihnen, das Stemmeisen in einem voreingestellten Winkel über den Wasserstein zu führen. Eine Rolle definiert die Schleifhilfe zur Steinoberfläche. Diese sollte immer plan gehalten werden. Schleifhilfen bieten vor allem Einsteigern sofort präzise Ergebnisse und sind somit eine große Hilfe.

Weitere Artikel zur Vertiefung des Themas:

Fachliteratur Empfehlung:

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Europäische Stemmeisen – Grundwissen und Tipps für den Einstieg

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Vorzüge europäische Stemmeisen haben. Sie erfahren auch, wie diese Stemmeisen aufgebaut sind, und welche Unterschiede es bei der Klingenform und der Stemmeisen-Länge gibt. Je nach Länge und Klingenform sind diese jeweils für unterschiedliche Holzarbeiten besonders geeignet. Ich gebe Tipps für den Einstieg.

Vorzüge europäischer Stemmeisen

Europäische Stemmeisen sind robust. Das bedeutet, dass sie selbst bei der Bearbeitung härterer Materialien wie Harthölzern oder Leimresten wenig ausbruchsgefährdet sind. Das liegt daran, dass die Klingen europäischer  Stemmeisen aus Chrom Vanadium Stahl gefertigt sind. Dieser Stahl lässt sich zudem leicht schärfen.

Mehr Informationen zu Chrom Vanadium Stahl finden Sie im Artikel „Die Eigenschaften von Stahl bei Stemmeisen und Hobeleisen“

Aufbau von europäischen Stemmeisen

Ein europäisches Stemmeisen besteht grob betrachtet aus zwei Teilen: dem Griff und der Klinge. Der Griff ist dabei aus Hartholz, welches oben von einem Metallring zusammengehalten wird. Dieser verhindert ein Aufspalten des Holzes. Denn das obere Ende des Griffs muss die Schläge des Holzhammers auffangen.

Zur Klinge hin sitzt am Griff ein weiterer Metallring. Dieser verhindert, dass das Griffholz oberhalb der Klinge aufspaltet. Die Klinge ist bei europäischen Stemmeisen vorwiegend aus Chrom Vanadium Stahl hergestellt. Für unterschiedliche Anwendungen sind die Klingen passend ausgeformt.

europäisches Stemmeisen Einzelteile beschriftet

Spiegelseite eines westlichen Stemmeisens
Die Spiegelseite eines europäischen Stemmeisens.
europäisches Stemmeisen von der Seite
Der 4-6 mm starke Stahl der Klinge sorgt für hohe Stabilität. Die Klinge verjüngt sich in der Dicke vom Griff bis zum Hals.
Stemmeisengriff aus Buche
Der Stemmeisengriff wird aus Harthölzern wie Buche, Eiche oder Esche gefertigt. Zur Klinge hin wurde ein Bereich abgeflacht. So verhindert man, dass das Stemmeisen auf der Hobelbank wegrollt.

Klingenform

Wie bereits erwähnt, sind europäische Stemmeisen mit unterschiedlicher Klingenform erhältlich. Standard-Stemmeisen haben eine abgefaste Klinge. Das bedeutet, die Fase reicht nicht bis zur Spiegelseite herunter. Das macht diese Stemmeisen für grobe Arbeiten unempfindlicher als solche, bei denen die Seitenfase ganz bis zur Spiegelseite herunterreicht.

Bei letzteren handelt es sich um Stemmeisen, welche besonders zur Ausarbeitung von Massivholzverbindungen optimiert sind. Mit einer Seitenfase bis zur Spiegelseite lassen sich beispielsweise die Aussparungen bei Schwalbenschwanzverbindungen und Nuten besser nacharbeiten. Wollen Sie schwerpunktmäßig Holzverbindungen herstellen, empfehle ich Ihnen Stemmeisen mit einer Seitenfase bis zur Spiegelseite. Suchen Sie jedoch erst einmal ein vielseitig einsetzbares Allround-Stemmeisen sind Standard-Stemmeisen sinnvoller.

europäisches Standardstemmeisen
Die Fase dieses Stemmeisens reicht nicht bis zur Spiegelseite herunter.
Seitenfase bis zur Spiegelseite
Die Seitenfase dieses Stemmeisens reicht bis zur Spiegelseite herunter.

Kurze oder lange Eisen?

Traditionell  haben europäische Stemmeisen eine Länge von ca. 270 mm. Stemmeisen mit dieser Länge lassen sich gut in eine Schleifmaschine einspannen. Inzwischen sind aber auch europäische Stemmeisen in kurzer Bauform mit einer Gesamtlänge von ca. 210 mm erhältlich. Solche Stemmeisen lassen sich leichter führen, weil man mit der Hand näher am Material dran ist. Kurze Stemmeisen haben aber den Nachteil, dass sie sich in die gängigen Schleifmaschinen nicht mehr gut einspannen lassen. Alle Eisen, auch die Kurzen lassen sich jedoch gut auf japanischen Wassersteinen schärfen.

Lange und kurze Bauform
Lange und kurze Bauform beim europäischen Stemmeisen

Stemmeisen treiben – mit der Hand und mit dem Klüpfel

Es gibt zwei Arten, ein Stemmeisen im Holz zu bewegen. Bei feinen Arbeiten führt man das Stemmeisen mit der Hand. Ist mehr Kraft erforderlich, verwendet man einen Klüpfel. Das ist ein Holzhammer, dessen Kopf aus einem Hartholz gefertigt ist.

Einen Stahlhammer sollten Sie bei Stemmeisen europäischer Bauform nur ausnahmsweise verwenden. Dies würde sonst auf Dauer den Griff zerstören.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Ihre neuen Stemmeisen gut in der Hand liegen. Egal, ob Sie das Eisen mit dem Klüpfel treiben oder mit der Hand führen. Es kommt entscheidend darauf an, dass Sie das Eisen bequem und sicher halten können.

Klüpfel liegend
Soll mehr Kraft aufgewendet werden, treibt man das Stemmeisen mit dem Klüpfel.

Einsatzgebiete europäischer Stemmeisen

Klassische europäische Stemmeisen lassen sich sehr vielseitig einsetzen. Gut geschärft eignen sie sich hervorragend zur Herstellung von Holzverbindungen. Der robuste Chrom Vanadium Stahl hält aber auch bei gröberen Arbeiten gut durch. So lassen sich beispielsweise getrocknete Leimwülste entfernen, ohne dass die Klinge sofort ausbricht. Auch Bauschreinerarbeiten, bei denen schon einmal in eine Spanplatte gestemmt werden muss, lassen sich mit diesen Eisen problemlos  durchführen. Diese Vielseitigkeit macht europäische Stemmeisen zu einem guten Einsteigerwerkzeug.

Stemmeisen Einsteigersatz

Ich empfehle, sich einen Einsteigersatz eines Markenherstellers zu kaufen. Kaufen Sie bei einem  Werkzeughändler, bei dem auch Profis einkaufen. Solche Händler können es sich nicht leisten, schlechte Qualität zu verkaufen. Denn sie haben einen Ruf zu verlieren. Bei Baumärkten ist das schon anders. Hier läuft vieles eher über den Preis und weniger über die Qualität.

Handelsüblich sind Stemmeisensätze, welche aus 5 – 8 Stemmeisen bestehen. Meiner Erfahrung nach fehlen hier jedoch bestimmte Zwischengrößen, und auch ganz schmale Stemmeisen mit einer Klingenbreite von 2 und 4 Millimetern.

Mein Tipp ist: Kaufen Sie sich erst einmal einen Stemmeisensatz und arbeiten Sie damit. Wenn Sie zufrieden sind, kaufen Sie sich die noch fehlenden Stemmeisen von der gleichen Marke. Einen Satz europäische Standard-Stemmeisen bekommt man oft schon für unter 100,- €. Für japanische Stemmeisen muss man deutlich höhere Preise bezahlen.

Weitere Artikel zum Thema:

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Schärfplatz für Wassersteine

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie einen gut funktionierenden Schärfplatz für Wassersteine aufbauen können. Dazu gehören der Schutz vor Feuchtigkeit und Schmutz, der Arbeitstisch, der Schleifstein-Halter und die Organisation von Ablageflächen.

Der Arbeitstisch

Als Basis für den Schleifstein-Halter dient ein stabiler Tisch. Das kann eine Hobelbank sein, ein Esstisch oder ein Schreibtisch.

Schutz vor Feuchtigkeit und Schmutz

Beim Schärfen auf Wassersteinen entsteht Schleifschlamm, und es tropft Wasser vom Stein. Arbeitet man auf einer Hobelbank oder gar auf einem Schreibtisch, sollte man daher diese Tische vor Feuchtigkeit schützen. Zu diesem Zweck lege ich eine Plastikplane in zwei Lagen darüber. Während des Schärfens wische ich Schleifschlamm und Wasser mit einem Lappen regelmäßig ab. So vermeide ich, dass verschmutztes Wasser auf den Boden tropft.

Hobelbank mit Vorder- und Hinterzange
Die Basis für meinen Schleifstein-Halter ist eine Hobelbank.
Plastikplane deckt eine Hobelbank ab
Ich nehme die Plastikplane doppelt, um die Hobelbank sicher vor Verschmutzung zu schützen.
Schleifstein-Halter mit zwei Schleifsteinen
In meiner Werkstatt habe ich einen größeren selbstgebauten Schleifstein-Halter. Dieser bietet mir genug Platz, um alle Steine, welche ich brauche auf dem Schleifstein-Halter abzulegen.

Der Schleifstein-Halter

Der Schleifstein-Halter fixiert den Schleifstein. Man klemmt den Schleifstein-Halter auf dem Arbeitstisch fest, so dass er nicht wegrutschen kann. So fängt man die Kräfte auf, welche beim Schleifen entstehen. Weder der Schleifstein-Halter noch der Schleifstein sollen sich während des Schleifens mitbewegen.

Da beim Schleifen Druck von oben auf den Stein ausgeübt wird, sollte der Schleifstein-Halter die Steine in der Mitte unterstützen. Auflagepunkte nur an den beiden Enden sind hingegen nicht ausreichend. Denn die Schleifsteine werden durch den Gebrauch immer dünner und würden irgendwann durchbrechen.

Im Handel werden Schleifstein-Halter mit rutschfesten Gummispannbacken angeboten. In der Mitte ist ein verschiebbarer Auflageblock angebracht, welcher ebenfalls aus rutschfestem Gummi besteht. Die Wassersteine lassen sich ohne Werkzeug einspannen und auch wieder lösen.

Schleifstein-Halter mit Gummispannbacken
Schleifstein-Halter mit Gummispannbacken

Die passende Arbeitshöhe

Die Oberfläche des Wassersteins sollte der Höhe Ihres Handknöchels entsprechen. Planen Sie die Höhe Ihres Schleifstein-Halters vom Höhenniveau Ihres Arbeitstisches aus.

Handknöchel neben Schleifstein-Halter
Mein Handknöchel befindet sich auf der Höhe der Schleifsteinoberfläche. Jetzt passt die Arbeitshöhe.

Befestigung am Arbeitstisch

Ähnlich wie bei einer Tischhobelbank verwende ich zur Befestigung des Schleifstein-Halters zwei Schraubzwingen.

Schleifstein-Halter befestigt an Hobelbank
Der Schleifstein-Halter ist mit zwei Schnellspannzwingen an der Hobelbank fixiert.

Ablageflächen

Um zügig arbeiten zu können, benötige ich Stellen, an denen ich Verschiedenes ablegen kann. Für diesen Zweck bereite ich eine weitere durch Plastikplanen geschützte Fläche vor. Dies kann ein Stuhl sein oder ein Rollcontainer. Dort platziere ich einen Wassereimer. Über diesem Eimer plane ich die feinen Wassersteine am 220er Schruppstein.

Das zu schärfende Werkzeug lagere ich etwas abseits, so dass es keine Wasserspritzer abbekommt. Den Abrichtblock für die Wassersteine benutze ich bei Bedarf auf dem Arbeitstisch auf der Plastikplane. Auch einige Lappen liegen bereit. Nasse Lappen lagere ich in einem Plastikgefäß.

Die beiden Kombisteine, welche ich hauptsächlich benutze, lagere ich neben dem Schleifstein-Halter. Auch hinter dem Schleifstein-Halter stehen zwei Plastikgefäße mit Wasser. Mit diesem Wasser befeuchte ich die Wassersteine und wasche den Schleifschlamm von den Werkzeugen ab.

Tipp: Arbeiten Sie systematisch! Stumpfes Werkzeug legen Sie möglichst separiert von den bereits geschärften Werkzeugen. Schützen Sie vor allem das geschärfte Werkzeug vor Feuchtigkeit, um Rostflecken zu vermeiden.

Plastikeimer zwei Wassersteine abgerichtet
Über dem Plastikeimer plane ich meine Wassersteine.
Abrichtblock Wassersteine auf dem Schärfplatz
Meine Hobelbank bietet ausreichend Fläche, um den Abrichtblock für die Wassersteine aufzustellen.
Stemmeisen in zwei Boxen
Bereits geschärftes Werkzeug lege ich gesondert ab, damit ich es nicht mit dem stumpfen Werkzeug verwechsle.
feuchte Lappen in einer Kunststoffbox
Ich halte immer ausreichend feuchte Lappen bereit, um den Schleifschlamm wegzuwischen.

Werkzeugklingen gegen Rost schützen

Nach dem Schärfen behandle ich die Werkzeugklingen mit säurefreiem Karmelienöl, da das Öl die Klingen vor Korrosion schützt.

Ich trenne die Arbeit mit Öl von dem Bereich, in dem ich mit Wassersteinen arbeite. Dies tue ich, um die Wassersteine zu schützen, denn wenn Öl auf die Wassersteine gerät, werden diese in ihrer Funktion beeinträchtigt. Auf einem Arbeitsbrett breite ich ein Tuch  aus, welches heruntertropfendes Öl auffängt. Mit einem weiteren Tuch verteile ich das Öl auf den Klingen.

Stemmeisen liegen zum ölen bereit
Ich behandle die fertig geschärften Werkzeuge mit säurefreiem Karmelienöl.

Ein gut durchdachter Schärfarbeitsplatz ist eine wichtige Voraussetzung für die Holzbearbeitung mit Handwerkzeugen.

Weitere Artikel zum Thema Werkzeuge schärfen auf Wassersteinen finden sie hier:

Eine Übersicht aller Beiträge zum Thema „Handwerkzeuge“ finden Sie hier.

Fachbücher zum Thema

Fachliteratur zum Thema Holzbearbeitung finden Sie auf unserer Bücherseite.

Zum Thema Schärfplatz für Wassersteine bietet das „Handbuch Schärfen“ von Ron Hock viel erstklassiges Wissen. Darüber hinaus behandelt das Buch viele Schärfmethoden zu ganz unterschiedlichen Werkzeugen.

 

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