Schleifen von Holzoberflächen Teil 3: Schleifen mit der Hand

Bevor Sie mit dem Schleifen beginnen, beseitigen Sie erst einmal alle Bearbeitungsspuren am Holz. Wie das geht, lesen Sie im ersten Teil meines Schleifartikels. Dort finden Sie zudem Informationen zur unterschiedlichen Schleifkörnung.

Nun spannen Sie das Werkstück fest ein. So haben Sie beide Hände frei, um den Schleifklotz zu führen. Ideal ist eine stabile Hobelbank. Sie steht fest, und das Untergestell federt nicht nach. So konzentriert man seine Kraft völlig auf die Schleifbewegung.

Mehr zum Thema „Merkmale einer guten Hobelbank“ finden Sie hier.

Man spannt das Werkstück auf der Hobelbank fest zwischen die Bankhaken.
Um die Kante zu schützen, legt man Beilegeklötzchen zwischen die Bankhaken und das Werkstück.
Eine weiche Unterlage schützt das Werkstück vor dem Verkratzen und vor Verschmutzung.

Hochwertiges Schleifpapier

Verwenden Sie nur hochwertiges Schleifpapier. Die Schleifkörner sollten fest am Papier haften und lange scharf bleiben. Schleifpapier von guter Qualität findet man im Malerfachhandel.

Hochwertiges Handschleifpapier ist beispielsweise als 50 Meter Rolle erhältlich.

Die richtige Schleifrichtung

Die Schleifbewegung sollte immer parallel zur Holzfaser laufen. Schleift man quer zur Faserrichtung des Holzes, verursacht man tiefe Kratzer, welche mühsam wieder herausgeschliffen werden müssen.

Die richtige Schleifrichtung verläuft parallel zur Holzfaser.

Schleifpapier abreißen und mit Hilfe eines Schleifklotzes nutzen

Das Schleifpapier reißt man an der geraden Kante eines Bretts ab, um eine gerade Abrisskante zu erzielen.
Man reißt das Schleifpapier quadratisch ab.
Es kommt ein Korkschleifklotz zum Einsatz.
Man knickt das Schleifpapier und klappt es an den Seiten des Schleifklotzes hoch. Während des Schleifens drückt man das Schleifpapier mit den Fingern an den Klotz. Man führt den Schleifklotz mit beiden Händen.

Das Schleifpapier optimal ausnutzen

Um das Schleifpapier auf der ganzen Fläche auszunutzen, dreht man es dreimal.

Nach dem ersten Einsatz hat man das Schleifpapier knapp zur Hälfte genutzt.
Man dreht das Schleifpapier um 90°.
Man dreht das Schleifpapier um 45°.
Erst jetzt hat man das Schleifpapier vollflächig genutzt.

Kanten brechen

Die Kanten sollten Sie mit einem 120er Papier brechen, und mit einem 220er Papier fein schleifen. Bricht man die Kanten nicht, stoßen sich die Ecken ab. Das führt dazu, dass der Anstrich direkt an der Kante zerstört wird, und hässliche Stellen entstehen.

Der Radius der Kante sollte 1,5 bis 2,5 mm betragen.

Staub entfernen

Nach dem Schleifen befindet sich auf der Holzoberfläche noch feiner Staub. Entstauben Sie daher vor der Oberflächenbehandlung die Holzoberfläche gründlich. Man entfernt ihn durch Absaugen, Abkehren oder Abwischen mit einem Lappen. Ich bevorzuge das Absaugen des Staubs, weil ich so Staub in der Atemluft vermeide. Zum Abkehren des Schleifstaubs begibt man sich besser ins Freie.

Wässern

Bei besonders sichtbaren oder wichtigen Oberflächen empfehle ich, die fertig geschliffene Holzoberfläche mit einem Schwamm oder einem feuchten Lappen zu wässern. Auf diese Weise werden bisher unsichtbare Leimreste und Schleifkringel sichtbar. Durch das Wässern stehen die Holzfasern auf. Diese schleift man mit einem 220er Papier und geringem Druck weg.

Bei weniger sichtbaren oder weniger wichtigen Oberflächen reicht eine gründliche Sichtkontrolle nach dem Schleifen aus.

Fertig

Nun ist die Fläche für die weitere Oberflächenbehandlung vorbereitet.

Weitere Artikel:

Fachliteratur:

Zur Vertiefung des Themas empfehle ich das Buch „Oberflächen behandeln“ von Melanie Kirchlechner:

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Schleifen von Holzoberflächen Teil 2: Schleifen mit der Maschine

Im ersten Teil meines Schleifartikels habe ich vor allem beschrieben, wie Sie Bearbeitungsspuren am Holz beseitigen können. Außerdem habe ich ein paar grundlegende Tipps zum Schleifpapier und zum Schleifen gegeben.

Nun geht es weiter mit dem Schleifen an sich. Grundsätzlich hat man zwei Möglichkeiten, das Schleifpapier auf der Holzoberfläche zu bewegen: Mit der Hand oder mit der Maschine.

Dieser Teil befasst sich mit dem Schleifen von Holzoberflächen mit der Schleifmaschine:

Schleifen mit der Maschine

Bei Exzenterschleifern und Schwingschleifern setzt ein Motor den Schleifteller in eine kreisförmige Bewegung. Dieser Schwingkreis hat einen Durchmesser von  2 bis 7 Millimetern. Bewegt man ein Schleifkorn im Kreis, führt das zwangsläufig dazu, auch quer zur Faser zu schleifen. So können sichtbare „Schleifkringel“ im Holz zurückbleiben. Dies gilt bis zu einer Körnung von 180. Darum sollte man grundsätzlich bis Körnung 220 schleifen. Schleifkringel, die bei Körnung 220 und feiner entstehen, sind mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar.

Beim Exzenterschleifer kommt zu der kleinen Drehbewegung (Schwingkreis) eine große Drehbewegung hinzu: Der ganze Schleifteller dreht sich. Exzenterschleifer erkennt man am runden Schleifteller.

Beim Schleifen mit der Schleifmaschine braucht man keinen zusätzlichen Druck ausüben. Das Eigengewicht der Maschine reicht aus.

Ein Getriebeexzenterschleifer sorgt für schnellen Abtrag.
Ein Exzenterschleifer eignet sich gut für feine Arbeiten wie das Schleifen furnierter Flächen.
Mit einem kleinen Schwingschleifer lassen sich auch schmale Werkstücke wie Rahmenhölzer gut schleifen. Schwingschleifer werden auch mit einer größeren Schleifplatte angeboten. Diese größeren Modelle eignen sich besonders zum Schleifen größerer Flächen.

Schleifmaschinen gut absaugen

Um sich vor Schleifstäuben zu schützen, sollte man gut absaugen. Manche Holzstäube stehen sogar im Verdacht krebserregend zu sein. Zudem zieht eine gute Absaugung den Schleifstaub von der zu schleifenden Fläche. So setzt das Schleifpapier langsamer zu, und es kommt zu einer geringeren Wärmeentwicklung. Wenig Druck und gute Staubabsaugung führen zu einer längeren Haltbarkeit der Schleifscheibe.

Viele Absauglöcher in Schleifteller und Schleifpapier sorgen dafür, dass an jeder Stelle gut abgesaugt wird.
Diese Schleifscheibe haftet am Schleifteller mit Stickfix.
Schließen Sie die Schleifmaschine an einen Staubsauger an.
Schleifarbeitsplatz im Kurs „Holzoberflächen/Oberflächentechnik bei Holzwerkstoffen“ in der KursWerkstatt Nürnberg.

Gut festspannen

Wenn Sie das Werkstück gut festspannen, ermüden Ihre Arme nicht so schnell. So haben Sie auch beide Hände frei, um die Maschine gleichmäßig über die Fläche zu führen.

Mit Hilfe der Spannelemente lassen sich Werkstücke horizontal auf der Lochplatte befestigen.
Beim Einsatz der Spannelemente sichert man diese unterhalb der Lochplatte mit einer Verschraubung. So stellt man sicher, dass der Pressdruck nur horizontal wirkt.

Schleifen eines Fachbodens

Man bewegt die Schleifmaschine in regelmäßigen Bahnen auf der Fläche hin und her. Dabei versucht man möglichst an jeder Stelle den gleichen Abtrag zu erzielen. Besonders an den Ecken und an den Kanten sollte man vorsichtig schleifen. Hier schleift man schnell einmal zu viel weg. Ist die Fläche der Platte erst einmal rundgeschliffen ist das nur schwer wieder zu korrigieren. Mit einer geraden Leiste sollte man die Fläche in regelmäßigen Abständen kontrollieren. So stellt man fest, ob man Dellen hineingeschliffen hat. Auch rundgeschliffene Ecken und Kanten werden so früher sichtbar und man kann gegensteuern.

Um die Spannelemente beim Schleifen nicht zu verkratzen, legen Sie am besten eine Hartfaserplatte unter.
Mit einem Rotex erzielt man einen besonders hohen Abtrag.

Von Staub befreien

Vor der Oberflächenbehandlung ist es ratsam die Holzoberfläche gründlich zu entstauben. Nach dem Schleifen befindet sich auf der Holzoberfläche noch feiner Staub. Man entfernt ihn durch Abkehren, Abwischen mit einem Lappen oder Saugen. Ich bevorzuge das Absaugen des Staubs, weil ich so Staub in der Atemluft vermeide. Zum Abkehren des Schleifstaubs begibt man sich besser ins Freie.

Mit einem Malerbesen lässt sich Staub von der Fläche kehren.

Qualitativ hochwertige Maschinen

Ich empfehle, nur qualitativ hochwertige Maschinen anzuschaffen und zu benutzen. Auf welche Merkmale Sie beim Kauf von Schleifmaschinen achten können, erfahren Sie hier.

Wässern zum Abschluss

Bei besonders sichtbaren und wichtigen Oberflächen empfehle ich, die fertig geschliffene Holzoberfläche mit einem Schwamm oder einem feuchten Lappen zu wässern. Auf diese Weise werden bisher unsichtbare Leimreste und Schleifkringel sichtbar. Durch das Wässern stehen die Holzfasern auf. Diese schleift man mit einem 220er Papier und geringem Druck weg.

Bei weniger sichtbaren oder weniger wichtigen Oberflächen reicht eine gründliche Sichtkontrolle nach dem Schleifen aus.

Fertig

Nun ist die Fläche für die weitere Oberflächenbehandlung vorbereitet.

Weitere Artikel:

Fachliteratur

Wer sich mit dem Thema „Oberflächen behandeln“ eingehender beschäftigen will, dem empfehle ich das Buch „Oberflächen behandeln“ von Melanie Kirchlechner:

Beim Kauf des Buchs über diesen Link unterstützen Sie diesen Blog.

Schleifen von Holzoberflächen Teil 1: Schleifen vorbereiten und Schleifgrundlagen

Will man eine Holzoberfläche lackieren, lasieren, wachsen oder ölen, sollte man zunächst das Holz von Bearbeitungsspuren befreien und anschließend gründlich schleifen. Der richtige Schliff bildet das Fundament für die spätere Oberflächenbehandlung.

Bearbeitungsspuren sind z. B. Leimreste auf dem Holz, kleine Dellen, Unebenheiten, Bleistiftstriche, Materialausrisse.

Im ersten Teil meines Schleifartikels gehe ich vor allem darauf ein, wie Sie die genannten Bearbeitungsspuren entfernen können. So bereiten Sie die Holzoberfläche für das Schleifen vor. Außerdem gebe ich ein paar grundlegende Tipps  zum Schleifen.

Ausgetretenen Leim entfernen

Leimwülste schneidet man ca. 1,5 bis 2 Stunden nach dem Verleimen mit einem scharfen Stemmeisen weg. Der Leim ist dann lederhart und schmiert nicht mehr. Wenn doch etwas Leim auf das Stemmeisen schmiert, sollte man diesen sofort und restlos entfernen. Andernfalls entstehen auf dem Stemmeisen Rostflecken.

Ich bevorzuge es, den Leim wegzuschneiden, da sich Leimreste besonders schwer wegschleifen lassen. Nur, was ich nicht mit dem Stemmeisen machen kann, schleife ich.

Lederharte Leimwülste lassen sich mit einem scharfen Stemmeisen wegschneiden. Sollte doch mal etwas Leim am Stemmeisen kleben bleiben, entfernt man die Verschmutzung umgehend durch intensives Reiben an einem Stück Abfallholz.

Dellen ausbessern

Sind die Holzfasern nur eingedrückt und nicht abgerissen, lassen sich Dellen mit Wasser ausbessern. Man tropft etwas Wasser auf die schadhafte Stelle. Das Wasser dringt in die Holzfaser ein. Das Holz quillt auf und bestenfalls verschwindet die Delle völlig. Dieser Vorgang lässt sich beschleunigen, wenn man ein feuchtes Tuch und ein heißes Bügeleisen verwendet. Wasserdampf lässt das Holz in kurzer Zeit hochquellen. Dellen, welche man auf diese Weise beseitigt hat, braucht man nicht mehr herausschleifen. So spart man Zeit und Schleifpapier.

Dellen sind eingedrückte Holzfasern.
Aus einem Wasserglas …
…tropft man mit dem Finger mehrfach Wasser auf die Delle.
Das Wasser wird von den Holzzellen aufgenommen. Die Zellwände quellen auf und die Delle verschwindet. Zumindest aber wird sie reduziert und lässt sich leichter herausschleifen.
Durch Wasserdampf quellen die Holzzellen in kurzer Zeit auf.

Weitere Bearbeitungsspuren mit Schleifpapier beseitigen

Weitere Bearbeitungsspuren wie Unebenheiten, Materialausrisse, Bleistiftstriche und kleinere Leimreste beseitigt man, indem man mit einer 80er Körnung darüber schleift. Das grobe Schleifpapier hinterlässt Kratzer, welche mit einem feineren Schleifpapier herausgeschliffen werden.

Bleistiftmarkierungen sind beim Möbelbau sehr hilfreich. Später werden sie weggeschliffen. Bleistiftstriche und …
… Materialausrisse schleift man mit 80er Schleifpapier weg.

Tipps zum Schleifen

Man arbeitet sich beim Schleifen vom Groben ins Feine vor. Eine sinnvolle Abfolge ist Körnung 80; 100; 120; 150; 180; 220. Man sollte den Abstand von einer Körnung zur nächsten eher klein halten. Springt man beispielsweise von der groben 80er Körnung sofort zu der relativ feinen Körnung 150,  braucht man mehr Zeit, als wenn man noch ein oder zwei Körnungen (100er und 120er) zwischenschiebt.

Die Körnung des Schleifpapiers ist meist hinten aufgedruckt.

Schleifen Sie mit wenig Druck und wechseln Sie das Schleifpapier sofort aus, wenn es stumpf ist. Ein Schleifpapier ist stumpf, wenn der Abtrag spürbar sinkt. Jetzt Druck auszuüben, um noch etwas herauszuholen, ist nicht sinnvoll. Man drückt nur die Holzfasern in die Fläche und erzeugt so ein ungleichmäßiges Schleifbild.

Gleichmäßige Fläche

Vor allem zum Abschluss des Schleifens sollte man sicher gehen, jede Stelle mit der gleichen Körnung geschliffen zu haben. Hat man an einer Stelle mit einer gröberen Körnung geschliffen als auf der restlichen Fläche, saugt das Holz dort anders. Trägt man dann später den Anstrich auf, sind häufig Farbunterschiede die Folge, welche deutlich sichtbar sind.

Wechseln Sie vor allem beim Feinschliff mit Körnung 150 bis 220 das Schleifpapier rechtzeitig. Haben Sie an einigen Stellen stumpfes Schleifpapier verwendet und an anderen Stellen scharfes, führt das ebenfalls zu Farbunterschieden.

Weitere Artikel:

Fachliteratur

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Behandlung von Oberflächen aus Holz mit Leinöl

Fast alle Oberflächen in der Wohnung aus Holz lassen sich mit Leinöl behandeln: Fußböden, Möbel und sogar Küchenarbeitsplatten. Eine mit Leinöl versehene Oberfläche ist spritzwasserfest; stehendes Wasser dringt jedoch mit der Zeit ins Holz ein. Darum sollte man es sofort wegwischen. Leinöl lässt sich einfach mit einem Lappen auftragen und ist daher sehr gut geeignet für die Verarbeitung in der eigenen Wohnung.

Leinöl eignet sich besonders für die Behandlung von Massivholzoberflächen.

Vergleich von geölten mit lackierten Oberflächen

Soll eine empfindliche Holzoberfläche effektiv geschützt werden, ist Lack dem Leinöl häufig vorzuziehen, da Lack widerstandsfähiger gegen Abrieb und Feuchtigkeit ist. Verwendet man Lack, schließt man das Holz unter einer Kunststoffschicht ein. Die Lackschicht versiegelt das Holz gegen Feuchtigkeit. Man setzt Lack beispielsweise ein, wenn man eine gebeizte Oberfläche oder eine dünne Furnierschicht behandelt. Allerdings lädt sich eine lackierte Holzoberfläche elektrostatisch auf und zieht Staubpartikel an. Außerdem fühlt sich eine Lackschicht eher steril an.

Leinöl hingegen ist kaum schichtbildend. Es dringt in die Holzoberfläche ein und härtet dort aus. Das Holz bleibt atmungsaktiv: Es kann weiterhin Wasserdampf aufnehmen und auch wieder abgeben. So wirkt das Holz auch nach der Oberflächenbehandlung ausgleichend auf das Raumklima. Streicht man mit der Hand über eine geölte Holzoberfläche, spürt man noch die Holzstruktur. Will man also die Natürlichkeit des Holzes erhalten, verwendet man Leinöl.

Buche zeigt roh eine deutlich andere Optik als geölt. Das Leinöl ist nicht schichtbildend. Schäden lassen sich partiell ausbessern.
Lack bildet im Gegensatz zum Leinöl eine Schicht auf der Holzoberfläche. Will man verkratzte Stellen ausbessern, muss man häufig die gesamte Fläche abschleifen und neu lackieren.

Leinöl: einfach zu verarbeiten

Arbeitet man in einem Kellerraum oder in der eigenen Wohnung, befinden sich immer Staubpartikel in der Luft. Beim Lackieren ist dies ein Problem. Vor allem in glänzenden Lackschichten sieht man jedes Staubkorn. Verarbeitet man Leinöl, stellt der normale Hausstaub kein Problem dar. Es genügen zwei saugfähige, nicht fuselnde Baumwolllappen für den Ölauftrag und ein paar Holzleisten und Zeitungspapier zum unterlegen.

Leinöl: einfach zu reparieren und zu pflegen

Geölte Oberflächen lassen sich leicht partiell ausbessern. Schadhafte Stellen schleift man heraus und trägt wieder Leinöl auf. Abgenutzte und verschmutzte Flächen wäscht man zunächst mit einer milden Seifenlauge ab, schleift sie anschließend mit einem Schleifpapier mit 220er Körnung an und trägt abschließend noch das Leinöl auf. Bei lackierten Flächen ist der Aufwand wesentlich größer. Meist muss die ganze Fläche abgeschliffen und die Lackschicht völlig neu aufgebaut werden.

Kleine Schäden schleift man aus einer geölten Holzoberfläche heraus und behandelt sie anschließend wieder mit Leinöl.

Leinöl und Leinölfirnis

Als Lebensmittel ist Leinöl beliebt wegen seines hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren. Man gewinnt es aus den Samen der Flachspflanze. Für die Oberflächenbehandlung von Holz eignet sich Leinöl wegen seiner Eigenschaft auszuhärten. Ist es der Raumluft ausgesetzt, verbindet es sich mit Sauerstoff: Ein Oxidationsvorgang findet statt. Der Trocknungsprozess kann mehrere Wochen dauern.

Um die Trocknungszeit zu verkürzen, mischen Hersteller dem Leinöl Trockenstoffe bei, welche man auch als Sikkativ bezeichnet. In früheren Zeiten setzte man Blei als Trockenstoff ein. Heute weiß man um die Giftigkeit von Blei und verwendet deswegen Ersatzstoffe wie Kobalt, Mangan und Zirkonium. Diese Stoffe sind jedoch auch nicht unbedenklich. Für meine eigenen Möbelbauprojekte verwende ich nur noch Leinöl ohne Trockenstoffe und nehme dafür die längere Trockenzeit in Kauf. Sind dem Leinöl Trockenstoffe beigemischt, bezeichnet man es als Leinölfirnis.

Leinöl wird aus den Samen der Flachspflanze gewonnen.

Verdünnung

Manche Hersteller von Leinöl mischen dem Öl Verdünnungsmittel bei, welche es dünnflüssiger machen. So lässt es sich leichter verteilen. Im Angebot sind sowohl Öle, welche mit natürlichen als auch solche, welche mit synthetischen Verdünnungsmitteln versetzt sind.

Natürliche Verdünnungsmittel wie Citrusschalenöl und Balsamterpentinöl können im Hautkontakt Allergien und Reizungen auslösen. Werden Verdünnungsdämpfe eingeatmet, treten manchmal Symptome wie Kopfschmerzen, Benommenheit, Allergien und Atemstörungen auf.

Um Gesundheitsprobleme zu vermeiden setzen Hersteller von Naturfarben vermehrt auf Isoalipate als Lösungsmittel. Sie gelten als verträglich und ungiftig. Isoalipate sind Erdölprodukte. Andere Hersteller verzichten ganz auf Verdünnungsmittel.

Selbstentzündung

Saugfähige Stoffe, welche mit Leinöl getränkt sind, können sich von selbst entzünden. Ursache hierfür ist Wärme, welche frei wird, während das Leinöl oxidiert. Zum Brand kommt es meist, wenn Lappen oder Schwämme nach dem Ölauftrag auf einen Haufen geworfen werden. Die Oxidationswärme des aushärtenden Öls staut sich, die Hitze nimmt zu und der Flammpunkt des Öls wird erreicht. Es beginnt zu brennen. Oft entsteht das Feuer erst nach einigen Stunden. Meist hat man die Werkstatt dann schon verlassen und der Brand wird viel zu spät entdeckt.

Um das Brandrisiko zu vermeiden, sollte man alle Stoffe, welche mit Öl getränkt sind aus dem Haus schaffen. Dort breitet man sie zum Trocknen aus. Sind sie durchgetrocknet ist die Gefahr gebannt. Man kann sie getrost im Hausmüll entsorgen.

Hat man den Ölauftrag abgeschlossen, sollte man die verwendeten Lappen konsequent ins Freie bringen und ausbreiten. So stellt man sicher, dass es nicht zur Selbstentzündung der Lappen durch aushärtendes Leinöl kommt.

Einsatzmöglichkeiten von Leinöl

Leinöl eignet sich besonders für Massivholzoberflächen. Möbel, Fußböden, Treppen, Innentüren und Küchenarbeitsplatten erhalten so eine natürliche Oberflächenbehandlung. Naturfarbenhersteller bieten für jedes Einsatzgebiet angepasste Leinölprodukte an. Für stärker belastete Oberflächen werden dem Leinöl Naturharze beigemischt.

Schrankinnenflächen sollte man nicht ölen. Ein Mangel an Licht und Sauerstoff verhindert dort das vollständige Aushärten des Öls. Dies hat eine dauerhafte Geruchsbelastung zur Folge. Wenn man dem Schrankinneren ebenfalls einen natürlichen Anstrich geben möchte, bietet sich die Verwendung von Schellack an. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, die Innenflächen unbehandelt zu lassen.

Soll eine Oberfläche gewachst werden, sorgt eine Grundierung mit Leinöl für mehr Stabilität und Widerstandsfähigkeit. Das Leinöl dringt in die Oberfläche ein, während das Wachs eine Schicht auf der Oberfläche bildet.

Hersteller von Naturfarben haben auch Ölprodukte für den Außenbereich im Angebot. Um eine vorzeitige Verwitterung der Bauteile zu verhindern sollte man prüfen, ob das angebotene Produkt ausreichend Schutz vor Bewitterung, Pilzen und tierischen Schädlingen bietet.

Die Leinöloptik

Leinöl feuert das Holz an: Die Holzfarbe wird kräftiger. Bei Buche beispielsweise entsteht eine rotbraune Färbung. Der Anfeuerungseffekt variiert je nachdem, welches Leinöl man verwendet und auf welche Holzart man es aufträgt. Will man den Anfeuerungseffekt vermeiden, verwendet man stattdessen Karnaubawachs oder Wasserlack.

Links sehen Sie eine Buchenfläche, welche mit Leinöl behandelt ist. Rechts sehen Sie eine unbehandelte Fläche. Die Holzfarbe wird dunkler und kräftiger.
Rechts sehen Sie eine Fichtenfläche, welche mit Leinöl behandelt ist. Links sehen Sie eine unbehandelte Fläche. Die unbehandelte Oberfläche hat eine weiß-beige Färbung. Nach der Behandlung mit Leinöl hat die Oberfläche eine rötlich-gelbe Färbung. Die Holzmaserung wird betont.
Leinöl verstärkt den Kontrast zwischen Längsholz und Hirnholz. Hirnholz hebt sich durch eine dunklere Färbung vom Längsholz ab. So betont man schöne Massivholzverbindungen.

Konsequent Natürlich

Ich selbst bevorzuge Leinöl ohne Zusatzstoffe. Produkte, welche ich verwende, enthalten weder Trockenstoffe noch Verdünnungsmittel. So vermeide ich Gesundheitsbelastungen während des Ölauftrags und erhalte eine Holzoberfläche, welche sicher nur aus Leinöl besteht. Die einzige Herausforderung bei der Verwendung von Leinöl ohne Trockenstoff ist eine Trockenzeit von bis zu zwei Monaten. Die Trocknung der geölten Oberfläche ist abhängig von Raumtemperatur, Belüftung und Lichteinfall. Leinöl entwickelt einen starken Geruch während des Aushärtens. Erst nach dem völligen Aushärten  lässt sich das Möbel ohne Geruchsbelästigung in Wohnräumen aufstellen. Es ist also ein Dachboden, Keller oder eine Garage erforderlich um die geölte Oberfläche aushärten zu lassen. Ich persönlich nehme diesen Aufwand gerne in Kauf. So erhalte ich natürliche Holzoberflächen, welche ich gerne berühre. Dies gibt mir ein gutes Gefühl. Schließlich fasse ich Möbel wie Stühle, Tische oder Schranktüren jeden Tag an.

Möbel sind unsere täglichen Begleiter. Haben sie eine natürliche Oberflächenbehandlung, fasst man sie gerne an.

Natürliche Holzoberflächen ganz praktisch

In meinen Oberflächenkursen in der KursWerkstatt Nürnberg unterrichte ich, wie man dauerhafte und schöne Holzoberflächen aufbaut. Auftragstechniken, das richtige Schleifen und Gesundheitsschutzmaßnahmen gehören auch zu den Kursinhalten.

Weitere Artikel zum Thema sind geplant

Dieser Artikel ist erst einmal ein Einstieg in das Thema Leinöl. Zur praktischen Anwendung wird es noch weitere Blogbeiträge geben. Wer diese Beiträge nicht mehr abwarten will, kann sich bei den Herstellern von Naturfarben Anregungen holen. Viele Firmen veröffentlichen technische Merkblätter zu ihren Produkten und geben Tipps für die Verarbeitung.

Weitere Artikel

Fachliteratur

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