Japanische Stemmeisen – eine kurze Einführung

Wer europäische Stemmeisen gewohnt ist, betrachtet japanische Stemmeisen erst einmal mit Verwunderung. Sofort fallen die schmiedeeiserne Optik und die kurze Bauform ins Auge. Erst wenn man sie anwendet, erkennt man die Stärken dieser Werkzeuge: Man erzielt eine höhere Schneidenschärfe als bei europäischen Stemmeisen aufgrund der feineren Stahlstruktur. Das macht japanische Stemmeisen für die Bearbeitung von Massivholz besonders geeignet.

Einsatzgebiete für japanische Stemmeisen

Die Schneiden japanischer Stemmeisen sind sehr scharf und durchtrennen Holzfasern sehr sauber. Das ist ideal für klassische Holzverbindungen wie „Schwalbenschwänze“ oder „Schlitz und Zapfen“. Denn hier  kommt es auf präzises Arbeiten an.

Gleichzeitig sind die Schneiden japanischer Stemmeisen aber auch spröde. Somit eignen sie sich weniger für grobe Stemmarbeiten in Spanplatten, dem Entfernen festgetrockneter Leimwülste oder in der Bauschreinerei. Hier sind eher europäische Stemmeisen zu empfehlen. Ihr Stahl ist weniger ausbruchgefährdet.

Will man feine Holzverbindungen präzise ausarbeiten, …
… sind japanische Stemmeisen die beste Wahl.

Der erste Stemmeisensatz

Sucht man im Internet nach japanischen Stemmeisen, fallen sofort die großen Preisunterschiede auf. So findet man einen Satz bestehend aus sechs Stemmeisen schon ab etwas über hundert Euro. Man kann aber auch für ein einziges Stemmeisen deutlich über zweihundert Euro ausgeben. Der Rücken eines solch teuren Stemmeisens zeigt oft die Struktur von gefaltetem Stahl, welcher in Japan Suminagashi genannt wird. In Europa ist dieser Stahl auch als Damaszenerstahl bekannt.

Meiner Meinung nach sollte man nicht gleich in dieser gehobenen Preislage einsteigen. Es genügt ein einfaches aber solides Stemmeisen. Entscheidend für die Gebrauchstauglichkeit ist die Qualität des Stahls. Diese lässt sich von außen nicht erkennen. Stahl ist Vertrauenssache. Die Qualität hängt vom Schmiedevorgang ab. In vielen aufeinander abgestimmten Arbeitsgängen entsteht eine hochwertige Klinge. Für diese Arbeitsgänge braucht es viel Fachwissen und Sorgfalt. Beides ist bei traditionellen japanischen Herstellern vorhanden. Besonders Händler, welche lange im Geschäft sind, verfügen über große Erfahrung mit den Produkten ihrer Lieferanten. Bei diesen Händlern sind die Chancen am besten, etwas Gutes zu bekommen.

Ich empfehle einen Einsteigersatz, welcher aus sechs Stemmeisen besteht. Folgende Schneidenbreiten sind sinnvoll: 3er, 6er, 9er, 12er, 18er, 24er

Ein guter Einsteigersatz sind Oire Nomi

Oire Nomi sind Stemmeisen, welche vielseitig einsetzbar sind. Besonders gut geeignet sind sie für Holzverbindungen und feine Nacharbeiten bei Massivholz. Die Eisen werden in Japan gefertigt und nach Europa importiert. Ein 6-teiliger Einsteigersatz kostet im Handel zwischen 150,-€ und 200,-€.

Zu Beginn sollte man sich erst einmal darauf fokussieren, sich mit den japanischen Stemmeisen vertraut zu machen. Einfache Eisen von guter Qualität halte ich am Anfang für sinnvoll. So gewinnt man an Sicherheit und sammelt Erfahrung. Hat man eine solide Grundlage gelegt, kann man immer noch entscheiden, ob man sich ein Spitzenprodukt japanischer Schmiedekunst mit einer Klinge aus gefaltetem Stahl gönnen möchte. Achten sie bei der Auswahl eines Stemmeisensatzes darauf, dass auch ein 3er Eisen dabei ist. Dieses ist wichtig, um auch kleine Schwalbenschwänze oder schmale Schlitze auszustemmen.

Achten Sie darauf, ein schmales Stemmeisen mit 3 mm Schneidenbreite dabei zu haben.
Japanisches Stemmeisen mit einem Grundkörper aus gefaltetem Stahl.

Zweilagenstahl

Die Klinge des japanischen Stemmeisens besteht aus einem Grundkörper aus weichem Eisen und einer harten Stahlschicht, welche die Schneide ausbildet. Die dickere Schicht aus Eisen ist weicher und elastischer. Sie dämpft die Schläge und sorgt für Stabilität. Der härtere Schneidenstahl bildet die dünnere Schicht.

Die Schneide eines japanischen Stemmeisens besteht aus Kohlenstoffstahl, welcher härter ist als der Stahl europäischer Stemmeisen. So bleiben japanische Stemmeisen länger scharf, bis sie wieder geschärft werden müssen. Den Zeitraum von einem Schärfvorgang zum nächsten bezeichnet man als Standzeit. Japanische Stemmeisen haben eine längere Standzeit als europäische Eisen. Der Schwachpunkt des harten Stahls ist, dass er spröde ist. Ohne die weiche Trägerschicht aus Eisen würde die harte Schicht brechen.

Der weiche Trägerstahl und der harte Schneidenstahl sind zusammengeschmiedet. Auf der Fase ist die Trennlinie zwischen hartem Schneidenstahl und weichem Trägerstahl deutlich sichtbar. Die Fase ist die Fläche, welche zur Schneide hin abgewinkelt ist.
Auf der Fasenseite sieht man den Rücken des Stemmeisens. Sichtbar ist der weiche Trägerstahl.
Auf der Spiegelseite sieht man den harten Schneidenstahl. Die Fläche ist auf dem Wasserstein poliert.
In der polierten Fläche spiegelt sich die Holzstruktur.

Aufbau eines japanischen Stemmeisens

Die Aufgabe des Stemmeisens liegt darin, die Schlagenergie des Hammers zur Schneide zu leiten. Es ist dabei großen Kräften ausgesetzt. Um diese Belastung dauerhaft auszuhalten, sind japanische Stemmeisen sehr stabil konstruiert: Dies beginnt mit einem massiven Metallring am Griffende, welcher die Holzfasern des Griffs zusammenhält und so ein Aufspalten verhindert. Zur Klinge hin hält eine konische Metallzwinge die Holzfasern zusammen. Metallzwinge und Hals sind massiv ausgeführt. Sowohl Zwinge als auch Hals sind stabiler als bei europäischen Stemmeisen. Die Klinge ist kurz und dick. Ein Hohlschliff auf der Spiegelseite erleichtert das Schärfen und verringert die Reibung beim Stemmen.

In Japan werden die Stemmeisengriffe wie in Europa aus Harthölzern gefertigt. Während in Europa bevorzugt Buche zum Einsatz kommt, verwendet man in Japan auch Eiche.

Richtige Arbeitsweise

Stemmarbeiten sollten Sie auf einer festen Unterlage ausführen. Denn federt die Unterlage nach, geht einige Schlagenergie verloren. Als Unterlage möglich sind ein Hobelbrett, niedrige japanische Arbeitsböcke oder eine europäische Hobelbank.

In Japan schlägt man das Stemmeisen traditionell mit dem Stahlhammer, dem Genno. Dieser hat eine gerade und eine ballige Schlagfläche. Man schlägt das Stemmeisen mit der geraden Fläche. Das Gewicht des japanischen Hammers ist mit ca. 400 g relativ niedrig. Seine Durchzugskraft erhält er durch seinen langen Stil. Nach einer Faustregel sollte der Stil so lang sein wie der Unterarm des Benutzers. Ist man jedoch auf den in Europa üblichen Holzhammer (Klüpfel) eingearbeitet, kann man diesen auch weiterhin verwenden. Er hat jedoch den Nachteil, dass er sich nicht so gut steuern lässt wie ein Stahlhammer, denn der Stahlhammer ist leichter.

Die kurze Bauform der japanischen Stemmeisen sorgt ebenfalls für eine bessere Steuerbarkeit. So ist man mit der Hand näher an der Stelle, an der man arbeitet. Die Arbeitstiefe leidet nicht unter der geringen Länge der Klinge. Diese ist abgewinkelt, was die Arbeitstiefe auf fast das Doppelte der Klingenläge vergrößert.

Das japanische Stemmeisen ist abgewinkelt. Somit stört der Hals nicht, wenn man in der Fläche arbeitet und beispielsweise einen überstehenden Dübel plan schneidet.
Traditionell schlägt man das japanische Stemmeisen mit einem Hammer.
Der japanische Hammer wird in Japan Genno genannt.

Stemmeisen gebrauchsfertig machen

Japanische Stemmeisen werden vom Handel oft nicht gebrauchsfertig geliefert. Bevor man das japanische Stemmeisen einsetzen kann, muss man erst den Metallring am Griffende auftreiben und die Spiegelseite plan schleifen. Hierzu sind einige Kenntnisse notwendig. In einem weiteren Artikel werde ich hierzu eine Anleitung bringen.

Erste Schritte in Holzbearbeitungskursen

In Nürnberg biete ich bereits seit über zehn Jahren Kurse über japanische Holzbearbeitung an. In meinen Kursen erfahren Sie, wie man japanische Stemmeisen gebrauchsfertig macht und fachgerecht schärft. Das regelmäßige Schärfen und Abziehen sollte man fest in den Arbeitsprozess integrieren. Nur mit scharfen Stemmeisen lassen sich gute Ergebnisse erzielen.

Geduld ist nötig

Die Bearbeitung von Massivholz mit Handwerkzeug erfordert viel Übung. Rechnen Sie nicht mit schnellen Ergebnissen. Die Belohnung ist aber umso größer, wenn man merkt, wie man langsam immer besser wird. Also, steigen Sie ein und bleiben Sie dran!

Weitere Artikel

Fachliteratur

Wenn Sie sich für Holz-Fachbüher interessieren, schauen Sie auch mal auf unsere Bücher-Seite.

Sägen mit der Japansäge – Anleitung für Längsschnitte

Sägeschnitte mit der Japansäge parallel zur Holzfaser

Sägeschnitte parallel zur Holzfaser kommen vor allem bei Schlitz- und Zapfenverbindungen vor. Aber auch beim Schneiden von Massivholzplatten längs zur Faser leisten japanische Längsschnittsägeblätter gute Dienste.

Wie Ihnen präzise Längsschnitte gelingen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bei Schlitz- und Zapfenverbindungen fallen Schnitte längs zur Holzfaser an.

 Sägezähne für Längsschnitte

Die Längsschnittverzahnung erkennt man an den dreieckig ausgeformten Sägezähnen. Sie arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie europäische Längsschnittsägen. Japanische Sägen arbeiten jedoch auf Zug, das heißt, man zieht sie durch das Material. Europäische Sägen werden durch das Material geschoben. Darum sind  japanische Längsschnittsägeblätter dünner als die europäischen. Mehr zu den Sägezähnen finden Sie hier.

Das Ansägen

Dem Ansägen kommt eine besondere Bedeutung zu. Zu Beginn schafft man sich eine Sägefuge, welche für den gesamten Schnitt als Führung dient. Japansägen lassen sich in der Sägefuge kaum mehr lenken. Ist die Säge einmal verlaufen, ist dies nur mit viel Aufwand korrigierbar. Das liegt an mehreren Faktoren: Japanische Sägeblätter sind weniger stark geschränkt als europäische, und sie sind dünner und breiter. („Schränkung“ bedeutet, dass die Sägezähne abwechselnd nach rechts und nach links gebogen sind.)

Festbeißen vermeiden

Bewegen Sie die Säge ohne Druck. So beißen sich die Sägezähne in der Sägefuge nicht fest. Das Gewicht der Säge reicht aus um zügig vorwärts zu kommen. Sollten sich die Sägezähne trotzdem festbeißen, verändern Sie den Winkel zwischen der Säge und dem Werkstück, während Sie schneiden.

Auftrennen eines Kantholzes mit der Japansäge Ryoba

Für diesen Schnitt wähle ich zum Ansägen zunächst eine Dozuki. Sobald eine gerade und ausreichend tiefe Sägefuge entstanden ist, mache ich mit der Längsschnittverzahnung der Ryoba weiter:

Mit Hilfe eines Streichmaßes markiere ich den Schnittverlauf.
Der Riss ist umlaufend.
Nun fahre ich den Anriss des Streichmaßes mit einem spitzen Bleistift nach. So ist die Markierung besser sichtbar.
Das Kantholz spanne ich so nahe wie möglich an der Stelle ein, an der ich später säge.

Beim Ansägen dieses Kantholzes habe ich mich für eine Dozuki mit Querschnittverzahnung entschieden. Diese schneidet mit weniger Widerstand als die Längsschnittverzahnung der Ryoba. Letztere ist manchmal  zu aggressiv. Die Zähne beißen sich beim Ansägen besonders leicht fest. Die Querschnittverzahnung der Dozuki hingegen bietet den ruhigen und sicheren Schnitt, welcher nötig ist, um eine präzise Sägefuge zu schaffen. Erst wenn eine gerade und ausreichend tiefe Sägefuge geschaffen ist, wechsle ich zur Längsschnittverzahnung der Ryoba.

Zunächst wähle ich eine Dozuki mit Querschnittverzahnung. Erst wenn eine gerade und ausreichend tiefe Sägefuge geschaffen ist, …
… wechsle ich zur Längsschnittverzahnung der Ryoba.
Ich schneide so lange weiter, wie ich den Riss sehen kann.

Sobald ich den Riss nicht mehr sehe, drehe ich das Kantholz um seine eigene Längsachse und schneide auf der anderen Seite am Riss weiter. So vermeide ich ein Abdriften vom Riss. Man verringert den Winkel zur Holzoberfläche während des Schneidens so lange bis er so klein ist, dass man nicht mehr weiterschneiden kann. Dann spannt man um, dreht das Kantholz wieder um seine eigene Längsachse und schneidet auf der gegenüberliegenden Seite weiter. Dies setzt man fort bis zur Mitte des Kantholzes.

Hat man das Kantholz bis zur halben Länge geschnitten, dreht man es um 180° Grad herum …
… und schneidet von der gegenüberliegenden Seite hinein. Man schneidet so lange, bis das Kantholz völlig aufgetrennt ist.
Schließlich ist das Kantholz aufgeteilt.

Wenn die Säge klemmt

Werden die Holzfasern durchtrennt, können im Holz vorhandene Spannungen freigesetzt werden. Dies führt dazu, dass die Sägefuge zusammengedrückt wird. Ein Weitersägen ist oft nicht mehr möglich.

Werden durch den Längsschnitt Spannungen im Holz frei, klemmt das Sägeblatt fest, und man kann nicht mehr weiterschneiden. Hier ist der Druck in der Sägfuge so hoch, dass die Säge festgehalten wird.
Mit einem spitzen Keil öffnet man die Sägefuge. So kann man wieder weiterschneiden.

Einsatz von Japansägen im Schreinerkurs

In meinen Kursen über klassische Holzbearbeitung mit Handwerkzeugen zeige ich Ihnen gerne die vielen Einsatzgebiete von Japansägen ganz praktisch. Besonders im Kurs „Klassische Holzverbindungen mit Handwerkzeugen – Schlitz und Zapfen“ lernen Sie den Einsatz von japanischen Längsschnittsägeblättern.

Mit etwas Übung

Ob Holzzuschnitt oder  Schlitz- und Zapfenverbindung, Schnitte längs zur Holzfaser lassen sich mit japanischen Sägen schnell und präzise durchführen. Wichtig ist nur, ein Gefühl für die Säge zu entwickeln. Und dazu ist erst einmal einige Übung nötig. Doch dann darf man sich über viele gute Arbeitsergebnisse freuen.

Weitere Artikel

Die klassische japanische Arbeitsweise

In Japan arbeitet man in verschiedenen Körperhaltungen: Im Sitzen oder Knien an einem Arbeitsbrett oder mit einem Fuß stehend auf dem Werkstück, welches auf kleinen Arbeitsböcken liegt. Einblick in die Vielfalt der klassischen japanischen Arbeitsweise bieten die beiden Bücher von Toshio Odate: „Die Werkzeuge des Japanischen Schreiners“ und „Shoji  – Schiebetüren und Trennwände selbst gemacht“.

Fachbücher

Wenn Sie sich für Holzfachbücher interessieren, werfen Sie auch mal einen Blick auf unsere Bücherseite. Dort finden Sie unter anderem auch die beiden erwähnten Bücher von Toshio Odate.

Japansägen für Anfänger

Wer sich für die Bearbeitung von Holz interessiert und sich bei Youtube umsieht, hat sie mit Sicherheit schon gesehen: japanische Sägen!

Sie werden als superscharf, leicht und extrem präzise angepriesen. Schnell fällt dann auf, dass es ganz verschiedene Formen und Anwendungen gibt. Zudem sind die Ergebnisse – zumindest im Film – meist phänomenal. Dann ist der Weg nicht mehr weit bis zu dem Wunsch: „Will ich auch haben!“

Auf der Suche nach der passenden Japansäge für den Einstieg stellen sich verschiedene Fragen, welche ich in diesem Artikel beantworten werde.

Feine Sägezähne und dünne Sägeblätter sind der Grund für exakte und saubere Schnitte.

Welche Japansäge soll ich kaufen?
Welche Japansägen sind für Anfänger geeignet?
Woran erkenne ich gute Qualität?

Wenn es um gutes Werkzeug geht, kommt es immer darauf an, wo ich es einkaufe: Ein renommierter Werkzeughändler, bei dem auch professionelle Holzbearbeiter einkaufen, kann es sich gar nicht leisten schlechte Qualität anzubieten. Das würde sich in der Szene sofort herumsprechen, und der Händler würde viele Kunden verlieren.

Wird eine Standardsäge unter 20,-€ angeboten, ist es eher unwahrscheinlich, dass die Qualität passt. Hier ist billig gekauft oft zwei Mal gekauft. Der Preis für die meisten Sägen liegt zwischen fünfundzwanzig und fünfzig Euro.

Japansägeblätter sind meistens dünn und biegsam. Sind die Sägeblätter eher dick, sollte man die Säge lieber im Regal liegen lassen. Billige und meist schlechte Japansägen findet man bei Discountern. Blogs, Fachzeitschriften und Foren sind gute Orte, an denen man Informationen über gute Fabrikate und Händler bekommt.

Japanische Sägen schneiden, während man sie zum Körper hin zieht, also „auf Zug“. Die dünnen Sägeblätter werden so überhaupt erst möglich. Die Kraft, welche beim Sägen entsteht, spannt das Sägeblatt und es knickt nicht ab, während die Schnittkräfte wirken.

Die „Dozuki“ – eine geeignete Japansäge für Anfänger

Arbeitet man mit europäischen Sägen, bewegt man die Säge mit viel Kraft durch das Holz. Europäische Sägeblätter arbeiten „auf Schub“ und sind viel dicker und robuster als japanische. Ist man dieses kraftvolle Arbeiten gewohnt, steht ein Umlernprozess an, wenn man beginnt mit japanischen Sägen zu arbeiten.

Für den Anfänger ist es hilfreich, mit einer rückenverstärkten japanischen Säge zu beginnen. Ich empfehle als Japansäge für den Anfang eine feine Dozuki. Man bewegt das Sägeblatt ohne Druck und mit möglichst wenig Kraft durch ein Probeholz und sammelt so erste Erfahrungen, wie die Säge arbeitet. Man wird merken, dass fast gar keine Kraft nötig ist. Die Säge arbeitet sich wie von selbst tiefer ins Holz. Zu viel Druck führt zum Verhaken der Sägezähne im Material. Bei zu kraftvollen Bewegungen knickt das Sägeblatt ab.

Rückenverstärkte Sägen wie diese Dozuki knicken nicht so leicht ab und sind deswegen für die ersten Sägeversuche besonders geeignet. Zudem ist es sinnvoll mit einem kurzen Sägeblatt zu starten. Solche kleinen Japansägen sind handlich und werden schnell zur Lieblingssäge in der Werkstatt.

Eine weitere Japansäge für Anfänger:
Die „Ryoba“ für Längsschnitte

Hat man sich an das Sägen auf Zug gewöhnt, ist das Arbeiten mit einer Ryoba ein guter nächster Schritt. Die Ryoba hat keine Rückenverstärkung und ist somit anfälliger für das Abknicken. Sie hat zwei Zahnreihen. Man sollte ein Modell wählen, welches eine Zahnreihe für Querschnitte und eine für Längsschnitte hat.

Das Sägeblatt der Ryoba hat auf beiden Seiten eine Zahnreihe. Durch die fehlende Rückenverstärkung sind auch tiefe Sägeschnitte möglich.

Zahnformen japanischer Sägen

Man unterscheidet zwei Zahnformen: Die Trapezverzahnung für Schnitte quer zur Holzfaser und die Dreiecksverzahnung für Schnitte längs zur Holzfaser.

Die Dreiecksverzahnung findet sich bei japanischen Längsschnittblättern. Die Sägezähne sind keilförmig wie ganz schmale Stemmeisen. Zum Sägegriff hin werden die Zähne kleiner. Die größeren Sägezähne am anderen Ende des Sägeblattes sind fast doppelt so groß. Mit Hilfe der kleineren Zähne sägt man das Holz in kurzen Hüben an. Hat man eine Sägefuge geschaffen, in der die Säge sicher läuft, sägt man in langen Hüben. Nun kommen auch die größeren Sägezähne zum Einsatz.
Die Trapezverzahnung kommt bei Querschnitten zum Einsatz. Die Sägezähne haben eine Trapezform und sind messerartig angeschliffen. Der Abstand zwischen den Zahnspitzen ist wesentlich kleiner als bei der Dreiecksverzahnung. Durch die besondere Ausformung der Sägezähne schneidet die Trapezverzahnung sehr sauber quer zur Holzfaser.

Praxisübungen für den Einstieg

Planen Sie ruhig mal ein oder zwei Übungsstunden ein, um ein gutes Gefühl für die Säge zu entwickeln. Suchen Sie sich Abfallstücke in Ihrer Werkstatt, oder kaufen Sie ein paar günstige Massivholzplatten und Leisten aus der Restekiste im Baumarkt. Ideal ist ein Weichholz, wie Fichte beispielsweise. Starten Sie ohne Genauigkeitsanspruch! Es geht darum einfach nur zu sägen. Zuerst quer zur Faser mit der Dozuki und später längs zur Faser mit der Ryoba. Nach dieser Übungszeit haben Sie ein Gefühl für die Sägen entwickelt und können auch mal einen exakten Schnitt versuchen.

Man spannt das Holz möglichst nah an der Stelle ein, an der man sägt. So vermeidet man Vibrationen.
Der Daumennagel dient als Führung beim Ansägen.
Die ersten Sägeschnitte macht man in ein Probestück. Zum Einsatz kommt eine Dozuki. Langsam und möglichst ohne Druck zieht man die Säge quer zur Faser durch das Holz. Manche Experten empfehlen, auch mal mit geschlossenen Augen zu sägen, um das Sägen auf Zug einzuüben. Das Probestück sollte man gut festspannen, um sich ganz auf das Sägen konzentrieren zu können.

Längsschnitte üben mit der Ryoba

Schnitte parallel zur Holzfaser sind oft tiefe Schnitte. Mit einer rückenverstärkten Säge stößt man hier schnell an Grenzen. Hier hilft die rückenlose Ryoba weiter. Außerdem verfügt diese Säge über die passende Verzahnung für Schnitte parallel zur Holzfaser.

Schnitte parallel zur Richtung der Holzfaser übt man mit der Ryoba.

Japanische Sägen im Holzbearbeitungskurs

In den Holzbearbeitungskursen der KursWerkstatt Nürnberg lernen Sie Japanische Sägen anzuwenden. Es besteht Gelegenheit Fragen zu den Werkzeugen und den Arbeitstechniken zu stellen. Zudem üben Sie die Anwendung der Werkzeuge bei der Anfertigung einer Holzverbindung.

Impression aus dem Kurs „Einführung in die japanische Holzbearbeitung“ der KursWerkstatt Nürnberg.

Richtige Lagerung Japanischer Sägen

Bei japanischen Sägen sind Sie gut beraten, wenn Sie diese vor Stößen und Druck schützen. Ihre harten und spröden Sägezähne brechen leicht aus, und die dünnen Sägeblätter neigen zum Verbiegen. Abhilfe schaffen spezielle Sägen-Etuis aus Leinen, Leder oder Kunststoff.  Oder Sie bauen sich selbst einen Sägenschutz aus Sperrholz.

Wer die Umstellung auf japanische Sägen wagt, wird durch präzise und saubere Schnitte belohnt. Bald schon sind die leichten Zugsägen aus der Werkstatt nicht mehr wegzudenken!

Weitere Artikel zum Thema Japansägen:

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Weiterführende Fachliteratur:

Noch mehr über japanisches Handwerkzeug können Sie nachlesen im Buch „Die Werkzeuge des japanischen Schreiners“ von Toshio Odate.

Wenn Sie das Buch kaufen wollen, können Sie über untenstehenden Link die Amazon Produktseite aufrufen und darüber den Kauf tätigen. Damit unterstützen Sie unseren Blog.

Japanisches Handwerkzeug – ideal für Holzarbeiten im Wohnzimmer

Wer Holzarbeiten in seiner Wohnung machen möchte, dem lege ich den Einsatz von japanischem Handwerkzeug ans Herz: Handwerkzeuge sind viel leiser als Handmaschinen, und es entsteht kein Feinstaub. Weil japanische Sägen auf Zug arbeiten, entstehen viel geringere Schnittkräfte wie bei europäischen Sägen. Das heißt, man benötigt für die Arbeit keine große, massive Hobelbank.

Arbeitsweise mit japanischem Handwerkzeug

Arbeitet man so wie in Japan üblich, nimmt man zwei kleine Arbeitsböcke. Traditionell arbeitende japanische Schreiner sitzen bei der Arbeit. Sie halten ihre Werkstücke mit dem Fuß oder mit den Händen fest, während sie diese bearbeiten. Sind die Werkstücke kürzer, arbeitet man sitzend an einem Hobelbrett.

Das Hobelbrett ist ein Arbeitsplatz für verschiedene Arbeiten. Sägen, stemmen und hobeln sind dort gleichermaßen möglich.
Japanische Schreiner arbeiten auf niedrigen Holzböcken auf dem Boden.

Wem die Arbeit am Boden zu unbequem ist, arbeitet an einem stabilen Tisch oder einer kleinen Hobelbank. Wahlweise hält man das Werkstück an kleinen Vorrichtungen mit der Hand fest oder man verwendet Schraubzwingen. Auch für die stehende Arbeitshaltung benötigt man nur eine leichtere Ausrüstung, wenn man japanische Handwerkzeuge einsetzt.

An Hobelbänken lassen sich japanische Handwerkzeuge sehr gut einsetzen. Für das eigene Wohnimmer gibt es schöne kleine Hobelbänke, die auch als Möbelstück sehr attraktiv sind.

Japanische Stemmeisen setzt man ebenfalls auf Arbeitsböcken oder dem Hobelbrett ein. Sowohl bei der Arbeit in der Bodenposition als auch bei der stehenden Arbeitsweise sollte man darauf achten, dass die Arbeitsunterlage nicht nachfedern kann. Sonst geht viel von der Schlagenergie verloren.

Den japanischen Hobel zieht man über das Werkstück. Für kleinere Werkstücke ist das Hobelbrett ideal. Eine kleine Hobelbank ist aber ebenso möglich.

Wer Interesse hat, die Arbeitstechniken der Handbearbeitung zu erlernen, kann dies z. B. in meinen Handbearbeitungskursen in Nürnberg tun. Alle Themen und Infos zu den Kursen unter www.kurswerkstatt-nuernberg.de.

Weitere Artikel:

Buchempfehlung zur japanischen Holzbearbeitung

In Toshio Odates Buch „Die Werkzeuge des Japanischen Schreiners“ findet man die Beschreibung und Anwendung der grundlegenden Werkzeuge. Zudem beschreibt er den Arbeitsplatz auf dem Boden. Das Buch ist 1984 in den USA erstmals erschienen und ist noch immer das unangefochtene Standardwerk über japanische Holzbearbeitung.

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