Flachdübelfräse Anleitung Teil 2: die Holzverbindung herstellen

In meinem Blogartikel „Flachdübelfräse Anleitung Teil 1“ habe ich bereits das Verbindungsmittel – den Flachdübel – besprochen. Im zweiten Teil dieser Reihe beschreibe ich nun die Handhabung der Flachdübelfräse bei Korpus-Eckverbindungen.

Die Herstellung von präzisen und stabilen Eckverbindungen ist im Möbelbau enorm wichtig. Auch der Faktor Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Diesen Anforderungen genügt die Flachdübelfräse voll und ganz. Zudem ist sie auch für Anfänger leicht zu handhaben.

Das Projekt: eine Kiste für Nuthobel

Bei dem Projekt, das ich im Folgenden bespreche, handelt es sich um eine einfache Lagerkiste für Nuthobel. In einzelnen Schritten zeige ich das Vorgehen beim Möbelbau im Kleinen. Alle gezeigten Arbeitstechniken sind aber auch für große Projekte tauglich.

Für die Kiste habe ich eine 19 Millimeter starke Fichte Dreischichtplatte verwendet. Der Zuschnitt der Bauteile ist auf einer Tischkreissäge erfolgt. Die Boden-Nut wurde mit einem 5 mm Scheibennutfräser gefräst. Man kann die Nut aber auch auf der Tischkreissäge einsägen. Der Boden besteht aus einer 5 mm starken Kiefer Furniersperrholzplatte.

Materialliste für die Nuthobelkiste

Bezeichnung des BauteilsMaterialStückLängeBreiteDicke
Längsseite19 mm starke Fichte Dreischichtplatte230320019
Querseite19 mm starke Fichte Dreischichtplatte223020019
Boden5 mm starke Kiefer Furniersperrholzplatte12792455

Das Schreinerdreieck

Man legt die Bauteile der Kiste T-förmig zusammen und markiert sie mit dem Schreinerdreieck. Dieses dient zur Orientierung während des gesamten Bauvorgangs. Über die horizontal liegenden Bauteile zeichnet man ein gleichseitiges Dreieck und über die vertikal stehenden Bauteile ein spitzes Dreieck.

Das Anreißen der Flachdübelverbindung

Mit einem Reststück des Materials überträgt man die Materialstärke exakt auf das Bauteil: Zunächst markiert man die Materialstärke rechts und links auf dem Bauteil jeweils mit einem Bleistiftstrich …
… und verbindet anschließend beide Markierungen mit Hilfe eines Lineals.
Dieses Bauteil stellt man so auf das flach liegende Bauteil, wie es später im fertigen Korpus sitzen soll und orientiert sich dabei mit Hilfe des Schreinerdreiecks.
Man kippt das Bauteil so, dass die Innenflächen aneinander liegen. Das Schreinerdreieck dient dabei als Orientierung. Man sollte sorgfältig darauf achten, dass immer die Innenflächen aneinander liegen. Die Fräsung sitzt bei der Flachdübelfräse fast nie genau in der Mitte. Ein Verdrehen der Flächen würde zu einem Versatz führen.
Das Bauteil, welches man in die Kante fräst, steht um Materialstärke zurück.
In dieser Position spannt man die beiden Bauteile zusammen. Es ist hilfreich, den Rücksprung um die Materialstärke nun noch einmal mit einem Stück Originalmaterial zu prüfen.

Positionierung der Flachdübel in der Eckverbindung

Bei einer Eckverbindung mit 200 mm Breite, wie bei unserer Nuthobelkiste, sind zwei Flachdübel Größe 20 völlig ausreichend. Erst ab einer Breite von 280 mm sind drei Flachdübel Größe 20 sinnvoll. Weitere Flachdübel der gleichen Größe sollten ca. alle 130 mm  hinzukommen.

Bei der Positionierung der Flachdübel ist zu beachten, dass man einerseits so nah wie möglich an der Kante fräst, um ein Aufgehen der Fugen zu vermeiden. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht zu nah an der Kante fräsen, damit keine sichtbaren Löcher in der Werkstückkante entstehen. Bei unserer Nuthobelkiste habe ich einen Mindestabstand von 45 mm von der Mitte der Fräsung zur Werkstück Vorderkante eingehalten. Zur Hinterkante war es ein Abstand von 50 mm wegen der Rückwandnut.

Man legt die Anzahl der Flachdübel pro Ecke fest. Bei dieser Nuthobelkiste reichen zwei Flachdübel, um eine stabile Eckverbindung herzustellen.
Die Mitte der Fräsung wird mit einem Bleistiftstrich markiert. Da sich der Flachdübel nach dem Fräsen noch bis zu 4 mm parallel zur Nut verschieben lässt, reicht es hier aus, den Bleistiftstrich nach Augenmaß zu setzen.

Das Fräsen der Flachdübelverbindung

Die Fräse hat zu wenig Auflagefläche und läuft Gefahr abzukippen.
Wenn man ein Plattenstück von gleicher Materialstärke beilegt, hat die Grundplatte der Maschine ausreichend Auflage und kippt nicht ab. So lässt sich die Maschine ruhig und sicher führen; und später sitzen die Flachdübel fest in der Nut.
Horizontale Fräsung: Am Anschlag der Maschine befindet sich eine Mittenmarkierung, welche man an der Bleistiftmarkierung anlegt. Sie markiert den Mittelpunkt des Fräsers. Beim Fräsen nach Anriss orientiert man sich an der Mittenmarkierung.
Man legt die Maschine so an, dass die Mittenmarkierung mit der Bleistiftmarkierung übereinstimmt und fräst horizontal in die Kante.
Vertikale Fräsung: Für die vertikale Fräsung dreht man die Maschine in die Vertikale. Auf dem Gehäuseboden befindet sich ebenfalls eine Mittenmarkierung. Diese Mittenmarkierung legt man an der gleichen Bleistiftmarkierung an …
…und fräst vertikal in die Fläche.

Überprüfen der Flachdübelverbindung

Sind alle vier Eckverbindungen gefräst, sollte man überprüfen ob die Fräsungen passen. Dazu steckt man die Kiste ohne Leim  komplett zusammen. Erst wenn  sich alle vier Ecken passgenau zusammenschieben lassen, sollte man mit dem Verleimen beginnen.

Sind alle vier Ecken gefräst, steckt man die Flachdübel ohne Leim in die Nut
Man fügt alle Bauteile zusammen.
Passen die Verbindungen sauber zusammen, kann man beruhigt verleimen.

Verleimen der Holzverbindung

Im Artikel „Flachdübelfräse Anleitung Teil 3: Verleimen der Holzverbindung“ erkläre ich  das fachgerechte Verleimen des Korpus.

Weitere Artikel:

Weiterführende Fachliteratur:

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