Checklisten für den Leinölauftrag auf Holz

Die genaue Beschreibung, wie man Leinöl richtig auf Holz aufträgt, erhalten Sie hier. Nachfolgend finden Sie zwei Checklisten, die sich aus dem genannten Artikel ergeben:

Mit der ersten Checkliste können Sie vor dem Leinölauftrag kurz durchgehen, ob Sie an alles gedacht und alles vorbereitet haben. Die zweite Checkliste gibt Ihnen einen Überblick über die Abfolge beim Leinölauftrag.

Checkliste 1:
Habe ich für den Leinölauftrag alles vorbereitet?

Wenn Sie alle nachfolgenden Punkte bejahen können, können Sie mit dem Leinölauftrag beginnen:

  • Das Werkstück ist fertig geschliffen (bis Körnung 220) und von Staub befreit.
  • Der Trockenort ist ausgewählt und vorbereitet (Lagerleisten platziert). Der Trockenort sollte hell, warm und trocken sein.
  • Der Arbeitsplatz ist ausgewählt. Dieser Platz ist hell und hat eine Temperatur von mindestens 20° C.
  • Der Arbeitsplatz ist ausgestattet mit:
    Arbeitstisch
    Abdeckung für den Boden und den Arbeitstisch. Als Abdeckung dienen Zeitungspapier, Plastikfolien oder Sperrholzplatte.
    Unterlegleisten
    fusselfreie Lappen
    Leinöl
    kleines Gefäß
    220er Schleifpapier für den Zwischenschliff
  • Es gibt einen Ablageplatz für die mit Leinöl getränkten Lappen. Da herumliegende leinölgetränkte Lappen anfangen können zu brennen, sollten diese nach der Leinölaktion aus dem Haus geschafft werden.
  • Die Kleidung: alte Kleidung, Schutzhandschuhe, Schutzbrille (beim Öffnen der Dose – damit keine Leinölspritzer ins Auge kommen).

Checkliste 2:
Die richtige Abfolge beim Leinölauftrag

  1. Erster Leinölauftrag: Leinöl satt auftragen und 15 bis 20 Minuten lang gleichmäßig einreiben und einwirken lassen.
  2. Überschüssiges Leinöl gründlich abreiben, damit kein Öl auf der Holzoberfläche zurückbleibt. Auf die Ecken achten!
  3. Erste Trockenzeit. Diese dauert 3 bis 14 Tage.
  4. Leichter Zwischenschliff mit 220er Papier, bis sich die Fläche glatt und weich anfühlt.
  5. Zweiter Leinölauftrag: Es wird deutlich weniger Öl benötigt.
  6. Überschüssiges Leinöl gründlich abreiben.
  7. Zweite Trockenzeit. Diese dauert 2 bis 4 Wochen.
  8. Fertig

Weitere Artikel:

Leinöl richtig auftragen auf Holz – eine Anleitung

Wenn Sie Ihr Werkstück fertig geschliffen und gründlich von Staub befreit haben, können Sie mit der weiteren Oberflächenbehandlung beginnen. In diesem Artikel erfahren Sie die richtige Vorgehensweise, wie man Leinöl auf Holz aufträgt.

1. Den Arbeitsplatz vorbereiten

Decken Sie zunächst den Fußboden und den Arbeitstisch mit Zeitungspapier oder Plastikfolie ab. Möglich ist auch eine Unterlage aus Sperrholz, welche man immer wieder verwenden kann. Ich selber nehme ein 5 mm starkes Pappelsperrholz. Es dient mir sowohl bei der Oberflächenbehandlung als auch beim Verleimen von Werkstücken als Unterlage. So ist der Arbeitstisch gut geschützt. Auf die Sperrholzplatte legen Sie zwei Leisten. Darauf kommt  das Werkstück, auf welches Sie das Leinöl auftragen wollen.

Der Leinöl Arbeitsplatz mit Sperrholz Unterlage, zwei Leisten und dem zu ölenden Werkstück (hier ein Fachboden).

Bereiten Sie am besten auch gleich einen Ort vor, an dem Sie Ihr Werkstück trocknen lassen wollen. Der Trockenprozess kann drei Tage und länger dauern, je nachdem welches Öl Sie verwenden. Aushärtendes Leinöl verbreitet einen intensiven Geruch. Darum ist es nicht empfehlenswert, Ihr Werkstück in Räumen zu trocknen, welche Sie in dieser Zeit als Wohnräume nutzen. Ich öle gerne vor dem Urlaub. So haben die Werkstücke viel Zeit, um gut durchzutrocknen.

2. Die Ausrüstung für den Leinölauftrag

Leinöl lässt sich auf verschiedene Weise auftragen: beispielsweise mit Lappen, Schwämmen, Pinsel oder Rolle. Ich wähle gern eine preisgünstige Variante und zerschneide alte, ausrangierte Kleidungsstücke aus Baumwolle. So erhalte ich Baumwolllappen, die ich für solche Zwecke gut einsetzen kann. Wichtig ist nur, dass diese Textilien beim Auftragen des Leinöls keine Fasern oder Flusen in der Fläche hinterlassen.

Da Leinölflecken aus Textilien kaum herauszubekommen sind, ziehen Sie am besten alte Kleidung an. Die Hände schützen Sie mit Einmalhandschuhen.

Nun füllen Sie das Leinöl in ein kleineres Gefäß um. Das größere Gefäß verschließen Sie sofort wieder. So schützen Sie das Leinöl vor Hautbildung und verhindern einen größeren Schaden, der entstehen würde, wenn das Gefäß versehentlich umkippt.

3. Vorgehensweise beim Auftrag des Leinöls

Bis ein Werkstück aus Holz fertig geölt und gebrauchsfähig ist, müssen Sie mehrere Schritte durchlaufen: Zunächst erfolgt ein erster Ölauftrag, bei dem das Holz so viel Öl wie möglich aufnehmen sollte. Anschließend reibt man überschüssiges Öl gründlich ab und lagert das Werkstück zum Trocknen. Ist das Werkstück ausreichend getrocknet, erfolgen ein Zwischenschliff und ein zweiter Ölauftrag. Nach diesem Ölauftrag lagert man es wieder zur  Trocknung, bis man es dann in Gebrauch nehmen kann.

Erster Auftrag des Leinöls

Ziel beim ersten Ölauftrag ist es, das Holz so tief wie möglich zu tränken. Dies ist am besten bei Raumtemperaturen von mehr als 20°C möglich. Bei niedrigen Temperaturen ist das Leinöl zu zähflüssig, um gut in die Holzoberfläche einzudringen.

Tragen Sie das Öl zügig längs zur Faser auf.
Nun vertreiben Sie das Öl quer zur Faser und reiben es in die Oberfläche ein.
Tragen Sie das Öl satt aufs Werkstück auf. Das Holz soll so viel Öl wie möglich aufnehmen.
Im Gegenlicht zeigen sich Stellen, welche besonders stark gesaugt haben.
Achten Sie auf das Hirnholz, welches mehr Leinöl aufnimmt als der Rest der Fläche. Die abgebildete Kante der Dreischichtplatte zeigt in der Mittellage Hirnholz.

Man ölt „nass in nass“ nach. D.h. man trägt neues Öl auf die Fläche auf und verteilt vorhandenes Öl gleichmäßig.

Überschüssiges Öl abreiben

Achtung: Während der ersten 15 bis 20 Minuten ist das Ziel, das Holz möglichst tief mit Öl zu tränken. Dies erreichen Sie, indem Sie wiederholt nachölen, kräftig reiben und massieren. Nutzen Sie die Bearbeitungszeit von 15 bis 20 Minuten ganz aus. Ist deren Ende jedoch erreicht, ist es ratsam konsequent umzuschalten.

Nun reiben Sie mit einem trockenen Lappen mit Druck über die Fläche. Alles Öl, welches jetzt noch nicht in die Oberfläche eingedrungen ist, reibt man ab. Es sollte kein Öl auf der Fläche zurückbleiben.

Urban woodworking Tipp: Achten Sie beim Trockenreiben besonders auch auf die Ecken. Dort sammelt sich das Öl nämlich während des Auftrags an. Dies bezieht sich besonders auf die Ecken innerhalb des Korpus und die Ecken im Bereich der Rückwand. Jede Stelle, an der Leinöl auf der Fläche zurückbleibt, härtet nicht vollständig aus. Das nicht eingedrungene Öl bildet einen klebrigen, zähelastischen Film und sorgt für einen lang anhaltenden Leinölgeruch.

Untergelegte Leisten hinterlassen in der Fläche sichtbare Spuren. Stellen Sie darum die geölte Platte auf die Hinterkante. Untergelegte Leisten verringern die Standfläche. An möglichst jede geölte Stelle sollte Luft gelangen.

Sicherheitshinweis: Leinölgetränkte Lappen bitte nach dem Gebrauch umgehend aus dem Haus bringen. Lappen, Schleifpads, Pinsel und ölgetränkter Schleifstaub sind selbstentzündlich und sollten umgehend aus dem Haus gebracht werden!

Die erste Trocknungsphase
– d
as geölte Werkstück richtig lagern –

Haben Sie alles überschüssige Öl abgerieben, tragen Sie  das Werkstück zum vorbereiteten Trockenort. Stellen Sie das Werkstück so auf, dass es möglichst wenig Berührungsflächen mit dem Lagerort hat. Denn diese Stellen führen in der geölten Fläche oft zu sichtbaren Unregelmäßigkeiten.

Einen Fachboden stellen Sie mit der Hinterkante auf zwei Unterlegleisten und lehnen ihn an eine Wand. So hat der Fachboden kaum Berührungsflächen. Möbelkorpusse stellt man grundsätzlich auf die Hinterkante. So bleiben eventuelle Streifen durch die Unterlegleisten außerhalb des Sichtbereichs.

Reiben Sie nach dem Abstellen Ihres Werkstücks noch einmal über die Stellen, an denen es während des Ölens auf den Unterlegleisten gelegen hat. So vermeiden Sie Abdrücke der Leisten in der Fläche. Verwenden Sie dazu den Lappen, welchen Sie auch beim Trockenreiben verwendet haben.

Leinöl trocknet besonders gut unter dem Einfluss von Licht und Wärme. Der ideale Trockenort ist demnach warm und befindet sich in der Nähe eines Fensters.  Indem Sie  Platten und Korpusse auf Leisten lagern, gelangt auch die Luft an die meisten Stellen hin, was für den Trocknungsprozess wichtig ist.

Vor dem zweiten Ölauftrag erfolgt ein Zwischenschliff mit 220er bis 240er Körnung.

Zwischenschliff und zweiter Auftrag des Leinöls

Bei dem Öl, welches ich einsetze, warte ich 10 bis 15 Tage bis zum zweiten Ölauftrag. Bei Ölen mit beigemischtem Trockenstoff verkürzt sich die Trockenzeit auf ein bis drei Tage. Sie sind nach dieser Zeit so weit getrocknet, dass man den zweiten Ölauftrag machen kann.

Die geölte Fläche ist nun schleiftrocken. Mit einem 220er Schleifpapier erfolgt ein Zwischenschliff. Dabei schleift man aufgestandene Holzfasern weg. Der Zwischenschliff erfolgt mit wenig Druck und ist abgeschlossen, wenn sich die Fläche glatt und weich anfühlt.

Der erste Ölauftrag hat das Holz bereits weitgehend versiegelt. Beim zweiten Ölauftrag benötigt man deutlich weniger Öl, weil viel weniger davon in die Oberfläche eindringt. Der zweite Auftrag macht die Fläche stabiler und steigert deren Widerstandskraft gegen Flüssigkeiten. Auch nach dem zweiten Ölauftrag reiben Sie das überschüssige Öl von der Fläche ab.

Beim zweiten Ölauftrag verbraucht man deutlich weniger Leinöl für die gleiche Fläche. Man sollte auch beim zweiten Ölauftrag sehr gründlich überschüssiges Öl von der Fläche nehmen.

Abschließende Trockenzeit

Die Trockenzeit nach dem zweiten Ölauftrag beträgt zwei bis sechs Wochen. Erst dann ist die Geruchsbelästigung verschwunden und das Möbel kann benutzt werden. Was den Ort und die Art der Lagerung betrifft, gelten generell die gleichen Prinzipien wie bei der Lagerung während der ersten Trocknungsphase.

Urban woodworking Tipp: Haben Sie es jedoch nicht eilig, lagern Sie die geölten Stücke auf dem Dachboden oder in einer Garage. Meist sind diese Orte eher kalt und dunkel, was die Trockenzeit verlängert. Bis das geölte Stück getrocknet ist, dauert es dann zwar länger, dafür steht es in der Wohnung nicht im Weg und stört nicht durch seinen Leinölgeruch.

Auch nach dem zweiten Ölauftrag sollten Sie dem Leinöl ausreichend Zeit zum Aushärten geben. Die geölten Werkstücke lasse ich an einem Ort trocknen, an dem sie nicht im Weg sind und auch der Leinölgeruch nicht stört.

Urban woodworking Tipp: Konsequent ökologische Leinöloberflächen erfordern viel Geduld. Schließlich wird man jedoch belohnt mit durch und durch gesunden Möbeln. Hat man auf Trockenstoffe verzichtet, zahlt sich das auch bei der Auffrischung der Möbel aus. Denn bei der Auffrischung geölter Flächen schleift man diese an. Im anfallenden Schleifstaub ist dann kein Trockenstoff enthalten.

Weitere Artikel:

Fachliteratur

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Schleifen von Holzoberflächen – welche Körnung beim Schleifpapier?

Schleifpapier ist mit unterschiedlicher Körnung erhältlich: von sehr grob mit Körnung 40 bis  sehr fein mit Körnung 320. Für jeden Anwendungsfall gibt es die passende Körnung. Im Folgenden erfahren Sie, welche Körnung das Schleifpapier beim Schleifen von Holzoberflächen haben sollte, und wie Sie eine gleichmäßige Fläche erzielen.

Unterschiedliche Körnungen

Schleifkörner werden industriell hergestellt. Mit Hilfe von Sieben werden die einzelnen Körnungen ausgesiebt. Eine grobe Körnung soll viel Holz wegschleifen und sich dabei nicht zu schnell abnutzen. Eine feine Körnung dagegen soll für ein gleichmäßiges Schleifbild sorgen.

Nur wenn die Schleifkörner auf dem Schleifpapier alle gleich groß sind, erhält man eine gute Schleifleistung. Bei einem feinen Schleifpapier würde bereits ein einziges zu großes Schleifkorn viele hässliche Kratzer verursachen. Dies ist ein wichtiger Grund dafür, nur hochwertiges Schleifpapier zu kaufen. Hier sind Unregelmäßigkeiten bei der Körnung so gut wie ausgeschlossen.

Schleifspuren von einem Papier Körnung 40 neben Schleifspuren von einem Papier Körnung 80

Schrittweise von der groben bis zur feinen Körnung

Am Anfang beseitigt man Bearbeitungsspuren wie Unebenheiten, Materialausrisse, Bleistiftstriche und Leimreste mit einer 80er Körnung. (Wie man Bearbeitungsspuren entfernt, erfahren Sie hier.)

Das grobe Schleifpapier hinterlässt Kratzer, welche mit einem feineren Schleifpapier herausgeschliffen werden. Man arbeitet sich vom Groben ins Feine vor. Eine sinnvolle Abfolge ist beispielsweise Körnung 80; 100; 120; 150; 180; 220. Man sollte den Abstand von einer Körnung zur nächsten eher klein halten. Springt man beispielsweise von Papier Körnung 80 sofort zu einem Papier Körnung 150,  braucht man mehr Zeit, als wenn man noch ein oder zwei Körnungen (100er und 120er) zwischenschiebt.

Schleifen Sie mit wenig Druck und wechseln Sie das Schleifpapier sofort aus, wenn es stumpf ist. Ein Schleifpapier ist stumpf, wenn der Abtrag spürbar sinkt. Jetzt Druck auszuüben, um noch etwas herauszuholen, ist nicht sinnvoll. Man drückt nur die Holzfasern in die Fläche und erzeugt so ein ungleichmäßiges Schleifbild.

Materialausrisse, Leimreste und Bleistiftmarkierungen schleift man mit 80er Schleifpapier weg.
Auf der Rückseite des Schleifpapiers findet man einen Aufdruck, welcher sich auf die Schleifkorngröße bezieht. Hier abgebildet ist eine 80er Körnung. Der Zahl 80 ist ein „P“ vorangestellt. Das „P“ weist darauf hin, dass sich die Zahl auf die Schleifkorngröße bezieht.

Gleichmäßige Fläche

Vor allem zum Abschluss des Schleifens sollten Sie sicher gehen, jede Stelle mit der gleichen Körnung geschliffen zu haben. Hat man an einer Stelle mit einer gröberen Körnung geschliffen als auf der restlichen Fläche, saugt das Holz dort anders. Beizt man das Holz später, sind deutlich sichtbare Farbunterschiede die Folge. Wechseln Sie vor allem beim Feinschliff mit Körnung 150 , 180 und 220 das Schleifpapier rechtzeitig. Haben Sie an einigen Stellen stumpfes Schleifpapier verwendet und an anderen Stellen scharfes, führt das ebenfalls zu Farbunterschieden. Auch beim Lackieren und beim Ölen der Oberfläche treten unterschiedliche Anfeuerungseffekte auf, wenn unregelmäßig geschliffen wurde.

Wie fein muss eine Holzoberfläche geschliffen werden?

Zum Abschluss des Schleifens stellt sich die Frage, mit welcher Körnung man aufhören sollte. Hört man beispielsweise mit der Körnung 150 oder 180 auf, ist man schneller fertig und spart gleichzeitig Schleifpapier. Dies ist beim Schleifen mit der Hand möglich. Man sollte jedoch abschließend prüfen, ob sich die Oberfläche ausreichend glatt anfühlt.

Bei Schwingschleifer und Exzenterschleifer geht man grundsätzlich bis Körnung 220, um „Schleifkringel“ zu vermeiden. Gröbere Körnungen hinterlassen beim Maschinenschleifen kaum sichtbare Kringel, welche jedoch nach der Oberflächenbehandlung sichtbar werden.

Soll eine Oberfläche gewachst oder geölt werden, empfiehlt es sich besonders fein zu schleifen. Die natürlichen Oberflächen sind so dünn, dass man jede raue Stelle spürt. Hier schleift man sowohl mit der Maschine als auch mit der Hand bis Körnung 220.

Ist bei geölten Oberflächen der erste Auftrag getrocknet, sollte man fein zwischen schleifen. Körnung 320 empfiehlt sich, wenn die Oberfläche besonders fein werden soll. Bei einfacheren Oberflächen ist Körnung 220 ausreichend.

Tipp: Sind Sie sich nicht sicher, wie fein Sie schleifen sollen, fertigen Sie sich ein Oberflächenmuster an. Sinnvoll ist dies besonders bei größeren Projekten oder bei der Verwendung besonders wertvoller Materialien. So reduzieren Sie das Risiko eines größeren Zeit- oder Materialverlusts.

Schleifscheibe für einen Exzenterschleifer mit 125 mm Schleiftellerdurchmesser. Die Körnung ist mit P 320 sehr fein.
Bei geölten Oberflächen sorgt ein Zwischenschliff mit 320er Körnung für eine glatte und sehr angenehm zu berührende Oberfläche.

Abschleifen alter Lacke

Gröberes Schleifpapier wie Körnung 40 benötigt man nur, wenn man alte Lacke abschleifen will. Oft gilt es mehrere Lackschichten abzuschleifen, da alte Möbel immer wieder übergestrichen wurden. Hierzu steigt man mit einem 40er Papier ein. Man schleift die Lackschicht so weit ab, bis Holz zu sehen ist. Dann schleift man mit 80er Papier weiter. Im Holz würde das 40er Papier zu tiefe Kratzer hervorrufen.

Beim Abschleifen alter Lacke arbeitet man mit reduzierter Drehzahl. So vermeidet man die Entstehung von zu starker Reibungswärme. Zu viel Wärme führt zu einem vorzeitigen Zusetzen des Schleifpapiers.

Mein Rat: Sorgen Sie auch für eine gute Staubabsaugung. Staub reduziert die Schleifleistung. Außerdem enthalten alte Anstriche oft Schwermetalle. Diese sollten Sie besser nicht einatmen.

Schleifpapier mit Körnung 40 eignet sich zum Abschleifen alter Lacke.

Weitere Artikel:

Schleifen von Holzoberflächen mit der Hand

Bevor Sie mit dem Schleifen der Holzoberfläche beginnen, beseitigen Sie erst einmal alle Bearbeitungsspuren am Holz. Wie das geht, lesen Sie hier. Wenn Sie die Bearbeitungsspuren entfernt haben, können Sie mit dem Schleifen beginnen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Holzoberflächen mit der Hand schleifen.

Spannen Sie das Werkstück fest ein. So haben Sie beide Hände frei, um den Schleifklotz zu führen. Ideal ist eine stabile Hobelbank, denn sie steht fest, und das Untergestell federt nicht nach. So konzentrieren Sie ihre Kraft völlig auf die Schleifbewegung.

Mehr zum Thema „Merkmale einer guten Hobelbank“ finden Sie hier.

Man spannt das Werkstück auf der Hobelbank fest zwischen die Bankhaken.
Um die Kante zu schützen, legt man Beilegeklötzchen zwischen die Bankhaken und das Werkstück.
Eine weiche Unterlage schützt das Werkstück vor dem Verkratzen und vor Verschmutzung.

Hochwertiges Schleifpapier

Verwenden Sie nur hochwertiges Schleifpapier. Die Schleifkörner sollten fest am Papier haften und lange scharf bleiben. Schleifpapier von guter Qualität findet man im Malerfachhandel.

Hochwertiges Handschleifpapier ist beispielsweise als 50 Meter Rolle erhältlich.

Die richtige Schleifrichtung

Beim Schleifen von Holzoberflächen mit der Hand achten Sie bitte darauf, dass Sie immer parallel zur Holzfaser schleifen. Schleifen Sie dagegen quer zur Faserrichtung des Holzes, verursachen Sie tiefe Kratzer. Diese müssten Sie hinterher wieder mühsam herausschleifen.

Die richtige Schleifrichtung verläuft parallel zur Holzfaser.

Schleifpapier abreißen und mit Hilfe eines Schleifklotzes nutzen

Das Schleifpapier reißen Sie an der geraden Kante eines Brettes ab, um eine gerade Abrisskante zu erzielen.
Reißen Sie das Schleifpapier quadratisch ab.
Hier kommt ein Korkschleifklotz zum Einsatz.
Knicken Sie das Schleifpapier und klappen es an den Seiten des Schleifklotzes hoch. Während des Schleifens drücken Sie das Schleifpapier mit den Fingern an den Klotz und führen den Schleifklotz mit beiden Händen.

Das Schleifpapier optimal ausnutzen

Um das Schleifpapier auf der ganzen Fläche auszunutzen, dreht man es dreimal.

Nach dem ersten Einsatz hat man das Schleifpapier knapp zur Hälfte genutzt.
Man dreht das Schleifpapier um 90°.
Man dreht das Schleifpapier um 45°.
Erst jetzt hat man das Schleifpapier vollflächig genutzt.

Kanten brechen

Die Kanten sollten Sie mit einem 120er Papier brechen und mit einem 220er Papier fein schleifen. Bricht man die Kanten nämlich nicht, stoßen sich die Ecken ab. Das führt dazu, dass der Anstrich direkt an der Kante zerstört wird und hässliche Stellen entstehen.

Der Radius der Kante sollte 1,5 bis 2,5 mm betragen.

Nach dem Schleifen: Staub entfernen

Nach dem Schleifen befindet sich auf der Holzoberfläche noch feiner Staub. Entstauben Sie daher die Holzoberfläche vor einer weiteren Oberflächenbehandlung  gründlich. Dies erreichen Sie, indem Sie diese absaugen, abkehren oder mit einem Lappen abwischen. Ich bevorzuge es, den Staub abzusaugen, weil sich auf diese Weise praktisch kein Staub in der Atemluft verteilt. Wenn Sie den Schleifstaub abkehren wollen, begeben Sie sich besser ins Freie.

Wässern der Oberfläche

Wenn Sie die Holzoberfläche fertig geschliffen haben, nehmen Sie am besten einen Schwamm oder einen feuchten Lappen und wässern diese Fläche. So werden Leimreste und Schleifkringel deutlicher sichtbar, und Sie können noch einmal nachbessern. Da sich die Holzfasern durch das Wässern aufstellen, schleifen Sie diese mit einem 220er Papier und geringem Druck wieder weg.

Diese Vorgehensweise empfehle ich vor allem bei wichtigen Oberflächen. Bei weniger wichtigen oder weniger sichtbaren Oberflächen reicht eine gründliche Sichtkontrolle nach dem Schleifen aus.

Bereit für die weitere Behandlung

Nun ist die Fläche für die weitere Oberflächenbehandlung vorbereitet.

Weitere Artikel:

Fachliteratur:

Zur Vertiefung des Themas empfehle ich das Buch „Oberflächen behandeln“ von Melanie Kirchlechner:

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Schleifen von Holzoberflächen mit der Maschine

Grundsätzlich hat man zwei Möglichkeiten, wie man Schleifpapier auf der Holzoberfläche bewegt: Mit der Hand oder mit der Maschine. Dieser Artikel befasst sich mit dem Schleifen von Holzoberflächen mit der Maschine.

Bevor Sie mit dem eigentlichen Schleifen beginnen, empfehle ich Ihnen, zunächst einmal die Bearbeitungsspuren am Holz zu beseitigen. Wie das geht, erfahren Sie im Artikel „Schleifen von Holzoberflächen – Bearbeitungsspuren entfernen„.

Schleifen mit der Maschine

Bei Exzenterschleifern und Schwingschleifern setzt ein Motor den Schleifteller bzw. Schleifschuh in eine kreisförmige Bewegung mit einem Durchmesser von  2 bis 7 mm. Auf diese Weise bewegt man die Schleifkörner im Kreis. Dies  führt zwangsläufig dazu, dass Sie auch quer zur Faser zu schleifen. So können sichtbare „Schleifkringel“ im Holz zurückbleiben. Dies gilt bis zu einer Körnung von 180. Darum sollten Sie grundsätzlich bis Körnung 220 schleifen. Denn Schleifkringel, die bei Körnung 220 und feiner entstehen, sind mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar.

Beim Exzenterschleifer kommt zu der kleinen Drehbewegung (Schwingkreis) eine große Drehbewegung hinzu: Der ganze Schleifteller dreht sich. Exzenterschleifer erkennt man am runden Schleifteller.

Beim Schleifen mit der Schleifmaschine braucht man keinen zusätzlichen Druck ausüben, da das Eigengewicht der Maschine ausreicht. Üben Sie auf die Maschine nur wenig Druck aus, trägt das dazu bei, dass die Schleifscheibe länger hält.

Ein Getriebeexzenterschleifer sorgt für schnellen Abtrag.
Ein Exzenterschleifer eignet sich gut für feine Arbeiten wie das Schleifen furnierter Flächen.
Mit einem kleinen Schwingschleifer lassen sich auch schmale Werkstücke wie Rahmenhölzer gut schleifen. Schwingschleifer werden auch mit einer größeren Schleifplatte angeboten. Diese größeren Modelle eignen sich besonders zum Schleifen größerer Flächen.

Schleifmaschinen gut absaugen

Um sich vor Schleifstäuben zu schützen, sollte man gut absaugen. Manche Holzstäube stehen sogar im Verdacht krebserregend zu sein.

Zudem zieht eine gute Absaugung den Schleifstaub von der zu schleifenden Fläche. Dadurch entwickelt sich dort weniger Wärme, und das Schleifpapier nutzt sich langsamer ab. Das heißt, dass eine gute Staubabsaugung zu einer längeren Haltbarkeit der Schleifscheibe beiträgt.

Viele Absauglöcher in Schleifteller und Schleifpapier sorgen dafür, dass an jeder Stelle gut abgesaugt wird.
Diese Schleifscheibe haftet am Schleifteller mit Stickfix.
Schließen Sie die Schleifmaschine an einen Staubsauger an.
Schleifarbeitsplatz im Kurs „Holzoberflächen/Oberflächentechnik bei Holzwerkstoffen“ in der KursWerkstatt Nürnberg.

Gut festspannen

Wenn Sie das Werkstück gut festspannen, ermüden Ihre Arme nicht so schnell. So haben Sie auch beide Hände frei, um die Maschine gleichmäßig über die Fläche zu führen.

Mit Hilfe der Spannelemente lassen sich Werkstücke horizontal auf der Lochplatte befestigen.
Beim Einsatz der Spannelemente sichert man diese unterhalb der Lochplatte mit einer Verschraubung. So stellt man sicher, dass der Pressdruck nur horizontal wirkt.

Schleifen eines Fachbodens

Bewegen Sie die Schleifmaschine in regelmäßigen Bahnen auf der Fläche hin und her. Versuchen Sie dabei, möglichst an jeder Stelle den gleichen Abtrag zu erzielen. Besonders an den Ecken und an den Kanten sollte man vorsichtig schleifen. Hier schleift man schnell einmal zu viel weg. Ist die Fläche der Platte erst einmal rundgeschliffen, ist das nur schwer wieder zu korrigieren.

Mit einer geraden Leiste sollten Sie die Fläche in regelmäßigen Abständen kontrollieren. So stellen Sie fest, ob Sie Dellen hineingeschliffen haben. Auch rundgeschliffene Ecken und Kanten werden so früher sichtbar und man kann gegensteuern.

Um die Spannelemente beim Schleifen nicht zu verkratzen, legen Sie am besten eine Hartfaserplatte unter.
Mit einem Rotex erzielt man einen besonders hohen Abtrag.

Von Staub befreien

Nach dem Schleifen befindet sich auf der Holzoberfläche noch feiner Staub. Vor der Oberflächenbehandlung ist es daher ratsam, die Holzoberfläche gründlich zu entstauben. Man entfernt den Staub durch Abkehren, Abwischen mit einem Lappen oder Saugen. Ich bevorzuge das Absaugen des Staubs, weil ich damit Staub in der Atemluft vermeide. Zum Abkehren des Schleifstaubs begibt man sich besser ins Freie.

Tipp: Generell empfehle ich, bei staub- und lärmintensiven Arbeiten in den Außenbereich auszuweichen. (Wie Sie ein Holzprojekt im Freien planen und durchführen erfahren Sie hier.)

Mit einem Malerbesen lässt sich Staub von der Fläche kehren.

Qualitativ hochwertige Maschinen

Ich empfehle, nur qualitativ hochwertige Maschinen anzuschaffen und zu benutzen. Auf welche Merkmale Sie beim Kauf von Schleifmaschinen achten können, erfahren Sie hier.

Wässern zum Abschluss

Bei besonders sichtbaren und wichtigen Oberflächen empfehle ich, die fertig geschliffene Holzoberfläche mit einem Schwamm oder einem feuchten Lappen zu wässern. Auf diese Weise werden bisher unsichtbare Leimreste und Schleifkringel sichtbar. Durch das Wässern stehen die Holzfasern auf. Diese schleift man mit einem 220er Papier und geringem Druck weg.

Bei weniger sichtbaren oder weniger wichtigen Oberflächen reicht eine gründliche Sichtkontrolle nach dem Schleifen aus.

Nun ist die Fläche für die weitere Oberflächenbehandlung vorbereitet.

Weitere Artikel:

Fachliteratur

Wer sich mit dem Thema „Oberflächen behandeln“ eingehender beschäftigen will, dem empfehle ich das Buch „Oberflächen behandeln“ von Melanie Kirchlechner:

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Schleifen von Holzoberflächen – Bearbeitungsspuren entfernen

Will man eine Holzoberfläche lackieren, lasieren, wachsen oder ölen, sollte man zunächst das Holz von Bearbeitungsspuren befreien und anschließend gründlich schleifen. Der richtige Schliff bildet das Fundament für die spätere Oberflächenbehandlung.

Bearbeitungsspuren sind z. B. Leimreste auf dem Holz, kleine Dellen, Unebenheiten, Bleistiftstriche, Materialausrisse. In diesem Artikel gehe ich darauf ein, wie Sie die genannten Bearbeitungsspuren entfernen können. So bereiten Sie die Holzoberfläche für das Schleifen vor.

Ausgetretenen Leim entfernen

Leimwülste schneidet man ca. 1,5 bis 2 Stunden nach dem Verleimen mit einem scharfen Stemmeisen weg. Der Leim ist dann lederhart und schmiert nicht mehr. Wenn doch etwas Leim auf das Stemmeisen schmiert, sollte man diesen sofort und restlos entfernen. Andernfalls entstehen auf dem Stemmeisen Rostflecken.

Ich bevorzuge es, den Leim wegzuschneiden, da sich Leimreste besonders schwer wegschleifen lassen. Nur, was ich nicht mit dem Stemmeisen machen kann, schleife ich.

Lederharte Leimwülste lassen sich mit einem scharfen Stemmeisen wegschneiden. Sollte doch mal etwas Leim am Stemmeisen kleben bleiben, entfernt man die Verschmutzung umgehend durch intensives Reiben an einem Stück Abfallholz.

Dellen ausbessern

Sind die Holzfasern nur eingedrückt und nicht abgerissen, lassen sich Dellen mit Wasser ausbessern. Man tropft etwas Wasser auf die schadhafte Stelle. Das Wasser dringt in die Holzfaser ein. Das Holz quillt auf und bestenfalls verschwindet die Delle völlig. Dieser Vorgang lässt sich beschleunigen, wenn man ein feuchtes Tuch und ein heißes Bügeleisen verwendet. Wasserdampf lässt das Holz in kurzer Zeit hochquellen. Dellen, welche man auf diese Weise beseitigt hat, braucht man nicht mehr herausschleifen. So spart man Zeit und Schleifpapier.

Dellen sind eingedrückte Holzfasern.
Aus einem Wasserglas …
…tropft man mit dem Finger mehrfach Wasser auf die Delle.
Das Wasser wird von den Holzzellen aufgenommen. Die Zellwände quellen auf und die Delle verschwindet. Zumindest aber wird sie reduziert und lässt sich leichter herausschleifen.
Durch Wasserdampf quellen die Holzzellen in kurzer Zeit auf.

Weitere Bearbeitungsspuren mit Schleifpapier beseitigen

Weitere Bearbeitungsspuren wie Unebenheiten, Materialausrisse, Bleistiftstriche und kleinere Leimreste beseitigt man, indem man mit einer 80er Körnung darüber schleift. Das grobe Schleifpapier hinterlässt Kratzer, welche mit einem feineren Schleifpapier herausgeschliffen werden.

Bleistiftmarkierungen sind beim Möbelbau sehr hilfreich. Später werden sie weggeschliffen. Bleistiftstriche und …
… Materialausrisse schleift man mit 80er Schleifpapier weg.

Wenn Sie alle Bearbeitungsspuren beseitigt haben, ist Ihr Werkstück gut vorbereitet für das weitere Schleifen.

Weitere Artikel:

Fachliteratur

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Weitere Buchempfehlungen finden Sie auf unserer Bücherseite.

Behandlung von Oberflächen aus Holz mit Leinöl

Fast alle Oberflächen in der Wohnung aus Holz lassen sich mit Leinöl behandeln: Fußböden, Möbel und sogar Küchenarbeitsplatten. Eine mit Leinöl versehene Oberfläche ist spritzwasserfest; stehendes Wasser dringt jedoch mit der Zeit ins Holz ein. Darum sollte man es sofort wegwischen. Leinöl lässt sich einfach mit einem Lappen auftragen und ist daher sehr gut geeignet für die Verarbeitung in der eigenen Wohnung.

Leinöl eignet sich besonders für die Behandlung von Massivholzoberflächen.

Vergleich von geölten mit lackierten Oberflächen

Soll eine empfindliche Holzoberfläche effektiv geschützt werden, ist Lack dem Leinöl häufig vorzuziehen, da Lack widerstandsfähiger gegen Abrieb und Feuchtigkeit ist. Verwendet man Lack, schließt man das Holz unter einer Kunststoffschicht ein. Die Lackschicht versiegelt das Holz gegen Feuchtigkeit. Man setzt Lack beispielsweise ein, wenn man eine gebeizte Oberfläche oder eine dünne Furnierschicht behandelt. Allerdings lädt sich eine lackierte Holzoberfläche elektrostatisch auf und zieht Staubpartikel an. Außerdem fühlt sich eine Lackschicht eher steril an.

Leinöl hingegen ist kaum schichtbildend. Es dringt in die Holzoberfläche ein und härtet dort aus. Das Holz bleibt atmungsaktiv: Es kann weiterhin Wasserdampf aufnehmen und auch wieder abgeben. So wirkt das Holz auch nach der Oberflächenbehandlung ausgleichend auf das Raumklima. Streicht man mit der Hand über eine geölte Holzoberfläche, spürt man noch die Holzstruktur. Will man also die Natürlichkeit des Holzes erhalten, verwendet man Leinöl.

Buche zeigt roh eine deutlich andere Optik als geölt. Das Leinöl ist nicht schichtbildend. Schäden lassen sich partiell ausbessern.
Lack bildet im Gegensatz zum Leinöl eine Schicht auf der Holzoberfläche. Will man verkratzte Stellen ausbessern, muss man häufig die gesamte Fläche abschleifen und neu lackieren.

Leinöl: einfach zu verarbeiten

Arbeitet man in einem Kellerraum oder in der eigenen Wohnung, befinden sich immer Staubpartikel in der Luft. Beim Lackieren ist dies ein Problem. Vor allem in glänzenden Lackschichten sieht man jedes Staubkorn. Verarbeitet man Leinöl, stellt der normale Hausstaub kein Problem dar. Es genügen zwei saugfähige, nicht fuselnde Baumwolllappen für den Ölauftrag, ein paar Holzleisten und Zeitungspapier zum unterlegen.

Leinöl: einfach zu reparieren und zu pflegen

Geölte Oberflächen lassen sich leicht partiell ausbessern. Schadhafte Stellen schleift man heraus und trägt wieder Leinöl auf. Abgenutzte und verschmutzte Flächen wäscht man zunächst mit einer milden Seifenlauge ab. Anschließend schleift man sie mit einem Schleifpapier 220er Körnung an und trägt abschließend noch das Leinöl auf. Bei lackierten Flächen ist der Aufwand wesentlich größer. Meist muss die ganze Fläche abgeschliffen und die Lackschicht völlig neu aufgebaut werden.

Kleine Schäden schleift man aus einer geölten Holzoberfläche heraus und behandelt sie anschließend wieder mit Leinöl.

Leinöl und Leinölfirnis

Als Lebensmittel ist Leinöl beliebt wegen seines hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren. Man gewinnt es aus den Samen der Flachspflanze. Für die Oberflächenbehandlung von Holz eignet sich Leinöl wegen seiner Eigenschaft auszuhärten. Ist es der Raumluft ausgesetzt, verbindet es sich mit Sauerstoff: Ein Oxidationsvorgang findet statt. Dieser Trocknungsprozess kann mehrere Wochen dauern.

Um die Trocknungszeit zu verkürzen, mischen Hersteller dem Leinöl Trockenstoffe bei, welche man auch als Sikkativ bezeichnet. In früheren Zeiten setzte man Blei als Trockenstoff ein. Heute weiß man um die Giftigkeit von Blei und verwendet deswegen Ersatzstoffe wie Kobalt, Mangan und Zirkonium. Diese Stoffe sind jedoch auch nicht unbedenklich. Für meine eigenen Möbelbauprojekte verwende ich nur noch Leinöl ohne Trockenstoffe und nehme dafür die längere Trockenzeit in Kauf. Sind dem Leinöl Trockenstoffe beigemischt, bezeichnet man es als Leinölfirnis.

Leinöl wird aus den Samen der Flachspflanze gewonnen.

Verdünnung

Manche Hersteller von Leinöl mischen dem Öl Verdünnungsmittel bei, welche es dünnflüssiger machen. So lässt es sich leichter verteilen. Im Angebot sind sowohl Öle, welche mit natürlichen als auch solche, welche mit synthetischen Verdünnungsmitteln versetzt sind.

Natürliche Verdünnungsmittel wie Citrusschalenöl und Balsamterpentinöl können im Hautkontakt Allergien und Reizungen auslösen. Werden Verdünnungsdämpfe eingeatmet, treten manchmal Symptome wie Kopfschmerzen, Benommenheit, Allergien und Atemstörungen auf.

Um Gesundheitsprobleme zu vermeiden setzen Hersteller von Naturfarben vermehrt auf Isoalipate als Lösungsmittel. Sie gelten als verträglich und ungiftig. Isoalipate sind Erdölprodukte. Andere Hersteller verzichten ganz auf Verdünnungsmittel.

Selbstentzündung

Saugfähige Stoffe, welche mit Leinöl getränkt sind, können sich von selbst entzünden. Ursache hierfür ist Wärme, welche frei wird, während das Leinöl oxidiert. Zum Brand kommt es meist, wenn Lappen oder Schwämme nach dem Ölauftrag auf einen Haufen geworfen werden. Die Oxidationswärme des aushärtenden Öls staut sich, die Hitze nimmt zu und der Flammpunkt des Öls wird erreicht. Es beginnt zu brennen. Oft entsteht das Feuer erst nach einigen Stunden. Meist hat man die Werkstatt dann schon verlassen und der Brand wird viel zu spät entdeckt.

Um das Brandrisiko zu vermeiden, sollte man alle Stoffe, welche mit Öl getränkt sind aus dem Haus schaffen. Dort breitet man sie zum Trocknen aus. Sind sie durchgetrocknet ist die Gefahr gebannt. Man kann sie getrost im Hausmüll entsorgen.

Hat man den Ölauftrag abgeschlossen, sollte man die verwendeten Lappen konsequent ins Freie bringen und ausbreiten. So stellt man sicher, dass es nicht zur Selbstentzündung der Lappen durch aushärtendes Leinöl kommt.

Einsatzmöglichkeiten von Leinöl

Leinöl eignet sich besonders für Massivholzoberflächen. Möbel, Fußböden, Treppen, Innentüren und Küchenarbeitsplatten erhalten so eine natürliche Oberflächenbehandlung. Naturfarbenhersteller bieten für jedes Einsatzgebiet angepasste Leinölprodukte an. Für stärker belastete Oberflächen werden dem Leinöl Naturharze beigemischt.

Schrankinnenflächen sollte man hingegen nicht ölen. Ein Mangel an Licht und Sauerstoff verhindert dort das vollständige Aushärten des Öls. Dies hat eine dauerhafte Geruchsbelastung zur Folge. Wenn man dem Schrankinneren ebenfalls einen natürlichen Anstrich geben möchte, bietet sich die Verwendung von Schellack an. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, die Innenflächen unbehandelt zu lassen.

Soll eine Oberfläche gewachst werden, sorgt eine Grundierung mit Leinöl für mehr Stabilität und Widerstandsfähigkeit. Das Leinöl dringt in die Oberfläche ein, während das Wachs eine Schicht auf der Oberfläche bildet.

Hersteller von Naturfarben haben auch Ölprodukte für den Außenbereich im Angebot. Um eine vorzeitige Verwitterung der Bauteile zu verhindern sollte man prüfen, ob das angebotene Produkt ausreichend Schutz vor Bewitterung, Pilzen und tierischen Schädlingen bietet.

Die Leinöloptik

Leinöl feuert das Holz an: Die Holzfarbe wird kräftiger. Bei Buche beispielsweise entsteht eine rotbraune Färbung. Der Anfeuerungseffekt variiert je nachdem, welches Leinöl man verwendet und auf welche Holzart man es aufträgt. Will man den Anfeuerungseffekt vermeiden, verwendet man stattdessen Karnaubawachs oder Wasserlack.

Links sehen Sie eine Buchenfläche, welche mit Leinöl behandelt ist. Rechts sehen Sie eine unbehandelte Fläche. Die Holzfarbe wird dunkler und kräftiger.
Rechts sehen Sie eine Fichtenfläche, welche mit Leinöl behandelt ist. Links sehen Sie eine unbehandelte Fläche. Die unbehandelte Oberfläche hat eine weiß-beige Färbung. Nach der Behandlung mit Leinöl hat die Oberfläche eine rötlich-gelbe Färbung. Die Holzmaserung wird betont.
Leinöl verstärkt den Kontrast zwischen Längsholz und Hirnholz. Hirnholz hebt sich durch eine dunklere Färbung vom Längsholz ab. So betont man schöne Massivholzverbindungen.

Konsequent Natürlich

Ich selbst bevorzuge Leinöl ohne Zusatzstoffe. Produkte, welche ich verwende, enthalten weder Trockenstoffe noch Verdünnungsmittel. So vermeide ich Gesundheitsbelastungen während des Ölauftrags und erhalte eine Holzoberfläche, welche sicher nur aus Leinöl besteht. Die einzige Herausforderung bei der Verwendung von Leinöl ohne Trockenstoff ist eine Trockenzeit von bis zu zwei Monaten.

Die Trocknung der geölten Oberfläche ist abhängig von Raumtemperatur, Belüftung und Lichteinfall. Leinöl entwickelt einen starken Geruch während des Aushärtens. Erst nach dem völligen Aushärten  lässt sich das Möbel ohne Geruchsbelästigung in Wohnräumen aufstellen. Es ist also ein Dachboden, Keller oder eine Garage erforderlich um die geölte Oberfläche aushärten zu lassen. Ich persönlich nehme diesen Aufwand gerne in Kauf. So erhalte ich natürliche Holzoberflächen, welche ich gerne berühre. Dies gibt mir ein gutes Gefühl. Schließlich fasse ich Möbel wie Stühle, Tische oder Schranktüren jeden Tag an.

Möbel sind unsere täglichen Begleiter. Haben sie eine natürliche Oberflächenbehandlung, fasst man sie gerne an.

Natürliche Holzoberflächen ganz praktisch

In meinen Oberflächenkursen in der KursWerkstatt Nürnberg unterrichte ich, wie man dauerhafte und schöne Holzoberflächen aufbaut. Auftragstechniken, das richtige Schleifen und Gesundheitsschutzmaßnahmen gehören auch zu den Kursinhalten.

Lesen Sie auch den Artikel „Leinöl richtig auftragen auf Holz – eine Anleitung„.

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